Arbeit&Wirtschaft 11/2006 45 außen, von Dietmar Ecker ›die BAWAG Affäre sei ein reiner Kriminalfall‹ selbst glauben, wird das Fundament des neuen ÖGB immer im Sumpf stehen.« Betriebsräte keine Gewerkschaftsmitglieder Eine anderer Teilnehmerin in Wien: »Am erschreckendsten für mich ist die Tatsa- che, dass von 15.000 Betriebsrats-Mit- gliedern bei den Angestellten ein Drittel nicht bei der Gewerkschaft sind. Natür- lich soll man Mitglieder werben, das ist keine Frage. Aber: Die Arbeitneh- merinnen und Arbeitnehmer werden im Moment kein Interesse haben, diesem ÖGB beitreten zu wollen. Desinteresse der Mitglieder? Zu allererst muss eine klare und offen ersichtliche Neuausrichtung bzw. Ge- staltung des ÖGB und der Teilgewerk- schaften erfolgt sein, die für die Arbeit- nehmerinnen und Arbeitnehmer nach- vollziehbar ist. Dann erst kann an eine Mitgliederwerbung gedacht werden.« Offene Fragen Die auf den verschiedenen Konferenzen aber auch auf ÖGB-Internetplattform zu verschiedenen Themen der ÖGB- Reform geäußerten Fragen und Stel- lungnahmen, warum die Regionalkon- ferenzen so schlecht besucht seien, ob dies am Desinteresse der Mitglieder oder an den Vorgängen im Österreichischen Gewerkschaftsbund oder (auch) an der mangelhaften Bekanntmachung und Bewerbung dieser Veranstaltungen liegt und ob seitens der ÖGB-Spitze auch ein wirkliches Interesse an möglichst vielen und gut besuchten ÖGB-Reform-Regio- nalkonferenzen bestand, blieb da wie dort offen. Dass es auch anders geht und in re- lativ kurzer Zeit bei entsprechender Vor- bereitung und Bewerbung viele Mit- glieder und Betriebsräte organisiert und einbezogen werden können, zeigen die Betriebsversammlungen zu den »Metal- ler-Kollektivvertragsverhandlungen« von Metaller- und Angestelltengewerk- schaft, bei denen bis Ende Oktober allein innerhalb einer Woche an die 13.000 KollegInnen, also viermal so viele Mitglieder als bei den über zwei Monate laufenden Regionalkonfe- renzen, mobilisiert werden konnten. W. Leisch Mehr zur Reformdebatte zu den verschie- densten Themen unter der vom ÖGB ein- gerichteten Internet-Disk­ussionsplattform: www.oegbreform.at I N F o Sie zeigen, wie neue Ansätze in der Erfül- lung öffentlicher Aufgaben umgesetzt werden. Dabei sind es vor allem drei Be- reiche, die eingehender behandelt wer- den: Kontraktmanagement (Steuerung durch Leistungsvereinbarungen), De- zentrale Fach- und Ressourcenverantwor- tung (Globalbudgets) und ergebnisorien- tierte Steuerung. Den Rahmen geben New Public Management (NPM) und das Konzept von Good Governance. NPM erhebt den Anspruch, die her- kömmliche bürokratische Steuerung öf- fentlicher Aufgaben durch Verfahrensvor- schriften (Kompetenzverteilung und Ver- waltungsverfahren) und Kameralistik (Dienstpostenpläne, Zuweisung von Sachmitteln und verbindliche Jahresvor- anschläge) durch einen neuen Ansatz der ergebnisorientierten Steuerung zu erset- zen. NPM geht in der Regel Hand in Hand mit der Auslagerung öffentlicher Aufgaben aus der Verwaltung und ihrer Übertragung an verselbständigte Einrich- tungen, zivilgesellschaftliche Organisati- onen und Unternehmen. Den Herausge- bern des Bandes zufolge soll dieser Ansatz durch Good Governance, »einer neuen Strategie zur umfassenden, strategischen und nachhaltigen Modernisierung des öffentlichen Sektors« erweitert werden, die sich zunehmend auf Bürgerbeteili- gung und Politikreform richte. Das Buch gibt einen guten Überblick über aktuelle Veränderungsansätze im öf- fentlichen – vor allem kommunalen – Be- reich. Wer sich allerdings eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Ansätzen erwartet, wird enttäuscht werden. H. Wabnegg Öffentliches Management in Österreich Der Sammelband umfasst Erfahrungsberichte von Praktikern aus dem öffentlichen Bereich, wie Bundesdienststellen und Kommunen. Helfried Bauer, Peter Biwald, Elisabeth Dearing (Hrsg.): Öffentliches Management in Österreich. Realisierung und Perspektiven. KDZ Managementberatungs- und WeiterbildungsGmbH, www.kdz.or.at Wien, Juni 2003, 364 Seiten. ISBN 3-901683-18-6, € 33,80 Meinung, Bücher