Arbeit&Wirtschaft 4/2008Schwerpunkt 16 U mfragen auf europäischer und nationaler Ebene zeigen die ÖsterreichInnen sehr vertrau- ensselig was den Umgang mit persönlichen Daten betrifft. Insbesonde- re im beruflichen Umfeld vertrauen Herr und Frau Österreicher ihren Arbeitgebe- rInnen, ohne zu wissen, was diese über- haupt mit den Daten machen dürfen. In den Unternehmen werden aber die Da- ten der MitarbeiterInnen zunehmend über alle Grenzen hinweg weitergeleitet, gespeichert und ausgewertet. Das Eurobarometer der Europäischen Kommission 2003 mit Schwerpunkt Datenschutz zeigt deutlich, dass in Öster reich das Gesetz bezüglich des Daten schutzes als ausreichend empfun- den wird. Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass das Gesetz allerdings we- nig bekannt ist. Informationspflicht wird bei uns als weniger wesentlich gesehen als in anderen EU-Ländern, obwohl es ein Eckpfeiler des Datenschutzes ist. Auch über persönliche Rechte weiß man weni- ger gut Bescheid (z. B. Information über Zweck und Gegenstand der Datenanwen- dung sowie Quelle und Empfänger der Daten, Berichtigungs- und Löschungs- rechte). Am wenigsten bekannt sind die- se Rechte bei den BürgerInnen Portugals, am bes ten bei den ItalienerInnen. Auch vertrauen die ÖsterreicherInnen darauf, dass ihre ArbeitgeberInnen mit ihren per- sönlichen Daten verantwortungsvoll um- gehen, übertroffen nur von Dänemark. Dementsprechend gibt es in den ös- terreichischen Unternehmen kaum Be- schwerden, wie aus einem zweiten Euro- barometer 2003 hervorgeht. Bei dieser Befragung wurden 3.013 nationale und betriebliche Datenschutzbeauftragte in Firmen mit 20 und mehr Mitarbeite- rInnen befragt. Ein knappes Viertel der Unternehmen in der EU (23 Prozent) re- gistrierte keine Anfragen zum Daten- schutz, in Österreich fast die Hälfte (47 Prozent). Über 100 Anfragen er- hielten 62 Prozent der schwedischen und 61 Prozent der britischen Betriebe, dort ist die Sensibilität der Betroffenen beson- ders hoch. Der EU-Durchschnitt liegt bei 49 Prozent, aber nur 30 Prozent der österreichischen Betriebe erhielten 100 und mehr Anfragen zum Datenschutz. Wenig Datenschutzbewusstsein Es ist deutlich zu erkennen, dass die Ver- antwortlichen dem österreichischen Da- tenschutz wesentlich kritischer gegen- über stehen als die Betroffenen. So wurde z. B. stärker als im europäischen Durch- schnitt bemängelt, dass Kontrolle und Sanktionsmöglichkeiten des bestehenden Datenschutzgesetzes sehr gering sind (28 Prozent im EU-Durchschnitt, 43 Prozent in Österreich). Auch wurde kritisiert, dass Sicherheitsmaßnahmen international kaum harmonisiert sind (33 Prozent im EU-Schnitt, 52 Prozent in Österreich). Die ARGE-Daten stellte bei einer Aus- wertung der bei ihr eingegangenen An- fragen im Zeitraum 2000 bis 2007 fest, dass der berufliche Datenschutz nur acht Prozent der Nachfrage ausmacht. Vorran- gig hat die Organisation zum Konsumen- tInnenschutz beraten (30 Prozent). Studie der GPA-DJP Im Dezember 2007 gab die GPA-DJP, ei- ne Studie über den Wissensstand zu Da- tenschutz und betrieblicher Praxis in Ös- terreich in Auftrag. Die Fragen wurden vom Meinungsforschungsinstitut IFES zusammen mit dem Arbeitsklimaindex 1.003 unselbstständig Beschäftigten ge- stellt. Die Ergebnisse zeigen, dass geringer Wissensstand und großes Vertrauen Hand in Hand gehen: 70 Prozent der Befragten haben vollstes bzw. weitgehendes Vertrau- en in die innerbetriebliche Datenverwen- dung. 67 Prozent fühlen sich nicht kon- trolliert. Interessant ist, dass nur 53 Pro- zent der Befragten angeben, voll bzw. teilweise informiert zu sein, was mit ihren Daten im Betrieb passiert. 20 Prozent wis- sen Bescheid über die Aufbewahrungsdau- er. 34 Prozent wissen, wer Zugangsberech- tigungen hat. Geht man von der Idealvor- stellung des Gesetzgebers aus, müssten alle MitarbeiterInnen, deren personenbe- zogene Daten verarbeitet werden, infor- miert werden, zu welchem Zweck die Da- ten benötigt werden, wer Einsicht hat, wie sie weiterverarbeitet und wie lange sie ge- speichert werden. Unter personenbezo- gene Daten fallen viele persönliche Anga- ben, von Name, Adresse, Kinderanzahl und Sozialversicherungsnummer über Autorin: Clara Fritsch Mitarbeiterin der GPA-djp, Abteilung Arbeit & Technik Vogel-Strau§-Politik In Sachen innerbetrieblichen Datenschutz vertrauen die ÖsterreicherInnen ihren ArbeitgeberInnen. W e B l i n k s IFES-Umfrage zum Thema Datenschutz www.ifes.at/index. php?aNUM=1&newsId=134