Arbeit&Wirtschaft 4/2008Schwerpunkt 20 S ich in der »Informationsgesell- schaft« zu bewegen bedeutet: umgeben sein von elektronischen Systemen, die das Leben leichter machen sollen – Handy, Internet, Ban- komatkarten, Kundenkarten u. v. m. Ein rigoroser Verzicht auf Kommunikations- technik ist mit einer Teilnahme am wirt- schaftlichen und sozialen Leben nicht mehr vereinbar. Der Gedanke, digitale Dienste nicht immer und überall zu nut- zen, bringt vor allem Jugendliche rasch an die Grenze ihrer Vorstellungskraft. Die Kinder des digitalen Zeitalters verbrau- chen mühelos SMS-Kontingente von 1.000 Kurznachrichten pro Monat und blicken mitleidig auf jene kommunikati- onsschwachen Außenseiter, die sich nicht mittels Social-Networking-Plattformen mit hundert neuen Onlinebekannt- schaften brüsten können. Das durchschnittliche Anwenderwis- sen Jugendlicher ist zwar groß, zugleich sind sie aber altersbedingt leicht verführ- bar und wägen Risiken kaum ab. So ha- ben sich viele populäre Onlineseiten, die Austausch und Selbstdarstellung ermög- lichen, wie MySpace, Facebook, YouTube u. v. m als veritable »Jobkiller« erwiesen. Freimütige Einträge sind oft noch Jahre später auffindbar – auch für Firmen, die vor der Personalauswahl auch schon ein- mal das Internet nach eventuellen On- lineprofilen der BewerberInnen durch- kämmen. Wer persönlichste Details im Internet verbreitet, muss damit rechnen, dass diese Infos auch gefunden werden. Das deutsche Studentenportal StudiVZ verspielte kürzlich das Vertrauen vieler seiner vier Millionen NutzerInnen mit einer Änderung seiner Geschäftsbedin- gungen, die dem Verkauf von Nutzerda- ten zu Marketingzwecken den Weg be- reitet. Das Bewusstsein, dass Surfen und Kommunizieren im Web Spuren hinter- lassen, ist gewachsen, die Folgen werden aber oft noch unterschätzt. Kundenprofile fürs Marketing Auch der »mündige« Konsument hat sei- ne Technikscheu bezwungen, kauft on- line, nutzt Online-Banking und gibt da- bei in der Regel seine Identität preis. Da- ten fallen immer öfter auch als reines »Nebenprodukt« der Geschäftserbrin- gung an, ohne dass KonsumentInnen sie aktiv und bewusst offenlegen: Dazu zäh- len neben Surfspuren im Internet und Standortdaten beim Handy künftig wohl auch vermehrt das Erkennen von Gegen- ständen und Personen via RFID-Funk- chips oder biometrische Verfahren der Personenerkennung auf Distanz. Der Preis für die Bequemlichkeit: Online hin- terlässt man viel mehr Datenspuren als offline. Verhaltensmuster werden durch- schaubarer. Überwachung durch private Unternehmen (aber auch öffentliche Stel- len) wird einfacher. So sind etwa Kundendaten heiß be- gehrt – als handelbare Ware werden sie für Werbezwecke aber auch die Beurteilung der Kaufkraft und des Zahlungsverhaltens von KonsumentInnen eingesetzt. Online- Gewinnspiele, Kundenkarten, der Daten- zukauf bei Adresshändlern sind nur einige Instrumente, um an Kundendaten für ziel- gerichtete Werbung heranzukommen. Massengeschäftspraktiken, Fernabsatzver- träge ohne direkten Kundenkontakt und die steigende Haushaltsverschuldung füh- ren dazu, dass Anbieter schon im Vorfeld eines Geschäfts abschlusses möglichst zu- verlässige Prognosen über ihre Kunden/ Kundinnen treffen möchten. Sie stützen sich dabei nicht nur auf öffentlich zugäng- liche Fakten (wie Insolvenzen, Exekuti- onen u. ä.), sondern auch auf bloße An- nahmen über Personen aufgrund von Sta- tistiken, die sogenannte Wirtschaftsaus- kunfteien für sie zusammentragen. Dem/r KonsumentIn wird ein Scorewert, eine Zahl, zugeordnet, der die mathematisch- statistische Wahrscheinlichkeit ausdrü- cken soll, mit der er/sie z. B. seine Zah- lungspflichten erfüllen wird. Die Boni- tätsbewertung erfolgt online. So streicht eine Wirtschaftsauskunftei in ihrer Onli- newerbung hervor: »Zählen Privatper- sonen zu Ihren Kunden? Kein Problem: Ein kurzer Online-Check in unserer Consumer- Datenbank (35 Mio. Daten- sätze!) – und Sie wissen, woran Sie sind.« Ein negativer Score kann darüber entschei- Privatsph?re in Gefahr Unsere moderne Informationsgesellschaft bietet uns Bequemlichkeit und Sicherheit – das hat aber auch seinen Preis. Autorin: Mag. Daniela Zimmer Abteilung für Konsumentenschutz in der Arbeiterkammer Wien W e B l i n k s AK-Abteilung für Konsumentenpolitik www.arbeiterkammer.at/ www-2837.html