Arbeit&Wirtschaft 4/2008Schwerpunkt 26 W issen ist Macht«, so sprach schon der englische Philosoph Francis Bacon vor rund 400 Jahren. Wer Wissen und Infor- mationen hat kann sie zu seinem/ihrem Vorteil nutzen. Heute können sich die meisten Menschen der Industrieländer des Nordens ein Leben ohne den schnel- len Zugang zu Wissen und Information kaum noch vorstellen. Internet und Mobilfunk ermöglichen uns den Infor- mationsaustausch weltweit binnen Se- kunden. Besonders in der Wirtschaft kann nur bestehen, wer ständig am Puls der Zeit ist. Ein Informations- und Wis- sensvorsprung bedeutet – für die, die ihn haben – auch einen großen Machtvor- sprung. Das stärkt die Machtposition der reichen Länder der Welt natürlich be- trächtlich. Denn was wir gerne vergessen ist: Nur maximal 20 Prozent der Men- schen weltweit profitieren von den neu- en Medien, Computer, Internet und Mobilfunk. Der Rest der Menschheit bleibt ausgeschlossen. Digitale Kluft Wir sprechen von der sogenannten Di- gital Divide oder digitalen Kluft, die zwi- schen verschiedenen Gruppen besteht; innerhalb Österreichs zwischen den ver- schiedenen Einkommens-, Alters- und Bildungsschichten; außerhalb Österrei- chs zwischen den Industrie- und Ent- wicklungsländern, ausgelöst durch die strukturelle Ungleichverteilung beim Zu- gang zu Internet, Mobilfunk und anderen Medien. Es gibt diejenigen, die wissen und die, die nicht wissen. Nicht zu wis- sen bedeutet, ohne Macht und Einfluss in der Welt zu sein. Man spricht in die- sem Zusammenhang von technischem Analphabetismus – heute ebenso gefähr- lich wie eigentlicher Analphabetismus. Die gerechtere Verteilung von Informa- tionszugängen ist nach Ansicht vieler Entwicklungsorganisationen genauso wichtig wie der Zugang zu Nahrung, Medikamenten und Bildung. Ob man den Menschen nicht lieber eine warme Mahlzeit spendieren sollte? Nur wer eu- ropäisch denkt, stellt solche Fragen, sind viele Menschen in Entwicklungsländern heute überzeugt. »Hilfsprojekte sind kei- ne langfristige Lösung. Zugang zu Com- putern und Internet hilft den Menschen dabei, sich selbst zu helfen«, sagt Amit Kumar, 22, ehemaliger Slumbewohner. Kumar selbst hat sich hochgearbeitet und hatte Glück. Er arbeitet heute im Tele- fonmarketing. Weltweit festigt sich die digitale Kluft immer mehr. Während in einigen asia- tischen Ländern, Europa und den USA ein Großteil der Menschen täglich PCs benutzen, viele davon selbst einen Com- puter besitzen und über einen Internet- zugang verfügen, ist dies in den ärmsten Ländern der Welt bei weitem keine Selbst- verständlichkeit. Schlusslicht bilden Län- der wie Bangladesh, Pakistan und die meisten afrikanischen Staaten. Hier ha- ben maximal zehn Prozent der Menschen manchmal (z. B. in der Arbeit) einen Computer zur Verfügung, und noch viel weniger haben Zugang zu Internet. Nicht ganz so trostlos sieht die Lage bei den Mobiltelefonen aus. Hier hat sich die Zahl der NutzerInnen in den letzten Jahren vervielfacht. Fischer und Handy Doch was nutzt überhaupt einem armen Fischer in Kenia oder anderswo in der »Dritten Welt« sein Handy? Offenbar sehr viel! Studien haben gezeigt, dass Fi- scher heute ihre Waren mit Hilfe des Handys viel gezielter absetzen können. Früher musste ein Fischer auf gut Glück einen Markt ansteuern, um dort seine Ware zu verkaufen. Heute kann er sich per Handy informieren, auf welchem der lokalen Märkte er die besten Chancen hat, an einem bestimmten Tag seinen Fang gewinnbringend an die Kundschaft zu bringen. Früher passierte es häufig, dass es auf dem Fischmarkt eines Dorfes ein Überangebot gab und die Fische ver- darben. Am Markt im Nachbardorf hin- Macht und Ohnmacht Die moderne Wissensgesellschaft öffnet eine digitale Kluft zwischen Jung und Alt, Reich und Arm, entwickelten und Entwicklungsländern. Autorin: Ruth Bauer Freie Journalistin mit Schwerpunkt Afrika W e B l i n k s Artikel auf Wikipedia zum Thema: de.wikipedia.org/wiki/Digitale_Kluft de.wikipedia.org/wiki/Weltgipfel_zur_ Informationsgesellschaft de.wikipedia.org/wiki/ Wissensgesellschaft Artikel zum »Loch in der Wand«: www.indien-netzwerk.de/navigation/ kulturgesellschaft/gesellschaft/artikel/ computer_slumkids.htm