Arbeit&Wirtschaft 4/2008 29 Meinung KommentarKommentar { Karl KollmannUniv. Prof. Ing. Dr.Stv. Leiter Abteilung Konsumentenpolitik AK Wien E s gibt tatsächlich einen deutlichen Zusammenhang von Kommunika-tionselektronik-Konsum, also dem Konsum elektronischer Medien und den Schulleistungen von Kindern und Ju- gendlichen: Je mehr Kinder fernsehen, Videospiele spielen oder im Internet die Freizeit totschlagen, desto schlechter sind ihre Noten. Das wurde in mehreren groß angelegten Studien in Deutschland fest- gestellt. Es wird in Österreich nicht viel anders sein. Schlechtere Noten Eigentlich verrückt: die Bildungsministe- rinnen schwärmen vom elektronischen Klassenzimmer (die Computerindustrie sowieso, da das ein Riesengeschäft ist), schon in Kindergärten hält jetzt der PC Einzug, und die meisten Eltern zögern auch nicht, wenn ein Notebook für den Nachwuchs angeschafft werden soll. Das Ergebnis: Elektronischer Medienkonsum macht Kinder dümmer, die Schulnoten schlechter. Das heißt, Bildungsverantwortliche, Schule und Eltern sind letztendlich schuld an einem Ergebnis, das sie gar nicht wol- len, nämlich miese Noten bzw. Ergeb- nisse. Zum PC kommt das Fernsehen. Mehr als die Hälfte der Kinder (von sechs bis vierzehn) haben einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer stehen. Naiv, wer meint, dass da nicht oft auch noch spätnachts Filme angesehen werden, die gar nicht für Kinder bestimmt sind. Naiv, wer meint, dass Kinder nur kindgerechte Internetsei- ten ansehen oder für die Schule lernen. Und, die Eltern sind es oft selbst, die ihre Kinder mit moderner Elektronik zumül- len, Motiv dabei: »Das Beste für das Kind«. Etwa die aggressiven Videospiele (die meis- ten sind alles andere als friedlich) werden überwiegend von Eltern gekauft. Jedoch: Mediengewalt senkt beim Zuseher die Aggressionshemmung, das ist neuerdings auch schon neurobiologisch nachgewie- sen. Wie war das kürzlich in den Nach- richten und Zeitungen: Die Gewalt unter Kindern und Jugendlichen steigt? Es kommt aber noch paradoxer: Kin- der von wirtschaftlich schwächeren Eltern sind elektronisch besser ausgestattet als die von wirtschaftlich Starken (sagen deutsche, aber mittlerweile auch österrei- chische Studien). Das heißt, die Wenig- verdienerInnen sparen sich die Elektro- nikdinge ihrer Kinder vom Mund ab, um indirekt damit für schlechte Schulnoten zu sorgen. Hier wäre eine kluge und nach- haltige Bildungspolitik einzufordern. Weg von der Eindimensionalität des »das muss man heute haben«. Ein Umdenken in der Schule wie bei den Eltern, eine neue gesellschaftliche Elektronik-Kultur gewissermaßen, wäre notwendig. Soziale Kompetenz fördern Natürlich soll man als Jugendlicher mit dem Computer umgehen und als Kind auch Fernsehen nutzen können. Aber vernünftig – also alles mit Maß und Ziel und vor allem altersadäquat. Eltern und Schule müssen nicht die Aggression, die Kaufsucht- und Internetsuchtneigung der Kinder fördern, sondern für Kom- petenz der Kinder sorgen. Soziale Kom- petenz und Medienkompetenz kommt sicher nicht aus den elektronischen »Kisten«. Gegen Verdummung Fernsehen und Internet machen Kinder dumm – das ist das Ergebnis einiger aktueller Studien, die sich mit dem Elektronik-Konsum von Kindern befassen. k o n t a k t Schreiben Sie uns Ihre Meinung an den Autor karl.kollmann@akwien.at oder die Redaktion aw@oegb.at