Arbeit&Wirtschaft 4/2008 Aus AK und Gewerkschaften 36 Weiterbildungswildwuchs Eine aktuelle AK-Studie stellt zahlreiche Informationsmängel bei Weiterbildungs- lehrgängen fest. Autorin: Mag. Martha Eckl Hochschulexpertin der AK Wien W e B l i n k s Die Studie »Mystery Shopping bei hochschulischen und äquivalenten Weiterbildungsangeboten« (öibf, 2007) ist in einer Kurz- und Langversion auf der Homepage der AK Wien verfügbar. Damit der Lehrgang nicht zum »Leergang« wird – die AK Wien hat als neue Serviceleistung eine »Check- liste für Weiterbildungslehrgänge« entwickelt: wien.arbeiterkammer.at/bildung I n den letzten Jahren hat die Zahl der Weiterbildungsangebote an Univer- sitäten, Fachhochschulen und von sogenannten »Lehrgängen universi- tären Charakters« stark zugenommen. 2007 gab es allein an den Universitäten über 600 Lehrgänge zu ganz verschie- denen Themenfeldern mit rund 12.000 Studierenden. Auch bei den Erwachse- nenbildungseinrichtungen schießen Lehrgänge wie die Schwammerln aus dem Boden. So vielfältig AnbieterInnen, Titel, Zu- gangsvoraussetzungen, Lehrmethoden oder Abschlussberechtigungen auch sein mögen, eines trifft nahezu auf alle Lehr- gänge zu: Sie kosten viel Zeit und Geld. Gebühren in Höhe eines Klein-Pkw oder einer Weltreise sind keine Seltenheit. Weiterbildungslehrgänge werden heut- zutage wie andere »Produkte« auf Plaka- ten, im Internet, in Broschüren, bei Mes- sen und in Zeitungsbeilagen kommerziell beworben. Allerdings wird es für Interes- sentInnen zunehmend schwieriger, sich in diesem »Bildungsdschungel« zu orien- tieren und die passende Weiterbildung für sich zu finden. Um ein besseres Bild darüber zu er- halten, wie gut die einzelnen Anbiete- rInnen über ihre Lehrgänge informieren, hat die AK Wien beim Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung (öibf ) eine Studie in Auftrag gegeben. Insgesamt wurden 30 Bildungsangebote im Großraum Wien untersucht. Nach Institutionen gegliedert gab es folgende Zusammensetzung: sechs Universitäts- lehrgänge, vier fachhochschulische Wei- terbildungslehrgänge, zehn Lehrgänge universitären Charakters (LuC) sowie zehn Lehrgänge von privaten Anbietern. Die Auswahl reichte von Kosmetik- und Sozialberatungsausbildungen über Kom- munikationslehrgänge bis hin zu Manage- mentlehrgängen mit Masterabschluss. Geschulte TesterInnen ermittelten, welche vorab erhältlichen Informationen über Internet und Telefon für potenzielle LehrgangsteilnehmerInnen zur Verfü- gung stehen. Grobe Informationsmängel Ein Drittel der Anbieter konnte selbst bei telefonischer Nachfrage keine ge- naueren Angaben zu den Kosten oder potenziellen Fördermöglichkeiten ma- chen. Am besten schneiden dabei die Universitätslehrgänge ab. Über 60 Pro- zent informieren auf der Homepage, ein Viertel gibt zumindest auf telefonische Nachfrage Auskunft. In vielen Fällen konnte darüber hinaus kein eindeutiger Bezug zwischen Kosten und Leistung hergestellt werden. Die Kosten pro Un- terrichtseinheit – als Vergleichsbasis zwi- schen unterschiedlich langen Angeboten – waren oft nicht transparent. Tatsäch- lich schwanken die Kosten pro Unter- richtsstunde zwischen rund sieben und knapp über 100 Euro. Nebenkosten wie Anmelde- und Prü- fungsgebühren, Fahrt- und Nächtigungs- kosten, Kosten für Literatur, Skripten etc. wurden oft nicht genannt, waren unvoll- ständig oder schwer festzustellen (siehe ?bersicht ?ber Kosten von Weiterbildungslehrg?ngen (gerundet) Anbieter Direkte Kosten Nebenkosten Gesamtkosten Universitäten 4.800,– bis 7.700,– 100,– bis 3.700,– 5.300,– bis 10.900,– Fachhochschulen 1.100,– bis 7.000,– 0,– bis 4.500,– 3.800,– bis 10.400,– Anbieter von LuC 4.800,– bis 34.500,– 0,– bis 4.100,– 5.000,– bis 34.800,– Sonstige Anbieter 1.000,– bis 14.400,– 0,– bis 1.800,– 1.000,– bis 14.800,– Quelle: öibf, Angaben für die gezogene Stichprobe in Euro