Arbeit&Wirtschaft 4/2008 Aus AK und Gewerkschaften 37 k o n t a k t Schreiben Sie uns Ihre Meinung an die Autorin martha.eckl@akwien.at oder die Redaktion aw@oegb.at Tabelle 1: »Übersicht über Kosten von Weiterbildungslehrgängen«). Internet geizt mit Informationen Generell erweist sich das Informations- angebot im Internet als mangelhaft. Be- sonders wenig Auskünfte gibt es darüber, in welcher Form die TeilnehmerInnen von der Weiterbildung profitieren. Nur ein Drittel der Anbieter macht dazu An- gaben, nur rund 40 Prozent informieren online über konsumentenschutzrecht- liche Fragen. 42 Prozent der Anbiete- rInnen geben auf ihren Homepages keine Informationen über Ausstattung und Qualität sowie die Inhalte des Lehrgangs preis. Am besten wurden online zeitliche Lage und Struktur der Lehrgänge (62 Prozent) beschrieben. Nur bei der Hälfte der AnbieterInnen waren die Allgemeinen Geschäftsbedin- gungen, Kündigungs- und Rücktrittsmo- dalitäten sowie Stornobedingungen ver- fügbar. Selbst auf Nachfrage konnten da- rüber keine ausreichenden Informationen bezogen werden. Bei konsumenten- schutzrechtlichen Fragen haben am häu- figsten die privaten AnbieterInnen keine zufriedenstellende Auskunft gegeben. Ähnlich verhält es sich mit Durch- falls- bzw. Abbruchsquoten, über die sehr oft keine konkreten Angaben am Telefon gemacht werden konnten, da die An- sprechpersonen, die »Zahlen nicht so ge- nau im Kopf« hatten. Realistische Zeitangaben fehlen Gerade für Berufstätige ist eine genaue Terminplanung wichtig. Der tatsächliche zeitliche Aufwand wird im Internet aber nicht immer veranschaulicht. Neben den unmittelbaren Präsenzzeiten müssen oft auch zusätzliche zeitliche Aufwendungen, wie Praxisphasen, Prüfungsvorberei- tungen und dergleichen, mitberechnet werden. Bei drei der ausgewählten Angebote konnte der tatsächliche Zeitaufwand nicht festgestellt werden. Bei den anderen lag die angegebene zeitliche Belastung bei insgesamt 150 bis 1.440 Stunden. Das Ausmaß des zusätzlichen Zeitaufwands reichte bis zu 2.100 Stunden. Da die Weiterbildungslehrgänge in der Regel nicht als Selbstzweck absolviert werden, sondern die TeilnehmerInnen einen persönlicher Nutzen (Höherquali- fizierung, Gehaltssteigerung, ...) erwar- ten, wurde auch diese Dimension in die Erhebung einbezogen. Bei den Fachhoch- schulen blieb mehr als die Hälfte der Fra- gestellungen zum individuellen Nutzen unbeantwortet. Die privaten Anbieter la- gen bei dieser Frage im Durchschnitt. Bei Universitäten und Anbietern von Lehr- gängen universitären Charakters war die telefonische Beratung überdurchschnitt- lich gut. Universitätslehrgänge gut Von den untersuchten AnbieterInnen schnitten die Universitätslehrgänge am besten ab. Sie hatten in den meisten Bereichen das größte Informations- angebot. Nur zehn Prozent konnten über Aus- stattung und Qualität online oder auf telefonische Nachfrage keine Angaben machen. Zum Vergleich: 22 Prozent der privaten AnbieterInnen gaben dazu keine Auskunft. Auch über die Inhalte des Lehr- gangs stellen Universitäten und Fach- hochschulen online am meisten Informa- tionen zur Verfügung. (65 bzw. 63 Pro- zent). Auch hier schneiden private An- bieter vergleichsweise schlecht ab – nur knapp über die Hälfte informieren on- line. Insgesamt konnten – mit Ausnahme der Universitäten – bei rund einem Vier- tel der Anbieter keine Informationen zu den Inhalten des Lehrgangs eruiert wer- den (siehe Tabelle 2: »Informations- angebote der Anbieter im Vergleich). AK fordert Qualitätssiegel ???Damit sich Weiterbildungsinteres- sierte angesichts des »Wildwuchses« an Lehrgängen besser zurechtfinden, for- dert die AK ein Qualitätssiegel, das ausreichende Informationen zu Kos- ten und Leistungen eines Lehrgangs garantiert. Einbezogen werden sollen dabei Kriterien wie Gesamtkosten, Preis pro Unterrichtseinheit, Storno- bedingungen und Informationen über den Nutzen für den Beruf. ???Initiativen zur Schaffung eines sol- chen Qualitätssiegels sollen vom für die Erwachsenenbildung zustän- di gen Unterrichtsministerium in Koope ration mit dem Wissen schafts- minis terium, in dessen Kompetenz- bereich die Angebote an Universitäten und Fachhochschulen fallen, gesetzt werden. ???Darüber hinaus muss von beiden Ministerien eine umfassende Stra - tegie zur Qualitätssicherung bei Weiterbildungslehrgängen erarbeitet werden. Informationsangebote der Anbieter im Vergleich Information online Telefonische Nachfrage nicht eruierbar Ausstattung und Qualität des Anbieters 58 24 18 Inhalt des Lehrgangs 58 21 21 Kosten und Förderungen 54 14 33 Zeitliche Lage und Struktur des Lehrgangs 62 17 21 Fragen des Konsumentenschutzes 39 28 33 Persönlicher Nutzen für Teilnehmende 30 36 33 Quelle: öibf, Angaben in Prozent, Rundungsdifferenzen möglich, zweistufige Erhebung: 1. Informationsangebote online, 2. telefonische Nachfrage