Arbeit&Wirtschaft 4/2010 8 Interview Frau Dr. Reding, Sie sind Vizepräsiden- tin der Europäischen Kommission und für die Gleichstellung der Geschlechter, die Bekämpfung von Diskriminierung, die Zivilgesellschaft, für die Grund- rechte sowie die Bürgerschaft zuständig. Was sind die Ziele und Projekte der Kommission in Hinblick darauf? Viviane Reding: Wir haben bereits ein weitreichendes Regelwerk auf europä- ischer Ebene gegen Diskriminierungen am Arbeitsplatz und in anderen Be- reichen des Lebens. Mit der Annahme der »Charta für Frauen« voriges Monat hat die EU-Kommission ihr verstärktes Engagement für eine Gleichstellung von Mann und Frau zum Ausdruck gebracht. Jetzt müssen wir daran arbeiten, dass die se auch »umgesetzt« wird, sprich, dass Gleichstellung wirklich Teil unserer EU- Politik wird – von der Entwicklungshilfe, bis zur Digitalen Agenda. Außerdem, wird die Kommission im zweiten Halb- jahr 2010 eine neue Strategie zur Gleich- behandlung von Männern und Frauen für 2010 bis 2015 vorlegen. Sie enthält konkrete Maßnahmen mit Zeitplänen. Die Beseitigung der geschlechtsspezi- fischen Lohnunterschiede wird jedenfalls zu den Hauptprioritäten gehören. Wir haben uns bei der Präsentation der Equal-Pay-Kampagne kennengelernt. Dabei geht es um das geschlechtsspezi- fische Lohngefälle. Im EU-Schnitt ver- dienen Frauen 17,4 Prozent weniger als Männer. Ihre Heimat Luxemburg steht da mit einem Lohngefälle von zehn Pro- zent sehr gut da, Österreich zählt mit 25,5 Prozent zu den Schlusslichtern. Woran liegt das? Das Lohngefälle ergibt sich aus dem Zu- sammenspiel einer Reihe juristischer, so- zialer und wirtschaftlicher Faktoren, die miteinander verwoben sind. Ich möchte aber ausdrücklich die Anstrengungen un- terstreichen, die die österreichische Regie- rung in den vergangenen Jahren unter- nommen hat, um das Gefälle zu verrin- Z u r p e r s o n Dr. Viviane Reding geboren am 27. April 1951 in Esch-sur-Alzette, Luxemburg, ist seit 10. Februar Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und EU-Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft. 1977: Doktor der Humanwissenschaften, Sorbonne, Paris 1978–1999: Journalistin beim Luxemburger Wort 1979–1989: Mitglied des luxemburgischen Parlaments 1986–1998: Vorsitzende des luxemburgischen Journalistenverbands 1981–1999: Mitglied des Gemeinderates der Stadt Esch-sur-Alzette, Luxemburg 1988–1993: Landesvorsitzende der Vereinigung der Christlich-Sozialen Frauen, Luxemburg 1989–1999: Mitglied des Europäischen Parlaments 1995–1999: Stellvertretende Vorsitzende der Christlich-Sozialen Partei, Luxemburg 1999–2004: Mitglied der Europäischen Kommission, zuständig für Bildung, Kultur, Jugend, Medien, Sport 2004–2010: Mitglied der Europäischen Kommission, zuständig für Informationsgesellschaft und Medien 2009: Mitglied im Global Council von Women‘s Forum, Mitglied der Christlich Sozialen Volkspartei Luxemburgs In Vielfalt geeint Die Journalistin Viviane Reding ist seit Jahresbeginn Vizepräsidentin der Euro päischen Kommission und für die Grundrechte zuständig. Diversity ist ihr ein Anliegen.