Arbeit&Wirtschaft 4/201226 Schwerpunkt Smarte Städte Eine demokratische Neuordnung des Ressourcen fressenden Wirtschaftssystems ließe die Menschen und damit die Städte erblühen. D ie Zukunft Europas, heißt es, wird in den Städten entschieden: Urbane Regionen beherbergen die Mehr- heit der europäischen Bevölkerung, in Städten wird der Großteil unseres Wohl- stands geschaffen. Aber auch Umwelt- schäden, Zersiedelung, Verkehrsprobleme, Segregation von Zuwanderungsgruppen und Sicherheitsprobleme treten in den Agglomerationsgebieten geballt auf. „Smart Cities“ heißt das Zauberwort, mit dem Raum- und VerkehrsplanerInnen neue Stra- tegien für die Zeiten entwerfen, in denen die bisherige Verschwendung von Ressour- cen keine andere Wahl lässt als sorgfältigen Umgang mit Energien aller Art. Schon lan- ge bevor der Begriff „smart“ in die Medien sickerte, wurde er von internationalen Kon- zernen genutzt, um Infrastrukturen und Dienstleistungen mit technologischen In- novationen zu forcieren. Heute wird er vermehrt auch von städtischen Verwal- tungen aufgegriffen, denn die Auflage der Euro päischen Kommission, bis 2050 die Treib hausgasemissionen um 80 Prozent zu senken, zwingt zum Umdenken. Schwer zu definieren „Was heißt denn nun ‚smart‘ in dem Zu- sammenhang eigentlich?“, fragte etwa der Moderator Peter Huemer das Podium des Ausschusses zur Nachhaltigkeit zum The- ma „Smart Cities – ein Bebauungsplan für morgen“, zu dem die Bundeskammer der Architekten und Ingenieurskonsulenten und die Länderkammer Wien/NÖ/Bur- genland Anfang März geladen hatten. Das ist eine gute Frage. Sie konnte von der Zuständigen des „Smart City Konzepts“ der Magistratsabteilung 18, Ina Homeier-Mendes, nicht zufrieden- stellend beantwortet werden. Daher wur- den Projekte genannt. Etwa das größte europäische Stadtentwicklungsprojekt, die Seestadt Aspern. Im 22. Wiener Gemein- debezirk werden die BewohnerInnen im Einklang mit Natur und Wirtschaft leben – so lautet der Plan. Inwieweit das Pro- jekt zur nachhaltigen Gesamtentwicklung Wiens beiträgt, wird sich nach Ende der Bauzeit zeigen. „Smart ist im Sinne von ‚sustainable, attractive, resilient and tolerant‘ zu verste- hen. Das Konzept offenbart über die reine Übersetzung als ‚intelligent‘ oder ‚schlau‘ das moderne Planungsverständnis für eine lebenswerte Stadt“, heißt es in der Publi- kation „SmartCitiesNet: Evaluierung von Forschungsthemen und Ausarbeitung von Handlungsempfehlungen“ (August 2011) des Österreichischen Instituts für Raum- planung (ÖIR). Als übergeordnetes Ziel definiert das Institut eine „zukunftsfähige, städtische postfossile Gesellschaft“. Das „smarte“ an den Umsetzungsmaßnahmen ergebe sich hier nicht nur durch intelli- gente vernetzte Infrastrukturen und In- formations- und Kommunikationstech- nologien. Ein deutlicher „Mehrwert“ an Lebensqualität und intelligenter Ressour- cennutzung werde auch durch Integration innerhalb der städtischen Systeme er- reicht. Nicht allein Technologien und In- frastrukturen sind wichtig: Es sind vor allem die Prozesse zwischen den Bewoh- nenden, die eine Stadt formen. Welche Möglichkeiten haben wir, abhängig von Lebensstilen, beruflichen Qualifikati- onen, Einkommen und gesellschaftlichen Zusammenhängen wie Alter und soziale Kompetenz, das städtische Leben mitzu- gestalten? Bemerkenswert sei, so die For- schenden des ÖIR, dass – im Gegensatz zu Technologien und Infrastrukturen – Aspekte wie Ressourcen, Soziales und (humanes) Stadtklima in einschlägigen Untersuchungen bisher wenig behandelt wurden. Image Städte nennen sich oft „smart“, ohne zu definieren, was gemeint ist, schreibt der Soziologieprofessor Robert G. Hollands (2008) in seinem Aufsatz „Will the real smart city please stand up?“. Weltweit ge- höre es zum modernen City-Branding, sich selbst bzw. die Stadt als „smart“ zu bezeich- nen. Der Schwerpunkt sollte jedoch nicht auf Marketingkampagnen liegen, meint AutorInnen: Gabriele Müller Freie Journalistin Matthias Kranabether Raumplaner B u c h t I p p Christian Felber Gemeinwohl-Ökonomie aktualisierte und erweiterte Neuausgabe, Deuticke im Zsolnay Verlag, 2012, 192 Seiten, € 18,40 ISBN 978-3-552-06188-0 Bestellung: ÖGB-Fachbuchhandlung, 1010 Wien, Rathausstr. 21, Tel.: (01) 405 49 98-132 fachbuchhandlung@oegbverlag.at