Arbeit&Wirtschaft 7–8/201234 Schwerpunkt B rot und Spiele für die Jüngsten. Zwei nur scheinbar sehr unter- schiedliche Leitungsfunktionen hat Wolfgang Katzian inne – der GPA-djp dient er bereits sieben Jahre als Vorsitzender, den Fußballverein FK Aus- tria begleitet Katzian seit fünf Jahren als Präsident. „Parallelen sehe ich darin, dass in beiden Bereichen der Teamgeist die Basis für den Erfolg ist, dieses Prinzip versuche ich sowohl in der Gewerkschaft als auch im Fußball zu leben“, erklärt Katzian. Gemeinsame Nenner: „Traditi- on, Prinzipientreue, Weiterentwicklung, Innovation, Nachwuchsarbeit und vor allem Leidenschaft.“ Seine Hingabe für den Fußball wurde früh geweckt: „Aus- trianer wurde ich schon mit fünf Jahren, als mich mein Papa zu einem Spiel ins Stadion mitgenommen hat – daraus ent- stand eine fußballerische Liebe, die bis heute hält. Gewerkschafter wurde ich quasi mit meinem Berufseintritt (Anm.: Ausbildung zum Bankkaufmann) in die damalige österreichische Länderbank. Ein Vertrauensmann hat mich angespro- chen. Ich bin nach Hause gefahren und habe meine Eltern gefragt, ob ich bei- treten soll. ‚Das ist wohl klar, dass sich Arbeitnehmer organisieren müssen‘, ha- ben sie gesagt, weil es für sie selbstver- ständlich war.“ Austria-Nachwuchsakademie Die Jugendförderung wird in Gewerk- schaft wie Sport gelebt und von Wolfgang Katzian, Vater eines Sohnes, mit großem Engagement vorangetrieben. Was sich in Form der Wiener Austria-Jugendmann- schaften heute bewährt, musste nach dem Zweiten Weltkrieg erst mühselig wieder aufgebaut werden. Bundesnachwuchs- zentren und Nachwuchsakademien – be- treut von Vereinen und Landesverbänden – sorgen heute für erfolgreiche Mini-Spit- zensportler. Nur wenige Meter vom Franz-Horr-Stadion am Laaer Berg resi- diert die 2010 eröffnete Austria-Nach- wuchsakademie. Drei Spielfelder inklu- sive Kunstrasenfeld, eine Sporthalle, Ka- binen und Fitnessräume sorgen für optimalen Trainingsstandard. „In der Akademie haben wir mit vielen Partner- firmen vorgesehen, dass jeder, der dort die höhere Fußballschule absolviert, ne- benbei auch eine schulische Ausbildung abschließt. Das ist uns ganz wichtig. Nicht jeder schafft den Sprung zum Pro- fi-Fußballer.“ Doch nicht nur körperlich und geistig sollen die jungen Talente wah- re Höchstleistungen erbringen, Teamgeist und soziales Verhalten stehen im Vorder- grund. „Wir haben unsere fünf Punkte der Ehre auch in unserem Klub-Leitbild verankert. Wir wollen immer ein Vorbild sein, wir stehen für Fairness auf und au- ßerhalb des Platzes. Wir stehen für Fami- lie, wir haben Tradition und unsere Grundsätze. Fußball hat sehr viel mit Leidenschaft zu tun“, weiß der Austria- Präsident. Im Leitbild der Veilchen lässt das Präsidium u. a. verlauten: „Austrianer sind nicht irgendwelche ‚Fußballfans‘, sondern die Besten der Guten. Und sich ihrer Vorbild-Funktion für den violetten Nachwuchs und für die Zukunft des ös- terreichischen Spitzen-Fußballs immer bewusst.“ Wolfgang Katzian weiß, dass auch die Menschen auf den Tribünen Respekt und ein gutes Vorbild verdie- nen: „Unsere Spieler müssen sich immer eines vor Augen halten: Viele Sponsoren unterstützen uns tatkräftig, aber auch viele ‚normale ArbeitnehmerInnen‘ be- suchen unsere Spiele, kaufen unser Tri- kot und stehen wegen uns auf der Tribü- ne. Sie vergessen für 90 Minuten ihr Umfeld – und sei es noch so schwierig. Daher ist klar: Gerade ihnen müssen wir ein kleines Stück zurückgeben. Wenn sie spüren, dass wir uns auf dem Feld zerreißen, alles für den Erfolg tun, was möglich ist, dann werden sie auch hinter uns stehen, wenn wir verlieren.“ Auch für die Austrianer gilt „das Prinzip Lei- denschaft“, weiß der Präsident. „Die Freude über gute Leistungen und der Stolz auf die eigene Mannschaft dürfen nicht in Hass auf die Gegner oder gar in Gewalt ausarten. Soziale Verantwortung übernehmen, das leben wir selber auch vor.“ Die Austria unterstützt eine Reihe von Projekten, u. a. „Nein zu arm und krank“, den Behindertensportverband und die Krebshilfe. Leistungssportzentrum Südstadt Thomas Muster, Jürgen Melzer und Claudia Heill gehören zu den bekanntesten SportlerInnen, die im ÖLSZ Südstadt ausgebildet wurden. „Doch auch wer nicht zum Spitzensportler wird, soll ein solides Fundament für die Zukunft er- halten“, erklärt Wolfgang Moser, seit 2007 Leiter des österreichischen Leis- tungssportzentrums Südstadt in Maria Das Prinzip Leidenschaft Die Besten wollen Austria und ÖLSZ Südstadt hervorbringen. Nachwuchsförde- rung im Sport bedeutet Bildung, soziale Verantwortung und Fairness. AutorInnen: Sophia-Therese Fielhauer-Resei & Christian Resei Freie JournalistInnen