11 gebiet, nach Hellbrunn und Golling organisiert worden. Am Abend des Pfingstsonntags hat in Salzburg eine große Kundgebung der Jugend, verbunden mit einem Fackel- zug, der von zehntausenden Salzbur- gern begrüßt wurde, stattgefunden. Zu den Jugendlichen haben Landeshaupt- mannstellvertreter Payerl, Bürgermeis- ter Pacher, der Untergeneralsekretär des IBFG, Hans Gottfurcht, General- sekretär Nationalrat Proksch und der Leiter der Hauptabteilung Jugend des DGB, Willi Ginhold, gesprochen. Da- bei ist der österreichischen Gewerk- schaftsjugend von der deutschen Ge- werkschaftsjugend als Zeichen der Ver- bundenheit eine Fahne übergeben wor- Arbeit&Wirtschaft 9/2012 Historie 1953 stand Österreich noch unter der Kontrolle der vier Alliierten, die Hitler-Deutschland besiegt hatten, und war in vier Besatzungszonen geteilt. Über die Zonengrenzen zu reisen war nicht ein- fach und noch schwieriger gestaltete sich die Einreise nach und die Ausreise aus Österreich. Deshalb galten die ganz wenigen internationa- len Großveranstaltungen, die bis zum Staats- vertrag 1955 in Österreich stattfanden, als Sen- sation – und das nicht nur im Inland. Nicht umsonst widmete das filmische Monatsmaga- zin des IBFG, des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, dem Pfingsttreffen der Ge- werkschaftsjugend in Salzburg 1953 einen lan- gen Beitrag. Dieser zeigte zu Beginn, wie die Grenzbalken an der österreichisch-deutschen Grenze in Salzburg in die Höhe gingen, um die Fahrzeuge mit den Jugendlichen aus dem Nach- barland passieren zu lassen, mit dem Kommen- tar „Die Grenze öffnet sich …“. Viel nüchterner als der Film berichtete darüber Alfred Ströer, der ÖGB-Jugendsekretär, der die Großveranstaltung organisiert hatte, im ÖGB- Tätigkeitsbericht. … Unter den Teilnehmern haben sich rund 5000 Jugendgewerkschafter aus Deutschland, Belgien, Luxemburg, Ita- lien, Triest und weitere 9000 … aus allen Teilen unseres Landes befunden. Die Teilnehmer sind zum Teil mit Son- derzügen, zum Teil mit Autobussen ge- kommen. Insgesamt sind 9 Sonderzüge und 130 Autobusse gezählt worden. … Die Tage in Salzburg sind mit sport- lichen und künstlerischen Veranstal- tungen ausgefüllt worden. Gleichzeitig haben die Teilnehmer Gelegenheit ge- habt, die Sehenswürdigkeiten der Stadt Salzburg und ihre nähere Umgebung kennenzulernen. Außerdem sind Son- derfahrten nach Hallein, in das Seen- Jugend öffnet Grenzen Beim Gewerkschaftsjugendtreffen 1953 konnten sich junge Menschen aus verschiedenen Ländern erstmals wieder friedlich treffen. den. Die Unterbringung der Jugend- lichen ist in einer riesigen Zeltstadt erfolgt, in der mehr als 700 Zelte ge- standen sind. Der im Bericht erwähnte Ausflug ins Salzkam- mergut war mit einer Gedenkfeier in der KZ- Gedenkstätte Ebensee verbunden. Alfred Ströers Appell, die Gefahr des Faschismus immer ernst zu nehmen und sich ihr entgegenzustellen, hat- te für die Jugendlichen und die internationalen BeobachterInnen hohe Glaubwürdigkeit, denn sie wussten, dass er nicht einmal ein Jahrzehnt zuvor im Widerstand gegen den nationalsozia- listischen Terror aktiv gewesen war. Ausgewählt und kommentiert von Brigitte Pellar brigitte.pellar@aon.at © B ild ar ch iv d es Ö GB Für die jungen GewerkschafterInnen wurde in Salzburg 1953 eine große Zeltstadt mit über 700 Zel- ten errichtet. Links ein Werbeplakat der Gewerkschaftsjugend aus der Zeit vor 1955.