Arbeit&Wirtschaft 1/201342 Schwerpunkt Armut weltweit und Chinas Einfluss Millionen von Menschen weltweit sind von extremer Armut und Hunger betroffen. Bis 2015 soll ihre Anzahl halbiert werden. D ie menschliche Entwicklung hat in den vergangenen Jahren viele Fortschritte gemacht, wie aus dem Bericht der Vereinten Nationen aus 2011 hervorgeht. Dennoch hat sich auch die Ungleichverteilung des Einkom- mens verschärft, und trotz Rückgang der Armut leiden Millionen von Menschen Hunger. Sind die Fortschritte über alle Gebiete gleich verteilt oder herrscht ein globales Ungleichgewicht? Verminderung von extremer Armut Wer weniger als 1,25 USD pro Tag zur Verfügung hat, gilt laut Weltbank als ex- trem arm. Ein Millenniumsziel ist, den Anteil jener, die unter extremer Armut und Hunger leiden, zu halbieren. Zwi- schen 1990 und 2008 konnte der Anteil der Armen von 47 auf 24 Prozent verrin- gert werden, was eine Reduktion in ab- soluten Zahlen von über 2 Mrd. auf 1,4 Mrd. Menschen brachte. Viel von dieser positiven Entwicklung ist dem Fort- schritt in China zuzuschreiben. Ein Land, welches es geschafft hat, innerhalb weni- ger Jahre mehr als 400 Mio. Menschen aus der Armut zu befreien. Wie es scheint, wird dieses Millenni- umsziel bis 2015 erreicht werden. Die positiven Zahlen der Armutsreduktion sind jedoch mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, denn nur weil sich einzelne Staaten entwickeln, bedeutet dies bei Weitem noch nicht, dass es weltweit zu Verbesserungen gekommen ist. Vier von fünf extrem armen Menschen werden bei Erreichung des Ziels aus einer Regi- on südlich der Sahara bzw. aus Südasien kommen. Jeder achte Mensch weltweit muss hungrig schlafen gehen. Trotz einer schrittweisen Eindämmung des Pro- blems seit 1990 leiden heute noch im- mer rund 870 Mio. Menschen Hunger. Wobei hier wiederum die Menschen in Südasien und in Afrika südlich der Saha- ra am meisten betroffen sind. Nach Ein- schätzung der Ernährungs- und Land- wirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) würden die weltweit verfügbaren Ressourcen ausreichen, um die gesamte Weltbevölkerung zu ernäh- ren. Ein Grund für den Hunger sind die steigenden Lebensmittelpreise, wofür die Welthungerhilfe drei Hauptursachen nennt: die Agrarproduktion zur Herstel- lung von Treibstoffen, die Zunahme extremer Wetterereignisse aufgrund des Klimawandels und ein Anstieg der Warentermingeschäfte mit Agrargütern. Der Anteil der Ausgaben für Nahrungs- mittel liegt in einem Entwicklungsland bei ca. 70 Prozent des Einkommens, während eine durchschnittliche deut- sche Familie lediglich 14 Prozent ihres Einkommens dafür ausgibt. Armut trotz Beschäftigung Der Fortschritt einer rückläufigen Er- werbsarmut hat sich seit der Wirtschafts- krise 2008 leider nur langsam entwickelt. Auch wenn sich die Anzahl der Erwerbs- tätigen, die unter der Armutsgrenze le- ben, verringert hat, waren im Jahr 2011 laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) 456 Mio. Menschen davon betrof- fen. Erwerbsarm sind jene Erwerbstäti- gen, die mit weniger als 1,25 USD pro Tag ihr Auslangen finden müssen, das heißt, trotz Arbeit ist kein Leben in Wür- de möglich. Vom Rückgang der Erwerbs- armen um 233 Mio. seit dem Jahr 2000 sind alleine 158 Mio. dem Wirtschafts- wachstum in China zuzuschreiben. Ob Chinas wirtschaftliche Entwick- lung wohl auch fähig ist, die Zielvorgabe der Millenniumserklärung – „Produk- tive Vollbeschäftigung und menschen- würdige Arbeit für alle, einschließlich Frauen und junger Menschen, verwirkli- chen“ – zu erfüllen? Millonen von Wan- derarbeiterInnen in den Fabriken erhal- ten keine existenzsichernde Bezahlung, sie müssen unmenschliche Wochenar- beitsstunden leisten und unzureichende Sicherheitsmaßnahmen schützen sie nicht vor chronischen Erkrankungen. Das überstrenge Management stellt hier- bei oft eine zusätzliche psychische Belas- tung dar. In diesem Zusammenhang sei an die Selbstmordserie beim Apple-Zu- lieferer Foxconn im Jahr 2010 erinnert, bei der zehn junge Menschen ihr Leben ließen. Ein hoher Preis für das Wachs- Autorin: Eva Prenninger weltumspannend arbeiten L e s e t I p p Neu erschienen: Von der Werkbank zur Weltbank – Chinas neue Rolle verändert die Welt Erfahrungsberichte und Reflexion einer gewerkschaftlichen Chinareise II. Der Ergebnisbericht der gewerkschaft- lichen Begegnungsreise kann unter www.weltumspannend-arbeiten.at bestellt werden.