Arbeit&Wirtschaft 4/201322 Schwerpunkt F rauen von den Lasten unbezahlter Hausarbeit zu befreien war immer schon eines der Hauptanliegen des Feminismus. An den Einzug der Technik in den Haushalt wurde die Hoff- nung geknüpft, die Hausarbeit für Frauen weniger mühselig zu machen und den Eintritt in die Arbeitswelt zu erleichtern. Auch Geschlechterungerechtigkeiten beim Erledigen der Hausarbeit sollten durch Haushaltsgeräte der Vergangenheit angehören. Technologien wie Kühl- schrank, Waschmaschine, Geschirrspü- ler, Staubsauger oder Mikrowelle haben die Hausarbeit völlig neu organisiert. Ih- re Auswirkungen hinsichtlich Arbeitser- leichterung und geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung sind jedoch zweideutig. Das „bisschen“ Haushalt? Fast vier Stunden wenden Frauen durch- schnittlich für die tägliche Hausarbeit auf, bei Männern sind es laut Zeitver- wendungserhebung der Statistik Öster- reich (2008/09) um eineinhalb Stunden weniger. Im Vergleich zu den 1980er- Jahren ist der Zeitaufwand bei Männern in etwa gleich geblieben und hat sich bei Frauen etwas verringert. Betrachtet man Langzeitstudien über den zeitlichen Auf- wand für Hausarbeit, so zeigt sich, dass technologische Entwicklungen im Haus- halt diesen für Frauen kaum reduziert haben. Paradox, sollten die elektroni- schen Hilfsmittel doch eine Arbeitser- leichterung bewirken und mehr Zeit für andere Aktivitäten lassen. Wie kann das „bisschen Hausarbeit“ angesichts des ganzen Arsenals an modernen Haushalts- geräten noch so viel Zeit in Anspruch nehmen? „Dass die Elektrifizierung im Haushalt durch Erfindungen wie Staub- sauger oder Geschirrspüler ab dem 20. Jahrhundert die Hausarbeit deutlich erleichtert oder reduziert hat, stimmt schlichtweg nicht“, konstatiert die Öko- nomin Gabriele Michalitsch und stellt weiter fest: „Haushaltsgeräte haben die Hausarbeit nicht verringert, sondern ver- ändert.“ Arbeitssparende Vorrichtungen haben zwar einen großen Teil körper- licher Schufterei aufgehoben, nicht aber die Notwendigkeit zeitaufwendiger Ar- beiten zu Hause. Montag ist Waschtag Die Einführung von Haushaltstechno- logien hat bestehende Tendenzen zu ver- mehrten Ansprüchen an Sauberkeit und Hygiene deutlich verstärkt. In den 1950er-Jahren wurde die Wäsche im Schnitt nur alle vier Wochen gewaschen. Meistens wurde der Montag für diesen ganztägigen Aufwand reserviert. Seit die Waschmaschine ab den 1960er-Jahren die Privathaushalte im deutschsprachi- gen Raum eroberte, ist die Häufigkeit des Wäschewaschens auf mehrmals wö- chentlich gestiegen. Auch die Menge an Kleidung hat seither stark zugenommen, was regelmäßiges Waschen notwendig machte. Waschmaschinenhersteller ha- ben sich diese Trends mit Sprüchen wie „Machen Sie die Waschmaschine zu Ih- rem Wäschekorb und waschen Sie jeden Tag“ zunutze gemacht. Die Ökonomin Michalitsch plädiert dafür, in der Haus- haltstechnologiedebatte auch die Verän- derungen in der Versorgungsarbeit der Kinder zu berücksichtigen. Ein zuneh- mend kinderzentrierter Ansatz verlangt Frauen viel mehr Zeit ab als noch vor einigen Jahrzehnten. Zeitersparende Ef- fekte der Elektrifizierung werden da- durch sowie durch gestiegene Ansprüche an Sauberkeit und Hygiene großteils ge- schluckt. Ein Grund, warum Frauen nach wie vor in so hohem Ausmaß mit Wasch- maschine und Staubsauger beschäftigt sind, ist die geschlechtliche Arbeitstei- lung. Sie ist quasi nicht vorhanden. „80 Prozent der unbezahlten Arbeiten in Österreich werden von Frauen geleistet, unabhängig davon, ob sie erwerbstätig sind oder nicht“, so Michalitsch. Durch die Technologisierung der Hausarbeit habe sich daran wenig geändert, im Ge- genteil: Zeit für Hausarbeit sei eine große Konstante im Zeitbudget. Frauensache oder Männertechnik Warum ist Hausarbeit immer noch Frau- ensache, wo doch Technik gerne den Männern zugeschrieben wird? „Die Zu- schreibung ‚Mann und Technik‘ macht vor dem Haus halt“, so die Ökonomin. Während Männer im Singlehaushalt noch aktiv putzen, waschen und einkau- fen, reduziert sich das massiv, wenn erst mal eine Frau im Haus lebt. Ein Großteil der Haushaltstechnologien wird somit von Männern entworfen, denen die häuslichen Aufgaben in der Praxis nach wie vor weitgehend fremd sind. Anderer Ansicht ist der geschäftsführende Gesell- schafter des Herstellers Miele Reinhard Emanzipation durch Waschmaschine Manche meinen, Haushaltsgeräte hätten mehr zur Emanzipation beigetragen als Politik. Wie die Waschmaschine die Frauen befreite – oder auch nicht. Autorin: Irene Steindl Freie Redakteurin