Arbeit&Wirtschaft 4/2013 27Schwerpunkt Technikkompetenz. „Die gängigen All- tagstheorien über Technik und Ge- schlecht setzen eine grundsätzliche Dif- ferenz zwischen Frauen und Männern voraus und bringen zusätzlich die ein- zelnen Mitglieder der Gruppe in ein hierarchisches Verhältnis zueinander“, heißt es im Endbericht von GiL. Die gängige Alltagstheorie ließe sich ver- knappen auf: Buben sind in Bezug auf Technik kompetent und bleiben es bis zum Beweis des Gegenteils. Mäd- chen sind, ebenfalls bis zum gegen- teiligen Beweis, in Bezug auf Technik inkompetent. Das Vorurteil „Mädchen wollen nicht in die Technik“ ließe sich schon im Kindesalter sehr gut beseitigen, spricht Eleonore Fischer, die bei Ausstel- lungen der Experimentierwerkstatt Wien die jungen und alten Besuche- rInnen betreut, aus langjähriger Erfah- rung. In gemischten Gruppen stürzen sich die Buben auf das Energiefahrrad, die Mädchen befassen sich konzentriert mit dem Harmonographen, durch des- sen Schwingungen auf Papier Figuren entstehen. Sind die Mädchen unter sich, ist auch das Fahrrad beliebt. „Im tech- nischen Bereich wollen Mädchen gerne unter sich sein“, meint die Pädagogin, „weil die Buben ihnen viel Platz weg- nehmen. Mädchen lassen sich oft das Werkzeug aus der Hand nehmen.“ Role-Models Die Liste der aktuellen und der histori- schen Rollenmodelle ist lang: 1903 er- fand die Amerikanerin Mary Anderson den ersten funktionierenden Scheiben- wischer, 1921 patentierte die Luftschif- ferin Käthe Paulus den von ihr entwickel- ten Paketfallschirm; und es gibt viele andere mehr. 2013 stammen nur fünf Prozent der österreichischen Patente am Europäischen Patentamt von Frauen. Er- klärungen für den geringen Forschungs- anteil von Frauen sind laut Studie des Austrian Institute of Technologie in den Strukturen zu finden. Die überwiegende Zahl der Patente stammt von Unterneh- men. Frauen machen rund 40 Prozent des Forschungspersonals an Hochschulen aus, aber nur 16,5 Prozent des E&F-Per- sonals in Betrieben. Das Gros der Paten- te wird in technischen Wissenschaften eingereicht, in denen Frauen unterreprä- sentiert sind. Neue Wege Doch muss es nicht gleich die Forschung und Wissenschaft sein. Technische Berufe eröffnen Frauen neue Chancen. „Mädchen, die clever entscheiden und einen sogenannten Männerberuf wählen, beweisen, wie viel Spaß das machen kann“, lautet die De- vise des Bundesministeriums für Frauen und öffentlichen Dienst. Mit der Initia- tive „Finde deinen eigenen Weg“ sollen Mädchen motiviert werden, sich auch für nicht-traditionelle Berufe zu interes- sieren. Denn: Von Anfang an verdient man in einem typischen Frauenberuf wie FriseurIn, VerkäuferIn oder Sekre- tärIn deutlich weniger als etwa ein/e MechanikerIn. Christine Marschnig entdeckte ihr Talent für Technik mit 47, als sie nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes auf Job- suche war. Die Berufsorientierung beim Arbeitsmarktservice eröffnete ihr neue Wege. Mit dem FiT-Programm des AMS machte sie binnen einem Jahr die Qualifizierung als Dreherin für die me- tallverarbeitende Industrie mit Lehrab- schlussprüfung. Seit April 2012 ist sie bei einer steirischen Firma angestellt und bedient unter anderem Computer- programme für die Metallverarbeitung. Besonders stolz ist die Technikerin heute auf ihren Abschluss mit Auszeichnung. Christine Marschnig: „Ich kann Frauen nur empfehlen, ihr Interesse für Hand- werk und Technik zu entdecken. Es gibt so viele spannende Berufe.“ Internet: Experimentierwerkstatt Wien: www.experimentier.com FEMtech – Frauen in Forschung und Technologie: www.femtech.at Frauen in die Technik OÖ: www.fit.jku.at FiT-Erfolgsgeschichten: www.ams.at/sfa/17591.html Führung „Patente Frauen“: www.technischesmuseum.at/fuehrung/ patente-frauen-erwachsene Infografik zu Frauen und Technik: www.mbaonline.com/women-in-tech Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin gabriele.mueller@utanet.at oder die Redaktion aw@oegb.at Mit der Initiative „Finde deinen eigenen Weg“ sollen Mädchen motiviert werden, sich auch für nicht-traditionelle Berufe zu interessieren. Denn: Von Anfang an verdient man in einem typischen Frauenberuf wie FriseurIn, Verkäufe- rIn oder SekretärIn deutlich weniger als etwa ein/e MechanikerIn. © Ö GB -V er la g/ Pa ul S tu rm