Arbeit&Wirtschaft 6/2013 13Schwerpunkt hoffen immer noch darauf, dass sich die Arbeitslosigkeit stabilisiert und dass die Wirtschaft wieder anspringt. Es gibt das Bewusstsein bei manchen, aber es sind noch zu wenige, um jetzt endlich einen Schritt nach vorne zu machen. Investie- ren ist dieser Schritt.“ Die Europäische Jugendgarantie wäre laut EGB so eine wichtige Investition. Soziale Investition Jugendgarantie Der EGB hat sie als ersten wichtigen Schritt begrüßt, er hat aber bereits vor Monaten einen konkreteren und ver- bindlicheren Entwurf vorgelegt. Für den EGB ist die Jugendgarantie eine soziale Investition in die Zukunft der Europäi- schen Wirtschaft und Gesellschaft. Die Kosten des EGB-Modells, die auf zehn Mrd. Euro geschätzt werden, sind im Ver- gleich zu den Kosten, die Europas Staaten für junge Menschen ohne Ausbildung, Lehre oder Arbeit aufwenden müssen – geschätzte 100 Mrd. Euro – noch relativ gering. Der EGB will mehr auf die kon- kreten – ganz unterschiedlichen – Be- dürfnisse junger arbeitsloser Menschen eingehen. So muss die Definition von „jung“ breiter gefasst werden, zum Bei- spiel bis 29 Jahre. Die neue Bologna- Studienordnung hat bewirkt, dass junge Menschen an ihre Bachelor-Studien Master-Studien anhängen und de facto später ins Arbeitsleben eintreten. Darauf muss auch Rücksicht genommen wer- den. Die Jugendgarantie muss weiters eine passende Mischung verschiedener Maßnahmen und Angebote beinhalten, mit hochwertiger Ausbildung und prak- tischen Arbeitseinsätzen als zentrale Achsen. Ganz wesentlich für den EGB ist, dass alle im Rahmen der Jugendga- rantie erworben Qualifikationen formal anerkannt werden. Manche mitteleuropäische Arbeitge- berInnen wollen das Problem der Ju- gendarbeitslosigkeit im Süden Europas in den Griff bekommen, indem sie jun- ge spanische oder griechische Facharbei- terInnen nach Österreich und Deutsch- land holen – ein unter anderen von WKO-Präsident Christoph Leitl geäu- ßerter Vorschlag. „Mobilität als Lösung für die Ju- gendarbeitslosigkeit zu präsentieren ist gefährlich“, sagt Bernadette Ségol. „Man kann nicht jungen Griechen oder Spani- ern die Emigration als Lösung ihrer Pro- bleme präsentieren. Das löst auch die Probleme des Landes nicht, es beraubt das Land seiner Zukunft. Wenn man einem Land die Dynamik der Jugend entzieht, dann wird es verarmen. Es nimmt auch den jungen Menschen in Österreich oder Deutschland ihre Job- chancen – diese Idee ist nur zum Vorteil der Unternehmen.“ Wen wählt die Jugend? Die europäische Jugendarbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen, ist auch hin- sichtlich der Wahlen zum Europäischen Parlament im Mai 2014 für Bernadette Ségol besonders dringlich. Was wird Eu- ropas Jugend wählen, wenn keine klaren Zeichen und konkreten Schritte gesetzt werden? Ségol: „Auf diese gewichtige Fra- ge muss man die Staatschefs rechtzeitig aufmerksam machen, und darauf, dass viel auf dem Spiel steht. In einem Jahr sind Wahlen – was sagen wir den Jungen, die wählen können, damit sie proeuro- päische Parteien wählen und nicht Rech- te oder Populisten? Im Moment ist da eine Leere und ich fürchte den Anstieg von Populismus, das ist eine Realität in Europa.“ Die Folgen einer erstarkten eu- ropäischen Rechten sind klar: „Sie wer- den die Grenzen ihrer Staaten für Arbeit- nehmerInnen aus anderen Ländern dicht machen. Das ist allerdings keine Lösung für mehr Arbeitsplätze.“ Was wäre der Ausweg? „Man muss deutlich sagen, dass es ein Problem mit der Arbeitslosigkeit gibt und dass man es lösen will. Zu glau- ben, dass sich etwas verbessert, wenn man Grenzen für Beschäftigte aus anderen Ländern dicht macht, ist purer Unsinn.“ Ségol sieht hier eine große Verantwortung bei den Staats- und Regierungschefs: „Man muss ihnen ganz klar sagen: Was ihr heute tut, das hat Folgen für die nächs- ten 10, 15, 20 Jahre – ihr müsst eure Ver- antwortung in der Politik ernst nehmen.“ Internet: ÖGB-Europabüro: www.oegb-eu.at Europäischer Gewerkschaftsbund: www.etuc.org Europäisches Gewerkschaftsinstitut: www.etui.org Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin nani.kauer@oegb.at oder die Redaktion aw@oegb.at © F ot os tu di o W al te r S ch re in er Bernadette Ségol: „Man kann nicht jungen Griechen oder Spaniern die Emigration als Lösung ihrer Probleme präsentieren. Das löst auch die Probleme des Landes nicht, es beraubt das Land seiner Zukunft. Wenn man einem Land die Dynamik der Jugend entzieht, dann wird es verarmen.“