Arbeit&Wirtschaft 8/201312 Schwerpunkt Baufällig? Die Finanz- und Wirtschaftskrise hatte bremsende Auswirkungen auf den Wohnbau. Die Sozialpartnerinitiative „Umwelt + Bauen“ soll gegensteuern. E s besteht kein Zweifel, dass die Schaffung von leistbarem Wohn- raum für große Teile der Bevölke- rung eine der wesentlichsten He- rausforderungen in Österreich ist. Der heimische Wohnbau zeichnet sich im Gegensatz zu jenem in anderen Staaten durch eine gewisse Stabilität aus, die auch in der gegenwärtigen konjunkturellen Situation bis zu einem gewissen Grad gegeben ist. Arbeitsplätze schaffen Von besonderer Bedeutung ist der Wohnbau in der Krise, da von ihm Im- pulse ausgehen, die Arbeitsplätze nicht nur in der Bauwirtschaft schaffen, son- dern darüber hinaus auch in anderen Sektoren der Wirtschaft positive Inputs geben. Immerhin schafft die Investition von einer Mio. Euro im Baubereich je nach Berechnung dauerhaft zwischen 15 und 20 Arbeitsplätze. Allerdings zeigen sich, bedingt durch die Wirtschafts- und Finanz- krise, Veränderungen in der Neubau- leis tung. Auch konnte durch einen ver- stärkten Zuzug besonders in den Ballungsräumen eine Verknappung des Angebotes festgestellt werden. Schenkt man den Berechnungen Glauben, wird allein die Stadt Wien in den kommen- den Jahrzehnten um bis zu 250.000 Menschen wachsen. Ein Nachfrage- überhang bei Wohnungen ist die lo- gische Folge. Schon heute fehlen in Österreich jährlich etwa 8.000 Neu- bauwohnungen. Der jährliche Neubau- bedarf wird auf 48.000 bis 50.000 Wohnungen geschätzt. Der Wohnbau lässt sich jedoch nicht mehr so leicht finanzieren, dies besonders durch eine Verschärfung der Finanzregelungen durch Basel III, den Einbruch des Verkaufs von Wohnbau- anleihen und die budgetären Vorgaben der öffentlichen Hand. Damit ist eine Neuausrichtung der österreichischen Wohnbaupolitik unumgänglich. Als Ziele einer Nachjustierung las- sen sich folgende Punkte identifizieren: » eine Bereitstellung leistbarer Woh- nungen für alle Bevölkerungsschichten, » eine Unterstützung der energie- und klimapolitischen Ziele 2020, » eine nachhaltige Absicherung des Wirtschaftsstandortes Österreich. Geförderter Wohnbau rückläufig Bedingt durch die Konsolidierungspoli- tik der Länder ist der geförderte Wohn- bau in Österreich stark rückläufig. Zwi- schen 2009 und 2011 sind die Förde- rungszusicherungen um 21 Prozent oder 6.800 Einheiten zurückgegangen. Somit wurden in diesem Jahr nur noch 26.500 Wohnungen öffentlich gefördert. Besonders betroffen ist von dieser Entwicklung der Mietwohnbau mit einem Rückgang der Förderungen um 36 Prozent auf nunmehr 10.400 Wohneinheiten. Damit sind besonders Personen im unteren und mittleren Einkommenssegment von den Einspa- rungen betroffen. Impulse durch Sanierungsscheck Einen weiteren wichtigen Punkt im Woh- nungswesen stellt die Sanierung von Alt- bauwohnungen dar. Bedingt durch den Sanierungsscheck konnten Impulse ge- setzt werden, die auch klimapolitischen Zielsetzungen folgen. Zurzeit werden etwa 50.000 Woh- nungen pro Jahr einer thermischen Sa- nierung unterzogen. Das entspricht ei- ner Sanierungsrate von etwa 1,5 Prozent pro Jahr. Die öffentliche Hand fördert die thermische Sanierungsleistung mit zuletzt 425 Mio. Euro und investiert damit etwa 50 Prozent des Gesamtvolu- mens der für Sanierung vorgesehenen Mittel. Um die Klimaziele weiter verfolgen zu können, benötigt dieses Land jedoch eine Ausweitung der Sanierungsleistung auf drei Prozent pro Jahr. Eine Auswei- tung der Mittel ist in diesem Bereich daher unumgänglich. Folgt man der Argumentation des WIFO, kann eine Christian Fölzer Gewerkschaft Bau-Holz B U C H T I P P „Umwelt + Bauen“ (Hg.): Strategiepapier Wohnen 2020 2013, 36 Seiten Diese Broschüre ist auf der Homepage www.bauen-wohnen.at für Interessierte gratis downzuloaden.