Arbeit&Wirtschaft 8/201322 Schwerpunkt D esolate Alterspyramide, Pflegemi- sere, Alterseinsamkeit – die Pro- bleme sind allgemein bekannt. Lö- sungsansätze gibt es gleich mehre- re, manche erfordern Eigeninitiative, man- che politische Maßnahmen, doch (fast) alle sind noch nicht etabliert. Ob Mehr- Generationen-Wohnen, Seniorengenos- senschaften, betreubares Wohnen oder Ambient Assisted Living – angesichts der Tatsache, dass 2030 jeder/jede neunte Ös- terreicherIn über 75 sein wird, ist es höchste Zeit, dass alle diese Möglichkeiten über den Projektstatus hinauswachsen. Weitsichtig planen Niemand kann und will sich so recht vor- stellen, alt zu sein, nicht mehr rüstig oder gut erhalten, sondern langsam und ge- brechlich. Maßgebliche Beeinträchtigun- gen treten heute durch die gestiegene Le- benserwartung zwar meist später auf, doch fast ein Drittel der 75- bis 84-Jährigen hat Probleme beim Einkaufen, Wäschewa- schen u. Ä. (Seniorenbericht des Gesund- heitsministeriums 2012). Wer seine Wohnung rechtzeitig adap- tiert, kann so nicht nur Verletzungen vorbeugen, sondern sich auch später den Alltag wesentlich erleichtern. Für die Fi- nanzierung derartiger Verbesserungen wurden Senioren-Schecks nach dem Vor- bild des Sanierungsschecks von Minister Mitterlehner angekündigt. Die öffent- liche Hand würde dadurch Geld sparen. Denn, so zeigte etwa 2011 eine Studie im Auftrag der Bundesinnung Bau, der bar- rierefreie Umbau kostet einmalig pro Kopf rund 20.000 Euro. Demgegenüber beträgt der öffentlich-soziale Kostenan- teil im Pflegeheim pro BezieherIn einer kleinen Pension ca. 23.000 Euro jährlich. Derzeit sind nur vier Prozent der Häuser und Wohnungen völlig und 24 Prozent teilweise barrierefrei. Schon 2020 sollen Tausende seniorengerechte Wohnungen fehlen! Wichtig ist aber auch, die Bevölke- rung mehr zu sensibilisieren. Laut Bun- desseniorenplan 20131 haben vier Fünf- tel der über 50-Jährigen ihre Wohnung weder altersgerecht angepasst, noch pla- nen sie eine Adaptierung. Das Beseitigen von Stolperfallen, breitere, schwellenlose Türen, ausreichende Beleuchtung etc. sind nur die ersten, eher allgemeinen Stufen zum seniorengerechten Wohnen. Im Bedarfsfall kommen dann etwa un- terfahrbare Waschtische und Arbeitsflä- chen hinzu. Zusätzlich können moderne Technologien auch der Generation 70 plus das Leben merklich erleichtern. Der Roboter-Butler ist zwar noch Zukunfts- musik, aber mit AAL – Ambient Assisted Living (frei übersetzt: technikunterstütz- tes Alltagsleben) können betagte Men- schen länger selbstständig bleiben. Ent- sprechende Entwicklungen auch für Seniorinnen und Senioren werden von der EU unterstützt (AAL Joint Pro- gramme). Mit dem Programm „benefit“ fördert das Bundesministerium für Verkehr, In- novation und Technologie seit 2008 nicht nur die Entwicklung von Techno- logien zur Unterstützung älterer Men- schen, gleichzeitig soll auch die gesell- schaftliche Akzeptanz von AAL erhöht werden. Bisher wurden rund 24 Mio. Euro investiert und mehr als 100 Pro- jekte umgesetzt. AAL-Produkte erken- nen, wenn der/die BewohnerIn zu einem bestimmten Zeitpunkt abends noch nicht zu Hause ist. Herd, Badewanne, Haustüren etc. können mit speziellen Alarmsystemen versehen und Angehö- rige per SMS verständigt werden. „Der Herbst des Lebens wird länger, neue Technologien machen ihn schö- ner“, so Ministerin Doris Bures bei der Präsentation eines Pilotprojekts im Burgenland. Dort wurden vor Kurzem in Zusammenarbeit mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) und dem Arbeiter-Samariter-Bund 50 Smart Homes für Seniorinnen und Senioren fertiggestellt. Im Rahmen von betreu- barem Wohnen ist dank Hightech der klassische Heimnotruf ebenso integriert wie Bewegungssensoren, Bestellung von Essen oder die Erinnerungsmeldung für die Medikamenteneinnahme. Außerdem können Blutzucker oder Blutdruck über- wacht und die Hauskrankenpflege infor- miert werden, sobald Grenzwerte über- schritten werden. Betreubares Wohnen Ein ähnliches Projekt (REAAL) in Pich- ling bei Linz wurde vom Forschungsins- titut für Altersökonomie der WU Wien evaluiert. Insgesamt berichteten alle Be- wohnerInnen von merklichen Verbesse- rungen im Alltag, mehr sozialen Kontak- ten bei gleichzeitiger Wahrung der Privat- Astrid Fadler Freie Journalistin Smart Homes für die Älteren Nur wenn Staat, Kommunen und wir alle rechtzeitig planen und handeln, sind nachhaltige Lösungen für selbstbestimmtes Wohnen im Alter möglich. 1 Altern und Zukunft, Bundesplan für Seniorinnen und Senioren, 3. Auflage, BMASK 2013.