Arbeit&Wirtschaft 8/201340 Aus AK und Gewerkschaften E in Kind kommt auf die Welt, die Mutter bleibt eher und länger weg vom Arbeitsplatz, der Mann sel- tener und kürzer. Diese bekannte Tatsache wurde vom Wiedereinstiegsmo- nitoring bestätigt. Dieses neue Beobach- tungsinstrument wurde im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der AK Wien von L&R Sozialforschung erstellt.1 Aufgrund der längerfristigen, bis zu fünfjährigen Beobachtungsmöglichkeit des Wiedereinstiegsverhaltens und des Vergleichs der Erwerbssituation nach dem Wiedereinstieg mit der Zeit vor der Karenz ermöglicht es nun allerdings dif- ferenziertere Aussagen. Zurück in den Job Die Hälfte jener Väter, die vor dem Kin- derbetreuungsgeldbezug gut erwerbsin- tegriert2 waren, war spätestens drei Mo- nate nach Beginn des Kinderbetreuungs- geldbezuges wieder erwerbstätig3. Weitere drei Monate später erhöht sich dieser Anteil auf insgesamt fast drei Vier- tel (71 Prozent). Die Mehrheit der Frau- en hingegen, die vor der Geburt des Kin- des gut erwerbsintegriert waren, ist auch mit Ende der gesetzlich möglichen kün- digungsgeschützten Karenzdauer – dem zweiten Geburtstag des Kindes – noch nicht wieder erwerbstätig. Nur 38 Pro- zent finden sich zu diesem Stichtag erneut in einer Beschäftigung.4 Erst zum Stich- tag dritter Geburtstag des Kindes ist die überwiegende Mehrheit der Frauen wie- der in einer Beschäftigung (63 Prozent).5 Viele Frauen schöpfen offensichtlich die maximale Bezugsdauer der längsten Va- riante des Kinderbetreuungsgeldes weit- gehend aus und steigen erst dann wieder ein. Bei Frauen, die vor der Geburt des Kindes nicht oder nicht überwiegend er- werbstätig waren, ist die Wiedereinstiegs- wahrscheinlichkeit noch geringer: Hier sind mit Stichtag vierter Geburtstag im- mer noch deutlich weniger als die Hälfte, nämlich nur 41 Prozent, in einer Beschäf- tigung. Durch den Vergleich der Ergeb- nisse der Jahreskohorten, in denen bereits Kurzmodelle in Anspruch genommen werden konnten6, mit denen, in denen es nur eine, die längste Kinderbetreu- ungsgeldbezugsmöglichkeit gab, können zwei positive Trends beobachtet werden. So hat sich der Männeranteil deutlich er- höht7 und Kurzmodelle scheinen einen frühen Wiedereinstieg bei Frauen zu un- terstützen. Diese Trends sind allerdings nur bei Personen, die vor der Karenz gut erwerbsintegriert waren feststellbar und nicht bei jenen, die davor nicht bzw. schlecht erwerbsintegriert waren. Kontinuität oder Bruch? 30 Prozent der Frauen arbeiten nach dem Wiedereinstieg nicht mehr im selben Be- trieb. Bei den Männern wechselt nur jeder Fünfte den/die ArbeitgeberIn. Die Ergeb- nisse zeigen, dass auch die Dauer der Un- terbrechung beim ArbeitgeberInnenwech- sel eine Rolle spielt: Je früher der Wieder- einstieg erfolgt, desto eher ist eine Kontinuität im Arbeitsverhältnis gegeben. Diese Befunde sind zunächst weder posi- tiv noch negativ zu werten. So wissen wir, dass die Karenzzeit von Frauen auch ge- nutzt wird, um die berufliche Situation zu überdenken und gegebenenfalls eine be- rufliche Neuorientierung anzugehen oder eine unbefriedigende Beschäftigungssitu- ation zu beenden, also durchaus positive Veränderungsprozesse abbilden kann. Diskriminiert beim Wiedereinstieg Aber viele Frauen können auch nicht mehr auf ihren Arbeitsplatz zurück, ent- weder weil die Arbeitszeiten mit den Kin- derbetreuungszeiten nicht vereinbar sind, oder weil ein Wechsel aufgrund betrieb- licher Schikanen als einzige Option bleibt. Allein in den Monaten April bis Juni 2013 zählten die Arbeitsrechtsbera- terInnen der AK Wien rund 180 in der Beratung zu behandelnde Diskriminie- rungen im Zusammenhang mit dem Wiedereinstieg. Die häufigsten Benachteiligungen sind, dass Frauen nach der Karenz ge- ringwertigere Tätigkeiten ausüben müs- sen (z. B. Verlust der Filialleitung), an einen schlecht erreichbaren Arbeitsort versetzt werden oder Arbeitszeiten ange- ordnet bekommen, die mit der Kinder- betreuung nicht vereinbar sind. Beim Mama daheim, Papa in der Arbeit Das AK-Wiedereinstiegsmonitoring zeigt nachteilige Auswirkungen langer Berufsunterbrechungen von Frauen auf die weitere Berufskarriere. Gerlinde Hauer Mitarbeiterin der Abt. Frauen – Familie der AK Wien 1 Kurzbericht zum Wiedereinstiegsmonitoring unter www.arbeiter- kammer.at. 2 = mehr als 50 Prozent Beschäftigungstage im Jahr vor der Geburt des Kindes (Frauen) bzw. vor dem Beginn des Kinderbetreuungs- geldbezuges (Männer). 3 = vollversicherte Standardbeschäftigung, d. h. ohne gering fügig Beschäftigte. 4 Von den weiteren 62 Prozent dieser Frauen befindet sich ein kleiner Teil aufgrund eines weiteren Kindes erneut in Karenz. 5 Diese Ergebnisse beziehen sich auf die Jahreskohorte 2006. 6 Ab 2008 gab es neben dem 30+6-Modell die neu eingeführten Kurzmodelle 20+4 und 15+3. 7 Er hat sich von 2006 auf 2010 fast verdoppelt von 9 Prozent (2006) auf 17 Prozent (2010).