Arbeit&Wirtschaft 8/2013 41Aus AK und Gewerkschaften Vergleich des Einkommens vor und nach der Karenz zeigt sich, dass Frauen nach der Karenz mit deutlich nied- rigeren Monatslöhnen zurechtkommen müssen als zuvor – und zwar auch noch mehrere Jahre nach der Geburt des Kin- des. So verdienten im Jahr vor der Ge- burt des Kindes 45 Prozent der überwie- gend erwerbstätigen Frauen, die 2006 ein Kind geboren haben, 2.000 Euro brutto im Monat oder mehr. Im vierten Jahr nach der Geburt dagegen kommen nur noch 17 Prozent auf ein Monatsent- gelt ab 2.000 Euro. Bei Männern unter- scheidet sich das Einkommen dagegen kaum. Der Anteil der Männer mit einem Erwerbseinkommen von 2.000 Euro und mehr sank im selben Ver- gleichszeitraum kaum: So waren in die- sem Einkommenssegment im Jahr vor Beginn des Kinderbetreuungsgeldbe- zugs 52 Prozent der Männer einzuord- nen, im vierten Jahr danach beträgt die- ser Anteil 50 Prozent, d. h. die Einkommenssituation hat sich bei den Männern – ganz im Unterschied zu den Frauen – kaum verändert. Einkommensentwicklung Die großen Unterschiede in der Einkom- mensentwicklung zwischen Männern und Frauen liegen in den ersten zwei bis drei Jahren nach Beginn der Kinderaus- zeit vor allem am hohen Anteil an Frau- en, deren Berufsunterbrechung noch an- dauert. Im vierten Jahr kann das aller- dings nicht mehr der wesentlichste Grund sein. Einkommenseinbußen aufgrund des hohen Anteils von Müttern, die in Teilzeit wieder einsteigen, werden hier wahrscheinlich den größten Einfluss ha- ben. Da die Arbeitszeit allerdings vom Hauptverband nicht erhoben wird, kann über das genaue Ausmaß des Einkom- mensnachteils durch Teilzeit im Wieder- einstiegsmonitoring keine Aussage ge- macht werden. Ein weiterer Grund sind die oben dargestellten Benachteiligun- gen, die Frauen im Zusammenhang mit dem Wiedereinstieg erfahren. Handlungsbedarf Neben einem forcierten Ausbau qualita- tiv hochwertiger Kinderbetreuung brau- chen wir einen besseren Schutz vor Be- nachteiligungen beim Wiedereinstieg, die Bekämpfung der Schlechterstellung von Teilzeitbeschäftigung bei den beruf- lichen Entwicklungsmöglichkeiten, und mit Kinderbetreuungspflichten zu ver- einbarende Arbeitszeitarrangements für beide Geschlechter. Es braucht auch ei- nen Ausbau der Möglichkeiten der Stun- denaufstockung bei Teilzeit bzw. zur Rückkehr in Vollzeit. Teilzeit mit gerin- gem Stundenausmaß von Frauen als al- leinige längerfristige Vereinbarkeitsstra- tegie, wie sie in Österreich dominierend ist, schränkt die beruflichen Chancen von Frauen viel zu sehr ein. Um die deutlich schlechteren (Wie- der-)Einstiegschancen von Frauen, die vor der Geburt des Kindes nicht oder schlecht erwerbsintegriert waren, zu ver- bessern, ist es notwendig, ganzheitliche arbeitsmarktpolitische Unterstützungs- angebote auszubauen. Diese müssen sich von der Beratung über die Berufs- orientierung bis zur Qualifizierung und Unterstützung bei der Arbeitssuche er- strecken und damit individuell ange- passte Unterstützung ermöglichen. Bessere Vater-Kind-Beziehung Die Erweiterung der Erwerbsbeteili- gungsmöglichkeiten von Müttern wird auch ganz wesentlich davon abhängen, ob sich zukünftig Väter stärker an der Kin- derbetreuung beteiligen werden. Wie die Ergebnisse des Wiedereinstiegsmonito- rings zur Einkommensentwicklung von Männern, die Kinderbetreuungsgeld be- zogen haben, zeigen, spricht hinsichtlich der Einkommenschancen – die sich nach einer Väterkarenz in der Regel nicht ver- schlechtern – nichts dagegen. Und hin- sichtlich der Vater-Kind-Beziehung ist Väterkarenz – wie in einer ebenfalls erst kürzlich erschienenen OECD-Studie8 nachgewiesen wird – eindeutig positiv. Denn Väter, die Karenz in Anspruch neh- men, beteiligen sich deutlich regelmäßi- ger an der Betreuung der Kinder als Väter, die keine Karenz in Anspruch nehmen. Internet: Mehr Info unter: tinyurl.com/ouwqwmu Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin gerlinde.hauer@akwien.at oder die Redaktion aw@oegb.at © Ö GB -V er la g/ M ic ha el M az oh l 8 „Fathers Leave, Fathers’ Involvement and Child Development. Are they related? Evidence from four OECD Countries“, OECD So- cial, Employment and Migration Working Papers, No. 140, 2013, OECD Publishing. Denn Väter, die Karenz in Anspruch nehmen, beteiligen sich deutlich regelmäßiger an der Betreuung der Kinder als Väter, die keine Karenz in Anspruch nehmen.