Arbeit&Wirtschaft 1/201444 Rück-Blog Der blog.arbeit-wirtschaft.at ergänzt die Printausgabe der „A&W“ als digitales Informations- und Diskussionsforum. DIE MEISTGELESENEN BEITRÄGE DER LETZTEN 30 TAGE: » Mythos: „Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt“ (BEIGEWUM) » Das gefährliche Ungeheuer heißt De- flation – nicht Inflation (Silvia Angelo) » Ökonomische Ungleichheit spaltet nicht nur Gesellschaften, sondern auch die Wirtschaftswissenschaften (Matthias Schnetzer) HABEN WIR ALLE ÜBER UNSERE VERHÄLTNISSE GELEBT? In seinem aktuellen Buch „Mythen des Sparens“ widmet sich der Beirat für ge- sellschafts-, wirtschafts- und umweltpo- litische Alternativen – kurz BEIGE- WUM – zum wiederholten Male wirt- schaftspolitischen Dogmen. Einzelne Kapitel erschienen nun in gekürzter Form am blog.arbeit-wirtschaft.at. Darunter ein Mythos, den wir in den letzten Jahren von konservativer oder wirtschaftslibera- ler Seite nicht nur einmal zu hören beka- men: „Wir haben alle über unsere Ver- hältnisse gelebt!“ Unterstellt wird dabei, dass sowohl öffentliche als auch private Schulden aus einem moralischen Fehl- verhalten entstehen. Die daraus resultie- rende Konsequenz ist so drastisch wie wohlbekannt, sie lautet: Sparen, sparen, sparen. Wir können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten und müssen die öf- fentlichen Ausgaben senken, aber auch privat gilt es, „den Gürtel enger zu schnallen“. Der BEIGEWUM stellt diesen Behaup- tungen eine differenzierte Argumentati- on, die sich auf Zahlen und Fakten stützt, entgegen. Es wird gezeigt, dass zu wenig privates Sparen weder die Ursache noch der Auslöser der aktuellen Krise gewesen ist. Vielmehr liegen die systemischen Ur- sachen in wachsender Ungleichheit und mangelnder Regulierung. Der Versuch, die Krisenkosten durch Einsparungen, etwa im Sozialstaat, zu begleichen, ist da- her zum Scheitern verurteilt. Denn sie können die ursächlichen Probleme nicht lösen, sondern im Gegenteil: Sie vergrö- ßern sie. Lesen Sie nach: tinyurl.com/mswvybf DAS GEFÄHRLICHE UNGEHEUER HEISST DEFLATION – NICHT INFLATION Silvia Angelo widmet sich in ihrem Bei- trag der Geldpolitik. Sie widerspricht je- nen, die in der Niedrigzinspolitik der EZB stets die Gefahr einer galoppieren- den Inflation sehen und dabei sogar von Enteignung sprechen. Tatsächlich liegt die Gefahr aktuell nicht in der Inflation, sondern im Gegenteil. Deflation ist für das kapitalistische System systemgefähr- dend. Ist das Geld morgen mehr wert als heute, so ist es stets attraktiver, erst mor- gen statt heute zu investieren. Die Folge ist das Horten von Geld und ein realer Anstieg der Schulden. Das mangelnde Verständnis für die Ge- fahren, die von Deflation ausgehen, liegt aber wohl nicht zuletzt am selektiven Ge- dächtnis der wirtschaftspolitischen Eliten im deutschsprachigen Raum. So fürchtet man stets die Hyperinflation der 1920er- Jahre, vergisst aber darauf, welche Rolle die Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre und deren soziale Verwerfungen für das Erstarken des Faschismus gespielt haben. Umso dramatischer, dass es nun die deut- schen Ökonominnen und Ökonomen sind, die ganz Europa in Geiselhaft ihrer wirtschaftspolitischen Ansichten halten. Gepredigt werden Austeritätsprogram- me, Wettbewerbspakte und Lohnzurück- haltung. Diese Form einer deflationären Politik kann und wird dramatische Fol- gen für die EU haben. Es wird uns jeden- falls Wohlstand kosten, kann am Ende aber auch das Ende der Währungsunion bedeuten. Lesen Sie nach: tinyurl.com/m2u62vf ÖKONOMISCHE UNGLEICHHEIT SPALTET NICHT NUR GESELL- SCHAFTEN, SONDERN AUCH DIE WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN Matthias Schnetzer gibt in seinem Beitrag der ökonomischen Ungleichheit auch ei- ne geografische Determinante und be- leuchtet die Rolle von Ungleichheit in der Ökonomie als Wissenschaft. Die dort dominierende neoliberale Denkweise sieht ökonomische Ungleichheit als not- wendig an. Dies wird damit gerechtfer- tigt, dass Ungleichheit zu härterer Arbeit, höherer Produktivität und größeren In- vestitionen anspornt und so zu mehr Wachstum und Wohlstand führt. Der Autor hält dem entgegen, dass tatsächlich das Gegenteil der Fall ist. Die zunehmende Spreizung von Einkom- men führt auf der einen Seite zu man- gelnder Konsumnachfrage und auf der anderen Seite zur Anhäufung von Kapital auf den Finanzmärkten. Die Folge sind mangelnde Nachfrage in der Realwirt- schaft und aufgeblähte Finanzmärkte. Dabei hat eine gleichere Verteilung nicht nur ökonomisch positive Effekte, son- dern wirkt sich auch positiv auf die Le- bensqualität aus. Dies betrifft Gesund- heit, Bildung, Sicherheit und natürlich auch die politische Stabilität in einem Land. Lesen Sie nach: tinyurl.com/pdaazq6 Mehr dazu und weitere aktuelle, informative Beiträge unserer Expertinnen und Experten lesen Sie unter blog.arbeit-wirtschaft.at