Arbeit&Wirtschaft 3/201430 Schwerpunkt P ensionsfonds und Vermögensbe- raterInnen nutzen die Angstmache um das öffentliche Pensionssystem aus und empfehlen zur „Absiche- rung“ oder gar als Ersatz des öffentlichen Pensionssystems kapitalgedeckte Pensi- onen. Um diese Diskussion richtig zu bewerten, empfiehlt sich der Blick über die Grenze: Welche Erfahrungen haben denn andere Länder mit privaten Pensi- onssystemen gemacht? Individuelle Ansparpläne Unter kapitalgedeckten Pensionen ver- steht man individuelle Ansparpläne für die Pension. Anders als im Umlagever- fahren werden Pensionsbeiträge der heu- te Aktiven nicht unmittelbar an die heu- tigen Pensionistinnen und Pensionisten ausbezahlt, sondern die Beiträge werden am Markt veranlagt, in der Hoffnung, dass das Geld „arbeiten“ möge. Dabei können die Pensionsbeiträge direkt vom Lohn abgezogen werden, wobei in manchen Fällen der Arbeitge- ber noch etwas dazulegt (berufsbezo- gene Pensionen), oder es handelt sich um persönliche, private Ansparpläne. In manchen Ländern ist es verpflichtend, sich über eine kapitalgedeckte Pensions- versicherung abzusichern: In den Nie- derlanden etwa gibt es verpflichtende berufsbezogene Pensionen, in Polen hat man versucht, ein verpflichtendes pri- vates System einzuführen. In anderen Ländern ist es freiwillig: Ein typisches Beispiel für berufsbezo- gene freiwillige Pensionssparpläne sind die sogenannten 401(k) Pläne in den USA, in Deutschland wiederum gibt es mit der Riester-Rente eine freiwillige, persönliche Pensionsversicherung. Sehr unterschiedliche Systeme – gibt es da vielleicht eines, das den anderen überlegen ist, das tatsächlich eine gute Altersabsicherung ermöglicht? Ein Län- dervergleich zeigt eindeutig: Nein, kapi- talgedeckte Systeme kommen der All- gemeinheit nicht billiger und sie garantieren vor allem auch keine ver- trauenswürdige Altersabsicherung. Wer- fen wir dafür einen kurzen Blick auf die einzelnen Länder: Das niederländische Pensionssystem hat seit vielen Jahr- zehnten ein verpflichtendes Betriebspen- sionssystem mit starker Beteiligung der Sozialpartner. Instabilitäten des Systems Bereits vor der großen Rezession wurden Instabilitäten des Systems sichtbar. Die Finanzkrise und ihre Folgewirkungen ha- ben dann den Großteil der Fonds lang- fristig unter Wasser gesetzt – zum einen aufgrund der Verluste auf der Vermögens- seite, zum anderen aufgrund der niedri- gen Zinsstruktur, die die zukünftigen Verbindlichkeiten massiv verteuert. Als Folge kam es zu Einschnitten bei den Leistungszusagen – über Beitragser- höhungen und Anhebungen des Pensi- onsalters einerseits und das Aussetzen der jährlichen Anpassungen (wodurch die angesparten Beträge deutlich weni- ger wert werden) andererseits. Heute ak- tive NiederländerInnen müssen mit deutlichen Einbußen ihrer zukünftigen Pensionen rechnen. Im Frühjahr 2013 wurden dann auch ausbezahlte Pensi- onen um teilweise über fünf Prozent ge- kürzt, was das Vertrauen in das System schwächte und gleichzeitig auch kon- traktiv auf die ohnehin schon schwä- chelnde niederländische Wirtschaft wirkte. USA: Oft Betriebspensionen In den USA sind neben der gesetzlichen Pensionsversicherung (Social Security) Betriebspensionen weitverbreitet: Eine immer wichtigere Rolle spielen dabei die beitragsbezogenen, steuerlich geförder- ten Betriebspensionsansparpläne 401(k). 40 Prozent der amerikanischen Haushal- te sind im Besitz derartiger Fonds, 3.500 Mrd. US-Dollar sind in 401(k) Plänen veranlagt. Die AnlegerInnen können selbst entscheiden, wie viel und in wel- chen Fonds er/sie veranlagen will – be- gründet wird dies mit der Eigenverant- wortung der Menschen. Bereits vor der Krise war allerdings klar, dass die Menschen viel zu geringe Beträge in diesen Ansparplänen für eine adäquate Lebensstandardsicherung im Alter veranlagt haben. Der Traum von der wunderbaren Geldvermehrung, der durch den Aktienboom der Neunziger- jahre ausgelöst worden war, war ge- platzt … In der Krise kam es zu Vermögens- einbrüchen in den Ansparplänen, vor allem aber zwang die unsichere Wirt- schafts- und Arbeitsmarktlage viele Er- werbstätige, Gelder aus den Fonds zu entnehmen oder ihre Einzahlungen noch weiter zu reduzieren. Eine deut- Agnes Streissler-Führer Wirtschaftspolitische Projektberatung e. U. Kapitalgedeckte Pensionen sind keine Alternative Erfahrungen mit privaten Pensionssystemen.