Arbeit&Wirtschaft 4/20144 Arbeit&Wirtschaft 10 1Historie Spare in der Zeit ... I ch gehöre zur Generation Sparefroh. Sparsamkeit gehört zu den Werten, die mir von klein auf vermittelt worden sind. Früh hatte ich ein Sparschwein und der Weltspartag hatte seinen fixen Platz im alljährlichen Feiertagsreigen – auch we- gen der schönen Geschenke. Zu wichtigen Anlässen bekam man manchmal Sparbü- cher und Bausparverträge, man sparte auf einen Urlaub, ein Moped, ein Auto. Sparen hieß aber damals auch Nach- haltigkeit – Kinderkleidung wurde in der Familie weitergegeben, aus Wasch- mittelverpackungen wurden Papierkörbe ge bastelt, ein Zeichenpapier wurde zwei- seitig genutzt und meine Mutter konnte aus Restln wahre Festmähler komponie- ren. Nicht zu sparen wäre ihr wie Frevel Katharina Klee Chefredakteurin Standpunkt © Ö GB -V er la g/ Pa ul S tu rm vorgekommen. In ihren – aber auch in meinen – Schubladen findet man Gum- miringerl, gebrauchtes und wieder zu- sammengelegtes Geschenkpapier und -bänder und vieles andere, was noch gut zu gebrauchen ist. Damals – genauer in den Jahren 1968 bis 1975 – machten Psychologen das be- rühmte Marshmallow-Experiment. Vier- jährigen Kindern wurde eine Süßigkeit angeboten – schafften sie es, ihre Nasch- lust ein wenig zurückzustellen und zu warten, bekamen sie eine zweite dazu. Diejenigen Kinder, denen diese Impuls- kontrolle damals gelungen ist, erwiesen sich im späteren Leben als erfolgreicher. Und doch werde ich den Verdacht nicht los, dass manche dieser Kinder mitt- lerweile feststellen mussten, dass ihnen heute oft beide Marshmallows wieder weg- genommen werden, dass andere ihre Im- pulse auch deswegen besser kontrollieren können, weil sie wissen, dass sie über grö- ßere, riesige Süßigkeitenvorräte verfügen. Sparen kann man von den Reichen ler- nen, besagt ein Sprichwort – die brauchen den Gürtel aber auch nicht enger zu schnallen: Sie haben Hosenträger. Erspa- ren können wir uns aber doch einiges: Nämlich dann, wenn wir uns rechtzeitig organisieren und gemeinsam gegen Unge- rechtigkeit auftreten. Und indem wir im- mer wieder die Gelegenheit zur Wahl wahrnehmen und an der richtigen Stelle unsere Kreuzerl machen. Das bringt Zin- sen – z. B. am 25. Mai bei der Europawahl. Liebe LeserInnen, sechs Jahre lang durfte ich die „Arbeit& Wirtschaft“ leiten. Es war eine sehr gute Zeit, dank all der Menschen, die hinter dieser Zeitschrift stehen. Fachleute aus ÖGB und AK legen hier seit 1923 den „Standpunkt der Arbeit zur Neuregelung der Wirtschaft“ dar. Ich persönlich konnte von so viel Wissen profitieren und Interviews mit so interessanten Männern und Frauen führen. Ich freue mich, dass ich bei vielen Veranstaltungen immer wieder Gelegenheit hatte, Kolle- ginnen und Kollegen, LeserInnen, per- sönlich kennenzulernen. Danke dem Redaktionskomitee aus ÖGB und AK – unschätzbar sind die spannenden Dis- kussionen, die hier stattgefunden haben. Der meiste Dank gebührt aber dem Team: Ohne Redaktionsassistentin Sonja Adler läuft nichts. Die Layouter Dietmar Kreutzberger und Walter Schauer bewei- sen unter Druck vor dem Druck Nerven. Fotograf Paul Sturm war für die spe zielle Bildsprache und die wundervollen Cover verantwortlich. Sie alle werden die „A&W“ auch in Zukunft prägen. Das Leben erspart einem wenig, und schon gar nicht Abschiede. Der „Arbeit&Wirtschaft“ wünsche ich mindestens noch 90 Jahre, unterstützt von den neuen Medien wie dem formi- dablen Blog, der Facebook-Seite und Twitter. Ich bleibe Fan. Ein herzliches Glück auf ! Katharina Klee In eigener Sache