Arbeit&Wirtschaft 4/2014 17Schwerpunkt Auch wenn Reichtum nicht eindeu- tig definiert werden kann, da es sich vor allem um eine relationale Größe han- delt, und die Erhebung auch viele Haushalte umfasst, die erst am Anfang oder in der Mitte ihres Ersparnisauf- baus stehen, zeigen diese Zahlen, dass es in Österreich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung zu größerem Reichtum bringt. Und Sparen allein war wohl für sehr wenige der Weg zum Reichtum. Denn ein wichtiger Teil des Vermögens österreichischer Haushalte – etwa ein Drittel – stammt aus Erbschaften, die bei den sehr vermögenden Haushalten deutlich häufiger und mit höheren Summen anfallen als beim Rest der Be- völkerung. Woran liegt’s? Sparen allein reicht für den Aufbau von Reichtum meist nicht aus, da viele Haus- halte nicht genug Einkommen erzielen, um größere Beträge anzusparen. Laut der Konsumerhebung 2009/10 der Sta- tistik Austria hatten österreichische Haushalte 2010 ein durchschnittliches monatliches Äquivalenznettoeinkom- men2 von 2.020 Euro, dem monatliche Äquivalenzausgaben von 1.880 Euro ge- genüberstanden. Im Durchschnitt spar- ten die Haushalte im Monat also 140 Euro oder sieben Prozent des Nettoein- kommens. Die Schwierigkeit, durch Arbeit reich zu werden, zeigt auch ein kleines Gedankenspiel der Arbeiterkammer Wien. In ihrer Broschüre „Die Vertei- lung von Vermögen in Österreich“ stellt sie die Frage, wie viel Vermögen durch unselbstständige Arbeit über ein Erwerbsleben erspart werden kann. Vier beispielhafte Lebensläufe werden nachgezeichnet und ihre Ersparnisse am Ende von 45 Jahren Vollzeitarbeit verglichen. Millionäre werden alle vier nicht. Selbst jene fiktive Person, die durchgängig ein hohes Einkommen er- zielt, davon monatlich 15 Prozent zur Seite gelegt und das Ersparnis mit fünf Prozent jährlich verzinst hat, hatte zum Pensionsantritt 2012 gerade einmal 270.000 Euro auf der Kante. Neben dem Einkommen spielt die soziale Herkunft eine wichtige Rolle. Wer finanzielle Zuwendungen wie Schenkungen und Erbschaften erhält, kann leichter ein Vermögen aufbauen. Auch der Zugang zu guter Bildung und Ausbildung ist in Österreich einfacher für Kinder wohlhabender Familien. Außerdem haben Menschen mit hö- heren Bildungsabschlüssen durch- schnittlich deutlich höhere Vermögen als der Rest der Bevölkerung. Wer spart, der hat? Die Daten zeigen, dass es in Österreich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung zu größerem Reichtum bringt. Sparen al- lein reicht dafür meist nicht aus. Das Einkommen vieler Haushalte, kombi- niert mit hohen Lebenskosten, ist zu niedrig, um große Schritte zu tun. Einfacher haben es jene, die in reiche Familien geboren werden, dank Schen- kungen, Erbschaften und einem besse- ren Zugang zu Bildung und Arbeits- markt. Hinzu kommt, dass Arbeit in Österreich sehr hoch besteuert wird, Vermögen hingegen kaum. Das Verspre- chen, durch Leistung und Sparen reich werden zu können, wirkt daher hohl. Viel eher dient es dazu, die ungleiche Verteilung von Vermögen zu legitimie- ren und die Verantwortung für den per- sönlichen Reichtum zu individualisie- ren. Wer nicht reich wird, soll die Schuld bei sich selbst suchen und nicht bei den gesellschaftlichen Gegebenheiten. Im öffentlichen Diskurs ist daher mehr Ehrlichkeit nötig – und eine stärkere Umverteilung des gesellschaftlichen Wohlstands. Internet: AK Wien: Die Verteilung von Vermögen in Österreich. Download unter: tinyurl.com/pwg2mzf Statistik Austria: Konsumerhebung 2009/10: tinyurl.com/nhjggx7 Schreiben Sie Ihre Meinung an den Autor manuelmelzer@yahoo.com oder die Redaktion aw@oegb.at 2 Äquivalisierung ist eine Methode, um Haushalte unterschiedlicher Größe und Zusammensetzung vergleichbar zu machen. © Ö GB -V er la g/ M ic ha el M az oh l Fast alle österreichischen Haushalte sparen und es gibt insgesamt große Ersparnisse. Gibt es daher auch viele reiche Haushalte? Die Antwort ist Nein.