Nicht zuletztArbeit&Wirtschaft 3/2013 45 D ie chinesische Wirtschaft ist ein Motor für die Weltwirtschaft. Alle acht Jahre verdoppelt sich die Wirtschaftsleistung, bald wird sie jene der USA erreichen. Diese enorme Expansion löst viele Sorgen aus, etwa jene der Überschwemmung der euro- päischen Märkte mit Billigprodukten oder jene der Abwanderung der Unter- nehmen ins Reich der Mitte. Mit wel- chen Produkten können wir angesichts unserer hohen Einkommens- und Sozi- alstandards überhaupt noch gegenüber China konkurrenzfähig sein, wo Hun- derte Millionen armer Bauern bereit sind, zu billigen Löhnen in der Industrie zu arbeiten? Beeindruckende Erfolge Die chinesische Wirtschaftspolitik hat in den letzten Jahrzehnten beeindruckende Erfolge erzielt: Im Gegensatz zu Indien gelang es, Hunger unter der Milliarden- bevölkerung zu vermeiden. Auch die weltweite Finanzkrise ist an China bei- nahe spurlos vorübergegangen. Zu diesen Erfolgen hat auch beige- tragen, dass China dem westlichen Drängen auf Liberalisierung nicht ge- folgt ist. Strikte Kapitalverkehrsbe- schränkungen wurden ebenso wie die staatliche Intervention auf dem Reis- markt beibehalten. Dennoch steht Chi- na vor enormen Herausforderungen. Sie betreffen die krassen Unterschiede bei Einkommen und sozialen Chancen ebenso wie die gewaltigen Umweltpro- bleme, die faulen Kredite im Banken- system oder die Übertragung der enor- men Exportüberschüsse in kaufkräftige Inlandsnachfrage. Zudem stellt sich die Frage, wann das Fehlen von Demokratie und ande- ren Menschenrechten die soziale Stabili- tät gefährdet. Es ist absehbar, dass die Expansion der chinesischen Wirtschaft nicht ungebremst voranschreiten wird. Mit der schrittweisen Öffnung zum ka- pitalistischen Wirtschaftssystem ist Chi- na auch für dessen Krisen anfällig ge- worden. Leistbares durch Billigimporte Die dynamische Entwicklung der chine- sischen Wirtschaft spiegelt sich auch im österreichischen Außenhandel wider: In den letzten zehn Jahren haben sich die Importe aus China von knapp zwei auf sieben Milliarden Euro pro Jahr mehr als verdreifacht, sie machen bereits fünf Pro- zent des gesamten heimischen Güterim- ports aus. Die Einfuhr billiger Fertigwaren, vom Plastikspielzeug bis zu Elektronik- waren, steigt kräftig, zunehmend dehnt sich der Handel auf Maschinen aus. Die Billigimporte aus China haben viele Ge- brauchsgegenstände bei uns erst leistbar gemacht. Es kommt praktisch nicht vor, dass Produktion aus Österreich abgesie- delt wird und die Produkte dann aus China importiert werden. Gleichzeitig benötigt China für sein rasches Wachstum Investitionsgüter wie Maschinen und Elektrogeräte und die rasch wachsende Mittelschicht in den Städten gewinnt an Kaufkraft. Deshalb hat sich auch Österreichs Export ins Reich der Mitte dynamisch entwickelt: Er verdreifachte sich im letzten Jahr- zehnt auf mehr als drei Milliarden Euro. Die Handelsbilanz weist dennoch ein Minus von gut drei Milliarden Euro auf. China bildet einen der wichtigsten Wachstumsmärkte für den heimischen Tourismus: Die Zahl der Nächtigungen chinesischer Gäste beträgt etwa eine halbe Million pro Jahr, sie verdoppelt sich alle vier bis fünf Jahre. Verteilungsfragen Die Wirtschaft Österreichs wie auch jene der EU insgesamt profitieren vom raschen Aufstieg Chinas. Doch die Vor- teile sind ungleich verteilt. Während die Gewinne der erfolgreichen Export- unternehmen kräftig steigen, haben vie- le Menschen in schwachen Konsum- güterindustrien Südeuropas Arbeit und Einkommen verloren. Die entschei- dende Frage ist einmal mehr nicht jene nach der Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Vielmehr geht es darum, wie der entstehende Wohlstand verteilt wird. Die gelbe Gefahr? Nicht zuletzt © Ö GB -V er la g/ Pa ul S tu rm Markus Marterbauer Leiter Abteilung Wirtschaftswissenschaft und Statistik der AK Wien