Arbeit&Wirtschaft 6/2014 7Aus AK und Gewerkschaften Arbeiterkammer: Immo-Spekulation Riegel vorschieben! Die AK erwartet bis Herbst Vorschläge zur Mietrechtsreform und eine deutliche Entlastung der MieterInnen. GPA-djp: Gegen „Praktika“-Missstände Neue Plattform www.watchlist-praktikum.at soll Rechte von Betroffenen durchsetzen. „Spekulationen mit Zinshäusern müssen ein- gedämmt werden“, verlangt AK-Präsi- dent Rudi Kaske. „Die Vorkommnisse rund um die Räumung in der Wiener Mühlfeldgasse sind eine groteske Konse- quenz rücksichtsloser Spekulation.“ Seit dem Jahr 2000 dreht sich das Preiskarus- sell für Wiener Zinshäuser stark. Finanz- investoren und Immobilienfonds veran- lagen ihr Geldvermögen in Zinshäusern und treiben so die Preise in die Höhe. Aufgrund der starken Wohnungsnach- frage können sie auch hohe Mieten ver- langen. Das wiederum treibt auch alle anderen Mieten im privaten Wohnungsmarkt immens in die Höhe. „Die Leidtragenden sind Mieterinnen und Mieter, sie finanzieren die Spekula- tionspreise der Verkäufer“, so Kaske. Allein im Vergleich zum Jahr 2013 sind die Mieten doppelt so stark gestie- gen wie die Gesamtteuerung. Das WIFO hat die Entwicklung zwischen 2000 und 2011 im Auftrag der AK un- ter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die privaten Mieten sind in elf Jahren geradezu explodiert. Sie sind um zwei Drittel mehr gestiegen als die allgemeine Teuerung. Die privaten Neuvermie- tungen sind zwischen 2005 und 2011 sogar doppelt so stark gestiegen wie die Teuerung und die Löhne (knapp 28 Prozent im Vergleich zu 13 Prozent). Die Mieten bei den Gemeindewoh- nungen und Genossenschaftswoh- nungen stiegen im selben Zeitraum aber nur im Ausmaß der Inflation (13,7 bzw. 13,4 Prozent). Die AK erwartet bis zum Herbst Vor- schläge zur Mietrechtsreform. „Ich er- warte mir von Justizminister Brand- stetter bei den Vorschlägen, dass Wohnen tatsächlich billiger wird“, so AK-Präsi- dent Kaske. Um die MieterInnen zu ent- lasten, braucht es klare Mietobergrenzen für private Altbau-Mietwohnungen. Au- ßerdem muss die Wohnbauförderung wieder zweckgebunden und an die Teue- rung angepasst werden, damit mehr leistbare Wohnungen gebaut werden können. Weitere Forderungen der AK: weg mit den befristeten Mietverhältnis- sen; Betriebskosten senken, indem Versi- cherungskosten und Grundsteuer für MieterInnen fallen; Maklergebühren für MieterInnen streichen; klare Erhaltungs- regeln für VermieterInnen festlegen. Schlecht oder gar nicht bezahlt und überhäuft mit Arbeit: Praktikantinnen und Praktikanten, die in den Sommer- ferien Berufserfahrung sammeln und etwas Geld verdienen wollen, werden oft ausgenutzt. Jetzt können sie sich wehren. Die neue Internetplattform „watchlist-praktikum.at“ ist seit Anfang Juli online und bietet Jugendlichen die Möglichkeit, „schwarze Schafe“ ano- nym aufzudecken und Missstände zu schildern. Bereits Tausende Aufrufe und eine Vielzahl an Einträgen, mit genauen Schilderungen, seit dem Start der Inter- netplattform bestätigen die Notwendig- keit der Initiative. Mit der Watchlist sollen Missbräuche durch Arbeitgeber bei „Praktika“ eingedämmt werden, sie soll aber jungen Menschen auch den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. „Ein guter und fairer Berufseinstieg ist die Grundlage für die Lebens- und Kar- riereplanung junger Menschen. Wir un- terstützen die Generation Praktikum im Kampf um faire Bedingungen für junge Menschen“, so Karl Proyer, stellvertre- tender Bundesgeschäftsführer der GPA- djp (Gewerkschaft der Privatangestell- ten, Druck, Journalismus, Papier). Die Berichte bzw. Vorwürfe werden an die zuständigen Gebietskrankenkassen wei- tergeleitet, um die betroffenen Betriebe auch prüfen zu können. Die gute Nachricht für Jugendliche, die eigentlich in einem ganz normalen Arbeitsverhältnis gearbeitet haben: Sie erhalten rückwirkend nicht nur ihr Ge- halt, sondern ihnen wird diese Zeit auch als Versicherungszeit angerechnet. Es ist seit Jahren kein Geheimnis mehr, dass „Praktika“ viel zu oft gar nicht bezahlt werden und die Prakti- kantinnen und Praktikanten nicht sozi- alversichert werden. Unzählige Studien beweisen, dass es sich bei diesen unbe- zahlten oder stark unterbezahlten „Praktika“ in der Regel nicht um Aus- bildungsverhältnisse handelt. Je mehr Betroffene sich in die Plattform eintra- gen, desto wahrscheinlicher wird es, dass unbezahlte Praktika in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören. Österreich ist keine Ausnahme, eine Vielzahl von Studien beweist, dass ein Großteil der Praktika für Schülerinnen und Schüler und Studierende unterbe- zahlt oder unbezahlt absolviert werden muss. Rückenwind bekommen die Ini- tiatorinnen und Initiatoren jetzt auch aus Brüssel: Die EU-Abgeordnete Evelyn Regner brachte eine Anfrage an die EU-Kommission ein, in der sie auch konkrete Maßnahmen im Kampf um die soziale Absicherung junger Beschäf- tigter fordert. Weitere Infos finden Sie unter: www.gpa-djp.at