Arbeit&Wirtschaft 6/201446 Man kann nicht alles wissen Afrique-Europe-Interact: transnational organi- siertes Netzwerk, gegründet 2010; die Aktivis- tInnen – unter ihnen zahlreiche selbstorganisierte Flüchtlinge, MigrantInnen und Abgeschobene – kommen vor allem aus Mali, Togo, Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Ihre Schwer- punkte sind: Land Grabbing, Aktionen gegen die Militarisierung der EU-Außengrenzen sowie die dramatischen Konsequenzen einer von Tuaregs und islamistischen Gruppen getragenen Rebellion im Norden Malis. (Seite 26) Balzac, Honoré de: französischer Schriftsteller (1799–1850), sein Hauptwerk ist der aus rund 90 Werken bestehende unvollendete Romanzyklus „Die göttliche Komödie“. (Seite 14) Bourdieu, Pierre: französischer Soziologe (1930– 2002), beschäftigte sich vor allem mit Kultursozio- logie. Nach Bourdieu gibt es für die menschliche Freiheit viele Begrenzungen, unter anderem durch unbewusste verinnerlichte Faktoren, Illusionen, durch sozioökonomische Strukturen, historische Gegebenheiten, Geschlecht, Nationalität und Welt- anschauung. Innerhalb seiner Grenzen hat jeder Mensch einen individuellen Handlungsspielraum, der umso größer ist, je komplexer die Gesellschaft organisiert ist. (Seite 14) College-Park-Professor: Bezeichnung für Gastpro- fessoren, die vorübergehend an der University of Maryland lehren, in der Regel aber ihre (bezahlte) Haupttätigkeit nicht dort ausüben. (Seite 16) Coltan (Koltan): hauptsächlich in Zentralafrika ab- gebautes Erz, aus dem u. a. das Metall Tantal ge- wonnen wird, das für die Elektronikindustrie wichtig ist. Coltan zählt – neben Zinnerz, Gold und Wolframit – zu den sogenannten „Konfliktmineralien“, mit denen die jahrelangen bewaffneten Konflikte in Zen- tralafrika finanziert wurden. Diese Mineralien dürfen seit 2010 von US-Unternehmen nicht mehr einge- setzt werden. Das Verbot greift allerdings nur schlecht, die Sanktionsmöglichkeiten sind be- schränkt. (Seite 26) Crouch, Colin: britischer Politikwissenschafter und Soziologe, geb. 1944, wurde international bekannt mit seinem Werk „Postdemokratie“, in dem er unter anderem Wahlen mehr als von Wirtschaftsbossen mit Unterstützung von PR-ExpertInnen veranstalte- te Shows denn als echte Willenskundgebung der Bevölkerungsmehrheit bezeichnete. In seinem neu- en Buch „Jenseits des Neoliberalismus. Ein Plädoyer für soziale Gerechtigkeit“ (2013) schreibt Crouch über die Rolle der Sozialdemokratie für Politik, Wirt- schaft und Gesellschaft. (Seite 8) Defensio (Verteidigung): Präsentation der zentralen Ergebnisse einer wissenschaftlichen Arbeit für einen akademischen Abschluss mit anschließender Dis- kussion mit der Prüfungskommission. (Seite 16) Demokratische Republik Kongo: Staat in Zentralaf- rika (1971–1997 Zaire), Hauptstadt Kinshasa; die mehr als 70 Mio. Einwohner lassen sich in rund 200 Ethnien unterteilen. 1997 bis 2002 war der Kongo in den sogenannten Afrikanischen Weltkrieg verwi- ckelt. Vor allem im Osten des Landes dauern Krieg und Terror bis heute an. Nach langjähriger Ausbeu- tung – unter anderem durch die belgischen Koloni- alherren – (Bürger)Kriegen und ständiger Bevölke- rungszunahme zählt die DR Kongo heute zu den ärmsten Ländern der Welt. Gemeinsam mit Niger war die DR Kongo 2013 auf dem letzten Platz im Human Development Index der UNO. (Seite 26) Friedrich Ebert Stiftung: Die FES wurde im Jahr 1925 als politisches Vermächtnis des ersten demo- kratisch gewählten deutschen, sozialdemokra- tischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert gegrün- det. 1933 wurde sie vom NS-Regime verboten, 1947 wiederbegründet und ist heute in über 100 Ländern weltweit aktiv. (Seite 36) Frontex: European Agency for the Management of Operational Coordination at the External Borders of the Member States of the EU, seit 2005 tätige Euro- päische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der Mitgliedsstaaten der Eu- ropäischen Union, Hauptsitz in Warschau. Im Okto- ber 2013 gab Frontex-Direktor Ilkka Laitinen zu, dass Frontex jährlich mehrmals Flüchtlingsboote im Mit- telmeer abgedrängt und Flüchtlinge auch unter Androhung von Gewalt ohne Asylprüfungsverfahren abgeschoben hatte. Die diesen „Push-back-Akti- onen“ zugrunde liegende EU-Verordnung hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte schon 2012 verurteilt und für nichtig erklärt. (Seite 10) Graduate Center of the City University of New York (CUNY): 1961 gegründete staatliche Hochschule in Manhattan. (Seite 16) Household Finance and Consumption Survey: Un- tersuchung der EZB, um Informationen zur Struktur der Vermögensbestandteile und Verbindlichkeiten der Haushalte im Eurowährungsgebiet zu erlangen. Zudem wurden Daten erhoben, um Finanzanlage- und Konsumentscheidungen der Haushalte analy- sieren zu können. Erhoben wurde überwiegend im Jahr 2010 in mehr als 60.000 Haushalten in 15 EU-Staaten. www.hfcs.at (Seite 45) inferior: minderwertig, unterlegen (Seite 13) Johns Hopkins University: Die heutige Elite-Univer- sität in Baltimore war 1876 die erste (private) Hoch- schule in den USA, an der nach dem Vorbild deut- scher Hochschulen Lehre und Forschung vereint waren. (Seite 16) Kollektivismus: Anschauung, die mit Nachdruck den Vorrang des Gemeinwohls vor dem Recht des Einzel- nen betont; kollektive Wirtschaftslenkung mit Ver- gesellschaftung des Privateigentums. (Seite 11) Land Grabbing: Aneignung von Land durch wirt- schaftlich oder politisch mächtige Akteure. Betrof- fen sind riesige Anbauflächen in Ländern des globalen Südens, der ehemaligen Sowjetunion und in osteuropäischen Ländern. Diese werden gekauft oder gepachtet (mitunter auch mit illegitimen oder illegalen Methoden in Besitz genommen), um Nah- rungsmittel oder Pflanzen für Agrartreibstoffe an- zubauen, forstwirtschaftliche Produkte zu erzeugen oder um natürliche Ressourcen auszubeuten. Trotz gegenteiliger Versprechen führt der neue Land- rausch immer wieder zu Zwangsenteignungen, Vertreibungen und Zerstörung kleinbäuerlicher Lebensgrundlagen. Gewaltsame Konflikte um Land und Ressourcen nehmen zu. (Seite 26) Maghreb: Bezeichnung für die nordafrikanische Region, in der sich heute Tunesien, Algerien, Ma- rokko, Libyen und Mauretanien befinden, die durch ihre Geografie und Geschichte viele Gemeinsam- keiten haben. (Seite 27) Matthäus-Effekt: These der Soziologie, nach der Erfolge immer neue Erfolge nach sich ziehen. Der Begriff bezieht sich auf eine Stelle aus dem Matthäusevangelium. (Seite 15) Mikrozensus: statistische Erhebung, bei der pro Quartal 22.500 Haushalte in ganz Österreich be- fragt werden, wobei jeder dieser Haushalte fünf Quartale hindurch in der Stichprobe bleibt. Der Mikrozensus wird von der Statistik Austria in Form persönlicher und telefonischer Interviews durchge- führt. Die Befragten werden per Zufall ausgewählt. Er dient dazu, die Ergebnisse der Volkszählung möglichst effizient zu überprüfen und falls nötig zu korrigieren. (Seite 31) Nostrifizierung (Nostrifikation): offizielle Aner- kennung ausländischer Berufsausbildungen und Prüfungen; auch: Einbürgerung. (Seite 31) Proksch, Anton: österreichischer Gewerkschafter und Politiker (1897–1975), von 1956 bis 1966 Bundesminister für soziale Verwaltung. (Seite 11) Tito: jugoslawischer Politiker (1892–1980), ei- gentlich: Josip Broz, sein Pseudonym nahm er 1934 an, als er als Mitglied des Politbüros der Kommu- nistischen Partei in den Untergrund ging. Im Zwei- ten Weltkrieg führte Tito die kommunistischen Partisanen im Kampf gegen die deutschen und italienischen Besatzer an. Von Kriegsende 1945 bis zu seinem Tod war Tito Staatsoberhaupt Jugosla- wiens. (Seite 17) Vignetten (Vignettes): in der Literatur: impressio- nistische, meist kurze, filmschnittartige Szenen, die auf einen Moment fokussieren oder einen kurzen Eindruck über eine Figur, eine Idee oder einen Ort vermitteln. Diese Vignetten finden sich insbeson- dere bei Theaterstücken und Drehbüchern, aber auch in Erzählungen. (Seite 17)