18 Arbeit&Wirtschaft 7/2014Schwerpunkt N orth Dakota gilt als wenig mar- kanter Bundesstaat der USA. Eine weitläufige Prärieebene an der ka- nadischen Grenze, die sich bis zu den angrenzenden hügeligen „Badlands“ im Westen und dem flachen Red River Valley im Osten erstreckt. Das wohl Auf- sehenerregendste im „Peace Garden State“ ist der Fernsehturm in der Stadt Fargo, der mit seinen 628,8 Metern als drittgröß- tes Bauwerk der Welt gilt. Laut einer Gal- lup-Umfrage hat North Dakota jedoch 2013 Hawaii als Bundesstaat mit den glücklichsten EinwohnerInnen der USA abgelöst. Grund dafür ist der derzeitige Boom, der oft mit dem Klondike-Gold- rausch Ende des 19. Jahrhunderts ver- glichen wird. Unter der Stadt Williston befindet sich nämlich eines der größten Gasvorkommen Nordamerikas: Aus einer Tiefe von drei Kilometern können sich bis zu insgesamt 24 Milliarden Barrel för- dern lassen und somit den US-Bedarf für über drei Jahre decken. Ein großer Teil davon wird durch Fracking erschlossen. Hydraulic Fracturing Energiekonzerne haben eine neue Gasför- dertechnik für sich entdeckt, das soge- nannte „Fracking“ oder Hydraulic Frac- turing. Es ist ein Verfahren, mit dem Erd- gas aus undurchlässigem Gestein gelöst wird. Da es sich bei diesem Gestein um Tongestein handelt, wird das gewonnene Gas daher Schiefergas genannt. Bei diesem Verfahren wird zunächst vertikal rund fünf Kilometer in die Erde gebohrt, um diesen Vorgang horizontal in die Gas führende Gesteinsschicht zu finalisieren. So kann ein Umkreis von mehreren Kilometern abgedeckt wer- den. Anschließend folgt das eigentliche Fracking: In die horizontalen Querboh- rungen wird mit einem enormen Druck von bis zu 1.000 bar das sogenannte Fracfluid – ein Gemisch aus Wasser, Quarzsand oder Keramikkügelchen und diversen Chemikalien – hineingepumpt. Dabei entstehen Risse (fracs) im Reser- voirgestein, die aus dem Gestein Gas entweichen lassen. Die Festkörper und Chemikalien aus der eingepumpten Mi- schung sorgen dafür, dass die entstan- denen Risse offen bleiben und sich aus- weiten und so das Gas an die Oberfläche befördert werden kann. Erdbeben und Giftcocktails Von Beginn an war diese Verfahrenstech- nik schwer umstritten. So kam es in der Nähe von einigen Bohrungen zu kleinen Erdbeben. Zudem steht der Frack-Cock- tail, der unter die Erde gepumpt wird, unter Kritik. Einige Chemikalien werden wieder als sogenannter Flowback an die Erdoberfläche gepumpt, andere bleiben jedoch für immer im Erdboden. Jene Chemikalien, die im Erdboden bleiben, stellen eine Gefahr für die darü- ber liegende Grundwasserschicht dar, da sie selbst nach einigen Monaten oder Jahren über Risse unkontrolliert in was- serführende Schichten eindringen kön- nen. Aber auch jene Chemikalien, die mit dem Flowback an die Erdoberfläche kommen, können gefährlich sein: Sie können nicht nur durch undichte Bohr- lochummantelungen in die Grundwas- serschichten gelangen, sondern auch di- rekt in die umherliegende Landschaft und Landwirtschaftsflächen. Selbst wenn der Flowback kontrolliert wieder an die Erdoberfläche gelangt, bleibt of- fen: Wohin mit dem giftigen Abfall? Die Anzahl der verwendeten Chemi- kalien variiert, je nachdem welche Quel- le herangezogen wird, manchmal ist von einigen Dutzend die Rede, manchmal auch von einigen hundert. Ein Bericht des „Energy & Commerce Committee“ des US-Repräsentantenhauses aus dem Jahr 2011 zählt sogar 750 verschiedene Chemikalien auf.1 Einige davon sind unbedenklich, 29 jedoch sollen giftig oder krebserregend sein. Wie viele und welche genau verwendet werden, bleibt das Geheimnis der Gasunternehmen. Denn diese Mischung unterliegt keiner Publikationspflicht. In Deutschland versuchten Gutachter des Umweltbun- desamtes, die Giftigkeit der verwende- Maja Nizamov Freie Journalistin Die USA geben Gas Fracking wird als vielversprechende Zukunft der Erdgasgewinnung gesehen. Von UmweltschützerInnen wird diese Methode allerdings heftig bekämpft. B U C H T I P P Christiane Habrich-Böcker, Beate Charlotte Kirchner, Peter Weißenberg: Fracking – Die neue Pro- duktions-geografie Springer Gabler Verlag, 2014 Edition 141 Seiten, € 30,80 ISBN: 978-3-658-02177-1 Bestellung: www.besserewelt.at 1 „Chemicals Used in Hydraulic Fracturing“: tinyurl.com/c348mwm