30 Arbeit&Wirtschaft 7/2014Schwerpunkt D as Thema Energie ist in aller Munde. Ob es um hohe Strom- preise, unrentable Gaskraft- werke, die Schaffung von Ener- giereserven oder den Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine geht: Es ver- geht kaum ein Tag, an dem darüber nicht in den Medien, in wissenschaftlichen Fachkreisen oder in der Politik beraten oder gar gestritten wird. Sicherheit der Strom- und Gasver- sorgung bedeutet: Es soll eine mög- lichst sichere, preisgünstige, Verbrau- cherInnen-freundliche, effiziente und umweltverträgliche Versorgung der All- gemeinheit mit Strom und Gas gewähr- leistet werden. Dabei müssen sehr un- terschiedliche Aspekte berücksichtigt werden. So ist eine österreichische En- ergiepolitik sicherlich nicht losgelöst vom europäischen Rahmen denkbar. Auch muss die Frage aufgeworfen wer- den, inwieweit es bei dem derzeit beste- henden Strommarkt bleiben soll oder ob nicht zusätzlich ein neuer Markt für das bloße Bereitstellen von Erzeugungs- kapazitäten geschaffen werden sollte. Sicher und störungsfrei Grundsätzlich gilt, dass die Strom- und Gasversorgung rund um die Uhr nur dann sicher und störungsfrei ist, wenn stets ausreichende und angemessene Ka- pazitäten für die Erzeugung und Vertei- lung zur Verfügung stehen. Eine kurzfris- tig wie langfristig zuverlässige und stabile Strom- und Gasversorgung zeichnet sich durch zwei Elemente aus: Einerseits müs- sen genug wetterunabhängige Kraft- werkskapazitäten zur Verfügung stehen, andererseits braucht es ein leistungsstar- kes und „intelligentes“ Strom- und Gas- netz. Eine sinnvolle Strategie muss zu- dem berücksichtigen, dass konventionel- le Kraftwerke bei der Stabilität des Stromnetzes weiterhin eine wichtige Rol- le spielen können. Diese können nämlich jederzeit zuverlässig und flexibel Strom erzeugen. Was die Sicherheit der Strom- und Gasversorgung betrifft, steht Österreich im internationalen Vergleich gut da. Um die Versorgungssicherheit auch in Zu- kunft gewährleisten und noch weiter stei- gern zu können, wird diese kontinuier- lich von der Energie-Control (E-Control) überwacht. Sie beobachtet das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage nach Strom und Gas auf dem heimischen Markt, die in Planung und Bau befind- lichen Kapazitäten sowie die Maßnah- men zur Abfederung von Nachfragespit- zen, die etwa ein kalter Wintertag auslösen kann. Sie erstellt Prognosen zur Entwicklung der Nachfrage und setzt diese in Verhältnis zum verfügbaren An- gebot an Kraftwerksleistung. Und sie er- hebt die Qualität und Wartung der hei- mischen Strom- und Gasnetze sowie die geplanten Netzausbau- und Modernisie- rungsmaßnahmen in einem regelmäßig aktualisierten Netzentwicklungsplan. Diese Erhebungen zeigen, dass Ös- terreich gut versorgt ist und allfällige, kurzfristig auftretende Stromausfälle vor allem durch das Wetter verursacht werden, sei es Regen, Schnee, Sturm oder Gewitter. Auch langfristig ist der heimische Strom- und Gasmarkt gut aufgestellt: Obwohl zuletzt mehrere unrentable, fossile Kraftwerke stillge- legt wurden, sind in Österreich bis zum Jahr 2025 keine Versorgungsprobleme zu erwarten – eine Einschätzung, die im Übrigen auch von der Vereinigung der europäischen Übertragungsnetzbe- treiber ENTSO-E geteilt wird. Förderung für Kapazitäten? Kapazitätsmärkte: So heißt ein anderes Schlagwort, das vor allem von Energieun- ternehmen vorangetrieben wird. Ihr Wunsch ist es, für die bloße Bereitstellung von Kraftwerksleistung vergütet zu wer- den – und zwar unabhängig davon, ob der Bau eines neuen Kraftwerks überhaupt wirtschaftlich sinnvoll gewesen wäre … Schon seit der Liberalisierung der Strom- märkte in Europa wird darüber diskutiert, ob Stromerzeuger allein durch den Ver- kauf von Strom am Großhandelsmarkt (dem sogenannten Spotmarkt) ihre Inves- titionskosten decken können (wie derzeit in Österreich üblich) oder ob nicht zusätz- liche Zahlungen für die Bereitstellung von Kapazitäten benötigt werden. Eine solche zusätzliche Vergütung würde allerdings einen erheblichen Ein- griff in das derzeit gültige Marktdesign bedeuten und den Markt somit grundle- gend verändern. Vielfach steckt hinter der Forderung lediglich der Wunsch nach Refinanzierung von entstandenen Investitionskosten für unrentable Kraft- werke. Dies ist aus mehreren Gründen abzulehnen: Die faktische Irreversibilität, die Vergütung hätte tendenziell negative Auswirkungen auf Kosten, Investitionen Mit Sicherheit energieversorgt Investitionen in die Energie machen sowohl für KonsumentInnen als auch für die österreichische Wirtschaft Sinn. Martin Graf Vorstand der Energie-Control Austria