32 Arbeit&Wirtschaft 7/2014Schwerpunkt S eit 2008 erhebt die Arbeiterkam- mer die Preisentwicklungen von ausgewählten Strom- und Erdgas- lieferanten und vergleicht die Großhandelspreise mit jenen für Haus- haltskundInnen. In diesem Zeitraum sind die Strompreise im Großhandel um 44 Prozent gesunken, für private Haus- halte jedoch um durchschnittlich 20 Prozent gestiegen. Ein ähnliches Szena- rio zeigt sich bei Erdgas. Energie wird somit immer günstiger und zugleich für KonsumentInnen immer teurer. Warum ist das so? AK-Energieexpertin Dorothea Herzele kritisiert, dass Anbieter Preis- senkungen nur unzureichend und zeit- lich verzögert an die KundInnen weiter- geben. Dafür gibt es zwei Erklärungen: Zum einen stehen sie unter wirtschaft- lichem Druck, ihre Verluste auszuglei- chen. Zum anderen haben Konsumen- tInnen als Einzelpersonen weniger Macht. KonsumentInnen sind dem Markt allerdings nicht willkürlich ausgelie- fert, wie die Aktion „Energiekosten- Stop“ des Vereins für Konsumentin- formation (VKI) beweist. Unter dem Motto „Gemeinsam können wir die günstigen Konditionen eines Groß- kunden bekommen“ hat der VKI Teil- nehmerInnen gebündelt und so einen günstigeren Energietarif ausverhan- delt. Mehr als 260.000 Personen ha- ben an der Aktion teilgenommen. „Die Initiative hat den Wettbewerb unter den Anbietern angekurbelt und die Platzhirsche am Markt, die es sich für immer gemütlich machen wollten, aufgerüttelt“, erzählt Christian Korn- herr vom VKI. Mehr Wettbewerb ist die Zauberformel zahlreicher Energie- expertInnen, mit der faire Preise für KonsumentInnen am Markt erzielt werden können. Daher war es auch Ziel der VKI-Aktion, Energiekun- dInnen zu einem Anbieterwechsel zu motivieren. Während jeder zweite In- dustriekunde seit der Strom- und Gas- liberalisierung vor mehr als zehn Jah- ren den Anbieter gewechselt hat, waren es bei den PrivatkundInnen seither nur 13 Prozent. KonsumentInnen verzich- ten dadurch auf bis zu 100 Euro Er- sparnis im Jahr, bedauert Kornherr. Die Aktion des VKI hat jedenfalls Be- wegung auf den Markt gebracht, weiß Martin Graf, Vorstandsmitglied der E- Control. Nicht nur Vereine wie der VKI können als Großkunde auftreten, auch Privatpersonen können sich zu- sammenschließen, um bessere Tarife zu verhandeln. Den besten Energiepreis finden Um den Anbieter zu wechseln oder sich über günstige Energiepreise zu informie- ren, müssen KonsumentInnen zunächst wissen, welchen Anbieter und welches Produkt sie bisher hatten und wie hoch ihr Strom- und Gasverbrauch ist. Diese Informationen sind auf der Strom- und Gasrechnung ausgewiesen. Über den Ta- rifkalkulator der E-Control kann man sich das beste Angebot je nach persönli- chen Bedürfnissen errechnen. So kann beispielsweise zwischen erneuerbaren und fossilen Energieträgern ausgewählt werden oder zwischen Anbietern mit Preisgarantie oder mit variablen Preisen. Der Tarifkalkulator listet alle Strom- und Gaslieferanten in Österreich auf, deren Angaben durch die E-Control kontrolliert werden. Bei einem Wechsel der Energie- lieferanten bieten Strom- und Gasunter- nehmen meist einmalige Rabatte. „Je häu- figer die Anbieter gewechselt werden, des- to günstiger wird es für KonsumentInnen“, so Kornherr. Wer sich lieber persönlich informiert, kann auf die Energie-Hotline oder auf persönliche Beratungen der E- Control zurückgreifen. Für Martin Graf, Vorstandsmitglied der E-Control, beru- hen viele Ängste auf fehlendem Wissen über Möglichkeiten und Rechte von Kon- sumentInnen. Die Europäische Union hat 2011 die Rechte von Energiekonsu- mentInnen durch EU-Richtlinien massiv gestärkt. Sie haben beispielsweise das Recht, bei Preiserhöhungen den Lieferan- ten zu wechseln oder zu erfahren, aus wel- chen Energieträgern ihr Strom kommt – also aus fossiler, atomarer oder erneu- erbarer Energie. In Österreich werden be- reits 34 Prozent des Stroms aus erneuer- baren Energien gewonnen. Irene Steindl Freie Journalistin Smarte KonsumentInnen Energieverbrauch und Energiekosten privater Haushalte steigen kontinuierlich an. Die Politik dreht nun an vielen Schrauben für mehr Energiebewusstsein. B U C H T I P P Roger Hackstock: Energiewende Die Revolution hat schon begonnen Kremayr und Scheriau, 2014 224 Seiten, € 22,00 ISBN: 978-3-218-00909-6 Bestellung: www.besserewelt.at