Arbeit&Wirtschaft 10/201420 Schwerpunkt Globales Geldverstecken Mit schwer durchschaubaren (legalen) Tricks gelingt es internationalen Konzernen, ihre Steuerleistung über Jahre hinweg im einstelligen Bereich zu halten. M it Luxemburg-Leaks gelangten die steuerschonenden Deals der Konzerne wieder einmal in die Schlagzeilen. Neu sind vielleicht einige Details, doch das Vorgehen an sich ist schon länger bekannt. Der US-Kaf- feeröster Starbucks, der sich gern mit „Global Responsibility“ schmückt, hatte – so meldete das „Handelsblatt“ im No- vember 2012 – in Deutschland seit 2002 keine Ertragssteuern bezahlt. Auch die französischen Filialen schrieben offiziell seit Jahren Verluste. Und das, obwohl die zweitgrößte Kaffee- und Restaurantkette hinter McDonald’s insgesamt durchaus Gewinne machte und die Aktien gestie- gen sind. Wie das geht? Unter anderem über Lizenzgebühren: Die Starbucks- Töchter in Deutschland und Frankreich zahlen an die Europa-Zentrale in den Niederlanden eine Lizenzgebühr (sechs Prozent des Umsatzes). Nach niederlän- dischem Recht können Lizenzgebühren ohne Besteuerung in Drittländer über- wiesen werden, wo sie nicht oder nur ge- ring belastet werden. So weit nur eine der zahlreichen Möglichkeiten zur Steuerop- timierung in großem Stil. Die meisten dieser Modelle sind komplizierter und können nur von Fachleuten nachvollzo- gen werden. Double Irish with a Dutch Sandwich 2012 verzeichnete die Bilanz von Pfizer, des größten Pharmakonzerns der Welt, einen Umsatz von 45 Milliarden Euro und einen Gewinn von neun Milliarden. Die österreichische Tochter erzielte 2011 einen Gewinn von vier Millionen Euro (Umsatz 226 Millionen). Der Gewinnanteil weltweit war also mehr als zehnmal höher als in Öster- reich. Für diesen (bescheidenen) Ge- winn zahlte Pfizer Österreich 121.000 Euro Steuer, das sind drei Prozent! Der offizielle Steuersatz: 25 Prozent. „Wie kommt Pfizer zu einem derart niedrigen Steuersatz? Bei der konkreten Antwort müssen wir wieder passen“, schreiben Klaus Werner-Lobo und Hans Weiss im neuen „Schwarzbuch Markenfirmen“. Dort finden sich zahlreiche Beispiele, wie Konzerne Steuern sparen und Bilan- zen verschönern – in der Regel tatsäch- lich ganz legal. So gibt es etwa die Me- thode „Double Irish With a Dutch Sandwich“. Dabei werden Umsätze und damit Gewinne zwischen zwei irischen und einer niederländischen Tochterfir- ma auf ganz legale Art und Weise so ver- schoben, dass das Finanzamt am Ende durch die Finger schaut. Tricks des „Grünen Riesen“ Auch das vom Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen Mitte des 19. Jahr- hunderts als Genossenschaft gegründete Traditionsunternehmen Raiffeisen liegt diesbezüglich voll im Trend. Der „grüne Riese“ ist als typischer Mischkonzern in unzähligen Geschäftsbereichen aktiv. Die Raiffeisen-Holding Niederösterreich- Wien beispielsweise ist indirekter Haupteigentümer der NÖM. Zum Raiff- eisen-Reich gehören außerdem die größ- te österreichische Versicherung UNIQA, mehrere Reisebüroketten, die Salinen AG, Immobilienfirmen, Wellnesshotels etc. Dazu kommen noch zahlreiche Un- ternehmensbeteiligungen, auch im Me- dienbereich. „Die Auflistung aller Besitz- tümer und Beteiligungen würde ein gan- zes Buch füllen“, so Hans Weiss im „Schwarzbuch Landwirtschaft“. Allein die konsolidierte Bilanzsum- me der Raiffeisen-Bankengruppe Öster- reich beträgt 292 Milliarden Euro (2012). Damit ist sie die größte Banken- gruppe Österreichs. Weiss kritisiert nicht nur, dass die Raiffeisen-Zentral- bank entgegen allen Beteuerungen 2009 eine staatliche Unterstützung von 1,75 Milliarden Euro in Anspruch nahm – mehr als jede andere Bank –, sondern sogar Negativsteuern kassierte. „Unan- gefochtener österreichischer Meister in dieser Disziplin ist die Raiffeisenlandes- bank Niederösterreich-Wien, die es zu- sammengerechnet in den Jahren 2006 bis 2008 schaffte, bei einem Gewinn von 739 Millionen Euro nicht nur kei- nen einzigen Euro Steuer zu zahlen, son- dern vom Staat auch noch eine Gut- Astrid Fadler Freie Journalistin B U C H T I P P Hans Weiss, Klaus Werner-Lobo: Schwarzbuch Markenfirmen Die Welt im Griff der Konzerne Verlag Deuticke, 2014 355 Seiten, € 20,50 ISBN-13: 978-3-5520-6259-7 Bestellung: ÖGB-Fachbuchhandlung, 1010 Wien, Rathausstr. 21, Tel.: (01) 405 49 98-132 fachbuchhandlung@oegbverlag.at