Arbeit&Wirtschaft 10/2014 21Schwerpunkt schrift in der Höhe von 21,6 Mio. Euro einzuheimsen. Aber auch die Raiffeisen- landesbanken Steiermark, Oberöster- reich, Tirol sowie die Raiffeisen-Hol- ding Niederösterreich-Wien verbuchten in manchen Jahren – bei satten Gewin- nen – derartige Zuschüsse vom Finanz- amt.“ 2005 wurde mit der zweiten Etappe der Steuerreform unter Finanzminister Karl-Heinz Grasser die Konzernbesteue- rung modernisiert: Die so entstandene Gruppenbesteuerung ermöglicht den (grenzüberschreitenden) Ausgleich von Gewinnen und Verlusten innerhalb ei- ner Unternehmensgruppe und wurde in Wirtschaftskreisen als europaweit vor- bildlich gelobt. Sie gilt bis heute als wichtige standortpolitische Maßnahme, die Konzernen unter anderem die Ex- pansion nach Zentral- und Osteuropa ermöglichte und Österreich als Head- quarter attraktiv machte. Ursprünglich geplant war, dass die Verluste ausländi- scher Töchter nur so lange in Österreich geltend gemacht werden können, bis die Osttöchter profitabel sind. Später müss- ten die Gewinne nachversteuert werden. Tatsächlich wird es von internationalen Konzernen so gehandhabt, dass die Ge- winne von Tochterfirmen in Ländern mit hohen Steuern möglichst klein ge- schrieben werden, während die Gewin- ne in Ländern mit niedrigen Steuern aufgebläht werden. Problematische Gruppenbesteuerung Im Sommer 2013 kritisierte der Rech- nungshof, dass dem Staat durch die Gruppenbesteuerung jährlich 450 Milli- onen Euro an Einnahmen aus der Kör- perschaftssteuer entgingen und eine Eva- luierung der Effekte der Gruppenbesteu- erung erforderlich wäre. Etwa eine Billion Euro gehen in der EU Jahr für Jahr durch Steuerhinterziehung und Steuerumgehung verloren. Ende 2012 veröffentlichte die Euro- päische Kommission einen Aktionsplan zur Verstärkung der Bekämpfung von Steuerbetrug und Steuerhinterziehung. Darin wurde unter anderem ein europä- isches TIN-Portal (TIN: Taxpayer Iden- tification Number) für Steueridentifika- tionsnummern vorgestellt, das mehr Transparenz ermöglichen soll. Die Kommission setzt auf internationale Zusammenarbeit und richtete entspre- chende Empfehlungen für den Kampf gegen aggressive Steuerplanung (Aus- nützen von Steuerschlupflöchern oder von Unstimmigkeiten zwischen mehre- ren Steuersystemen) an die Mitglieds- staaten. Steuersenkungswettbewerb Würden die im „Schwarzbuch Marken- firmen“ aufgelisteten 50 Konzerne den in Deutschland erwirtschafteten Gewinn auch entsprechend versteuern, dann müssten sie das Sechsfache des Bisherigen bezahlen – mehr als sieben Milliarden Euro! Angesichts von Wirtschaftskrise und (drohenden) Absiedlungen in Billig- lohnländer waren viele Staaten bemüht, für Unternehmen möglichst angenehme Bedingungen zu schaffen. Auf diese Weise entstand ein intensi- ver Steuersenkungswettlauf, der im Prinzip nicht viel geändert hat. Denn trotzdem gilt nach wie vor: „Die Kon- zerne wissen genau, dass sie am längeren Ast sitzen und Regierungen sich nicht trauen, die Steuerschraube anzuziehen. Es genügt die Drohung, Betriebe und damit Arbeitsplätze aus Deutschland oder jedem beliebigen Land abzusie- deln“, bringen es Werner-Lobo und Weiss auf den Punkt. Regulierung Hier kann nur internationale Koordina- tion zur Regulierung der Finanzmärkte und Steueroasen, die über den EU-Raum hinausgeht, wirklich Abhilfe schaffen. In „Wo der Wohlstand der Nationen versteckt wird“ plädiert der französische Ökonom Gabriel Zucman etwa für eine globale Besteuerung mit Sanktionsmög- lichkeiten und einem weltweiten Fi- nanzkataster unter Leitung des IWF. Angesichts der Tatsache, dass etwa die OECD schon 1998 Maßnahmen gegen den schädlichen und verzerrenden Ef- fekt des internationalen Steuerwettbe- werbs erarbeitet hat, sollte man sich diesbezüglich allerdings mit Geduld wappnen. Internet: Weitere Infos finden Sie unter: markenfirmen.com Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin a.fadler@aon.at oder die Redaktion aw@oegb.at © Ö GB -V er la g/ M ic ha el M az oh l Nur mit internationaler Koordination, die über den EU-Raum hinausgeht, kann man gegen die Steuer- tricks großer Konzerne wirklich angehen.