Arbeit&Wirtschaft 10/201446 Man kann nicht alles wissen BEPS-Initiative: Anfang 2013 hat die OECD erstmals Untersuchungsergebnisse zu Ausmaß und Funkti- onsweise von Gewinnverlagerung ausgearbeitet und veröffentlicht. Besonders im Fokus standen multi- nationale Konzerne der Digital Economy wie Google, Amazon, Apple oder Microsoft. Kurz darauf wurde der Aktionsplan gegen Gewinnkürzungen und Gewinn- verlagerungen (BEPS = Base Erosion and Profit Shifting) multinational tätiger Unternehmen verab- schiedet. Mit dessen 15 Maßnahmen soll durch globale Zusammenarbeit die aggressive Steuerpla- nung multinationaler Konzerne verhindert werden, aber die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben. www.oecd.org/ctp/beps.htm (Seite 14) Bitcoins: virtuelles Zahlungsmittel (auch: Kryp- towährung), mit dem direkte Überweisungen über das Internet ohne zentrale Abwicklungsstelle mög- lich sind. Die Guthaben der Teilnehmer werden in persönlichen digitalen Brieftaschen gespeichert. Der Marktwert von Bitcoins ergibt sich aufgrund von Angebot und Nachfrage und ändert sich rascher und deutlicher als bei üblichen Devisen. (Seite 10) Derivate: von Wertpapieren abgeleitete Finanzpro- dukte wie beispielsweise Optionen und Terminge- schäfte. (Seite 18) Fiskalpakt: auch Vertrag über Stabilität, Koordinie- rung und Steuerung in der Wirtschafts- und Wäh- rungsunion (SKS-Vertrag). 2011 einigten sich die Länder der Eurozone auf Obergrenzen für die Staats- verschuldung (= Schuldenbremse) und Strafen für jene Länder, die diese Grenzen missachten. Auch die meisten Nicht-Euro-Länder erklärten sich einver- standen. Geplant war ursprünglich, den Fiskalpakt durch eine Änderung des EU-Vertrags von Lissabon durchzusetzen, was am Veto von Großbritannien scheiterte. Daher trat der Fiskalpakt in Form eines zwischenstaatlichen Vertrages Anfang 2013 in Kraft. Der Europäische Fiskalpakt sollte ein weiterer Schritt zur Fiskalunion mit gemeinsamem Budget, gemein- samer Steuerpolitik etc. der Eurozone sein. Tatsäch- lich ist es vielen Ländern angesichts der herrschen- den Rezession nicht möglich, die Staatsverschul- dung wie vereinbart zu reduzieren. So haben etwa Italien und Frankreich beschlossen, den Fiskalpakt zu ignorieren. (Seite 44) Friedman, Milton: US-amerikanischer Ökonom (1912–2006), der wichtige Arbeiten zu den Themen Mikro- und Makroökonomie, Statistik und Wirt- schaftsgeschichte verfasste (Kapitalismus und Freiheit, Die Rolle der Geldpolitik etc.), Vertreter des ökonomischen Liberalismus. Er erhielt 1976 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, u. a. auch für seine Demonstration der Komplexität der Stabilitätspolitik. (Seite 15) Hedgefonds: Ihrem Namen nach (hedge = absi- chern) versuchen diese Fonds, Investitionen gegen Risiken wie Kurseinbrüche oder Wechselkurs- schwankungen abzusichern. Tatsächlich bieten Hedgefonds wenig Sicherheit, sondern streben da- nach, durch spekulative Geschäfte unabhängig vom Marktumfeld kurzfristig möglichst hohe Erträge zu erwirtschaften. Die Fonds verkaufen beispielsweise Aktien, die sie gar nicht besitzen (Leerverkäufe). Diese leihen sie sich gegen eine Gebühr von Banken oder Pensionsfonds aus. Die Manager der Hedge- fonds hoffen auf fallende Kurse, um die Titel dann billiger wieder zurückkaufen zu können – was natür- lich nicht immer funktioniert. (Seite 12) Koch Industries: US-amerikanisches Industrie- Konglomerat mit rund 115 Mrd. Dollar Jahresumsatz unter der Leitung von Charles und David Koch. Die Brüder verdanken ihren Reichtum einer Erfindung ihres Vaters zum thermischen Rohöl-Cracking, sie gelten als hartnäckige Leugner des Klimawandels und sind wichtige Finanziers der ultrarechten Tea Party. (Seite 22) Oxfam: Oxford Committee for Famine Relief, 1942 ursprünglich zur Linderung der Hungersnot der grie- chischen Bevölkerung während der deutschen Be- satzung gegründet, kämpft die unabhängige Hilfs- und Entwicklungsorganisation heute international gegen Armut und Ungerechtigkeit. (Seite 22) Patentbox: Mehrere europäische Staaten gewähren derzeit ermäßigte Steuersätze auf Erträge aus Pa- tenten und anderen Formen zum Schutz des geisti- gen Eigentums. Mit diesen sogenannten Patent- oder IP-Boxen (IP = Intellectual Property) wird nicht nur die Forschungstätigkeit gefördert, die dadurch an- gelockten multinationalen Konzerne benützen sie auch zur Steuervermeidung. EU und OECD wollen die Nutzung von Patent- oder Lizenzboxen zur Ge- währung von Steuererleichterungen einschränken. (Seite 15) Pendlereuro: Bei Anspruch auf ein Pendlerpauscha- le steht ArbeitnehmerInnen seit Jänner 2013 auch ein Pendlereuro zu. Er wird einmal jährlich von der Steuer abgezogen und wird berechnet, indem man die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstät- te mit zwei multipliziert. (Seite 39) Reverse Charge: Umkehr der Steuerschuld, das bedeutet, dass nicht der Leistungserbringer, sondern der Leistungsempfänger Umsatzsteuer bezahlen muss, z. B. wenn ein österreichischer Unternehmer die Dienstleistung eines ausländischen Unterneh- mers in Anspruch nimmt. (Seite 17) Schule von Chicago: in der Ökonomie: An der Uni- versität von Chicago im 20. Jahrhundert entstan- denes ökonomisches Programm, nach dem sich je- des wirtschaftliche Verhalten mit der neoklassischen Preistheorie erklären lässt und freie Märkte als das beste Mittel zur Einkommensverteilung gelten. Als bekanntester Vertreter der Chicagoer Schule gilt Milton Friedman. (Seite 44) Šemeta, Algirdas: litauischer Ökonom und Politiker, geb. 1962, seit 2010 EU-Kommissar für Steuern und Zollunion, Audit und Betrugsbekämpfung. (Seite 18) Smith, Adam: schottischer Moralphilosoph und Auf- klärer (1723–1790), gilt als Begründer der klas- sischen Volkswirtschaftslehre. In seinen Werken befasste er sich mit Arbeitsteilung, dem freien Markt, der Außenhandelstheorie und der Rolle des Staates. Smith sah den gesellschaftlichen Wohlstand in einem System der natürlichen Freiheit am besten verwirklicht. Er ging davon aus, dass durch die Ver- folgung privater Interessen öffentliche Interessen oft am besten erfüllt würden. Der Staat solle nur Rah- menbedingungen schaffen und habe nur wenige zentrale Aufgaben wie etwa die Landesverteidigung, Schulen, Transportwesen u. Ä. (Seite 32) Starbucks Corp.: Im April 1971 eröffneten drei Stu- dienfreunde aus San Francisco im alten Hafen von Seattle das Kaffee-, Tee- und Gewürzgeschäft „Star- bucks Coffee, Tea and Spice“. Der Name war eine Anlehnung an den Steuermann Starbuck aus dem Roman „Moby Dick“. 1982 übernahm Howard Schultz bei Starbucks die Leitung des Einzelhandels und der Vermarktung. 1989 hatte Schultz die Anzahl seiner Filialen auf 55 verfünffacht, 1992 wurde das Unter- nehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Bis 2004 entstanden weltweit mehr als 7.000 Stand- orte. 2008 ließ Schultz wegen Umsatzeinbußen und Kundenrückgang 600 Filialen schließen, rund 12.000 Teil- und Vollzeitarbeitsplätze wurden abge- baut. Die Aktienkurse haben sich mittlerweile mehr als erholt und 2013 betrug der Umsatz (offiziell) 14,9 Mrd. Dollar. (Seite 20) Tea Party: rechtspopulistische und konservative US- amerikanische Protestbewegung, die mit dem Slo- gan „I want my country back“ unter anderem gegen Obamas Gesundheitspolitik sowie den angeblich wachsenden Einfluss von Hispanics und Afroameri- kanerInnen kämpft. Eine der bekanntesten Aktivis- tInnen ist Sarah Palin, die 2008 bei den Präsident- schaftswahlen hinter dem republikanischen Kandi- daten John McCain als Vizepräsidentin kandidierte. Der Name der Bewegung bezieht sich auf die Boston Tea Party von 1773, wo symbolisch als Indianer ver- kleidete Bostoner als Akt des Widerstandes gegen die britische Kolonialpolitik Teelieferungen der bri- tischen East India Tea Company ins Meer warfen. (Seite 22) Thomas von Aquin: italienischer Philosoph und The- ologe (1225–1274); betrachtete Theologie als streng rationale Wissenschaft, einer der Hauptvertreter der Scholastik, die sich ab dem Hochmittelalter entwi- ckelte und lange Zeit in Universitäten die einzige wissenschaftlich akzeptierte Vorgehensweise war. Sie war eine Weiterentwicklung der antiken Dialektik, der Lehre vom wissenschaftlich korrekten Diskutie- ren. Thomas hinterließ ein umfangreiches Werk und wird in der römisch-katholischen Kirche als Heiliger verehrt. (Seite 32) Transferpreis: Preis, der der Bewertung von grenz- überschreitenden Lieferungen und Leistungen zwi- schen Konzerngesellschaften dient. (Seite 17) Wohnbauförderungsbeitrag: ist je zur Hälfte vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer zu entrichten und beträgt ein Prozent der Beitragsgrundlage. (Seite 34)