Arbeit&Wirtschaft 1/201544 Frisch gebloggt Der A&W-Blog ergänzt die Print ausgabe als digitales Debattenforum. Frisch ge- bloggt gibt einen Einblick, was in letzter Zeit online los war. In voller Länge finden Sie diese sowie jede Menge anderer aktueller Debattenbeiträge zum Nachlesen auf blog.arbeit-wirtschaft.at. WEBTIPPS DER WOCHE Wir legen euch diese drei Beiträge beson- ders ans Herz: » Die Wiedergeburt der Ein-Promille- Gesellschaft (Matthias Schnetzer) » Kapitaldeckung als Pensionssackgasse (Norbert Blüm) » Herausforderungen 2015 (Markus Marterbauer) WIEDERGEBURT DER EIN-PROMILLE-GESELLSCHAFT Vergesst das reichste Prozent, argumentiert der Ökonom Matthias Schnetzer. Denn tatsächlich sind es die reichsten 0,1 Prozent der Bevölkerung, die den Rest rasant ab- hängen. Damit nähert sich die Ungleichheit jener Ein-Promille-Gesellschaft an, wie sie zu Anfang des 20. Jahrhunderts bestand. 1910 erzielte das reichste Promille der Wie- ner Bevölkerung 12 Prozent der Einkom- men. Heute steht die Gesellschaft vor einer ähnlichen Spreizung der Vermögensvertei- lung. So zeigt die aktuelle Vermögenserhe- bung der ÖNB: Das reichste Prozent luk- riert etwa 37 Prozent allen privaten Vermö- gens und 52 Prozent aller Kapitaleinkom- men. Derweil kämpft die breite Masse mit den Folgen der Krise, und die Mittel für notwendige Ausgaben im Pflege- und Ge- sundheitsbereich fehlen. Die Analyse der Zahlen führt Schnetzer zu dem Schluss, dass eine Entlastung der Arbeitseinkom- men, gegenfinanziert durch Steuern auf große Vermögen und Erbschaften, das Ge- bot der Stunde ist, wenn wir nicht zurück zum Anfang des 20. Jahrhunderts wollen. Lesen Sie mehr: tinyurl.com/mkaugjy KAPITALDECKUNG ALS PENSIONSSACKGASSE Auch in der Politik bestehe die Gefahr, dass man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, schreibt der ehemalige deutsche Sozialminister Norbert Blüm (CDU). Der Lobbyismus für ein kapitalgedecktes Pen- sionssystem, das in Deutschland zur Ein- führung der sogenannten „Riester-Rente“ geführt hat, sei nun auch in Österreich verstärkt aktiv. Fehler sollte man allerdings nicht wiederholen: Das Umlagesystem er- mögliche höhere Pensionen und/oder nied- rigere Beiträge für die Versicherten, ein privates System erhöhe vor allem die Ge- winne der Versicherer. Weltweit brechen Privatsysteme wie Kartenhäuser zusam- men, weil sich deren Versprechen als unre- alistisch erweisen und sie zu sehr von der Flatterhaftigkeit der Finanzmärkte abhän- gen. Zudem hätten sie keine ausreichende Antwort auf das Risiko von Arbeitslosig- keit, Erwerbsunfähigkeit oder Krankheit und keinen Sinn für Familie. Denn es feh- le der Mechanismus des Solidarausgleiches. Am Ende komme man nicht darum herum, dass die Beschäftigungslage entscheidend für die Sicherheit der Renten ist und auch viel wichtiger als die demografische Ent- wicklung: „Die Chancen der Arbeit ent- scheiden die Chancen der Alterssicherung, das ist die einfache Wahrheit, die dem Ren- tensystem zugrunde liegt.“ Lesen Sie mehr: tinyurl.com/nsh2r7e SPARPOLITIK BEENDEN, ARBEITSLOSIGKEIT SENKEN Die Konjunktur leidet in ganz Europa un- ter den Sparbemühungen der öffentlichen Hand und dem anhaltend labilen Finanz- system, was sich in schwacher Konsum- und Investitionsnachfrage äußert. Das droht in eine gefährliche Deflationsspirale zu führen, schreibt Markus Marterbauer. Unter den gegenwärtigen Rahmenbedin- gungen ist ein nachhaltiger Aufschwung nicht denkbar und die Arbeitslosigkeit steigt weiter. Die geltenden EU-Budgetre- geln verschlimmern die Situation noch, weil sie die Politik systematisch zum fal- schen Handeln drängen und zu weiterem Sparen in der Krise führen. Für Österreich sei nun vor allem wichtig, dass die Regie- rung nicht den Fehler macht, wegen der Abwärtsrevision der Prognose ein neues Sparpaket zu schnüren. Dies würde die Konjunktur zusätzlich bremsen und zu ei- nem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit führen. Zweitens sollte Österreich endlich eine Kehrtwende in seiner Position im Rat der FinanzministerInnen vollziehen: Die Regierung unterstützt bislang alle harten Sparauflagen für Länder mit zu hohem Budgetdefizit und Massenarbeitslosigkeit. Dagegen gelte es im gemeinsamen Interes- se einer Stabilisierung der europäischen Wirtschaft besonders jenen Ländern bei- zustehen, denen wegen der schlechteren Wirtschaftslage verschärfter Spardruck der Kommission droht. Die wichtigste unmit- telbare Herausforderung bildet auch bei uns die Rekordarbeitslosigkeit. Hier heißt es handeln: Zusätzliche Ausbildungs- und Beschäftigungsmaßnahmen für Jugend- liche, Umschichtung öffentlicher Ausga- ben zugunsten beschäftigungsintensiver Dienstleistungen wie zum Beispiel Bil- dung, Pflege oder Sozialarbeit und Erhö- hung der öffentlichen Investitionen für sozialen Wohnbau, öffentlichen Verkehr, Breitband- und Energienetze. Nur so kön- ne der Konjunktur der dringend notwen- dige Impuls gegeben werden. Lesen Sie mehr: tinyurl.com/lm9pyw8 Wenn Ihnen ein Blogbeitrag gefällt, belohnen Sie uns und die Autorinnen und Autoren doch damit, dass Sie den Beitrag per Facebook, Twitter, E-Mail oder – ganz klassisch – per Mundpropaganda an interessierte Menschen weitergeben! Wir freuen uns, wenn Sie uns abonnieren: blog.arbeit-wirtschaft.at Sie finden uns auch auf Facebook: facebook.com/arbeit.wirtschaft