Arbeit&Wirtschaft 10/201542 Schwerpunkt D ie Hoizhittn GmbH ist ein kleines, aber feines Unternehmen. Im Frühsommer 2015 beschließt es allerdings, seinen Standort in Retz im Waldviertel zu schließen. Die Hoizhittn GmbH gehört eigentlich zum internationalen Konzern Wutpecka AG, und der Standort im Waldviertel schrieb durchwegs schwarze Zahlen. Noch bevor jedoch die schlechten Nachrichten an die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kom- muniziert werden konnten, platzt die Personalchefin in das Büro des Geschäfts- führers Peter Hamlich und konfrontiert ihn mit den Schließungsgerüchten, die bereits im Betrieb kursierten. Hamlich, der das Klischee eines profitorientierten Unternehmers erfüllt – hervorragende Ausbildung an renommierten Universi- täten, aber kein Funken Empathie im Leib –, spielt die Situation herunter, schließlich würde ja nichts so heiß ge- gessen, wie es gekocht wird, und bittet zu einem Gespräch mit dem Betriebsrat, bei dem die Personalchefin ihn unter- stützen soll … Falls Sie sich gerade wundern, was Sie da lesen, und bevor Sie noch Google nach der Hoizhittn GmbH befragen, weil Sie von dieser noch nie etwas ge- hört und gelesen haben: Die Hoizhittn GmbH exisitiert ebensowenig wie deren Mutterkonzern Wutpecka AG. Es han- delt sich um fiktive Unternehmen und Personen, die diesen Herbst trotzdem eine große Rolle spielten – und zwar an der Sozialakademie Wien. Zusammenhänge erkennen Die Aufgabe der Sozialakademie ist es, ihren TeilnehmerInnen jene Fähigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln, die für ei- ne kompetente und effiziente Vertretung von den Interessen der ArbeitnehmerIn- nen auf betrieblicher und überbetriebli- cher Ebene erforderlich sind. Die Sozial- akademie dient als höchste Stufe der ge- werkschaftlichen Bildung der Ausbildung von Führungskräften der Arbeitneh- merInnen-Interessenvertretungen. Absolventen und Absolventinnen der SOZAK finden sich in der Rolle ei- ner Schnittstelle und eines Übersetzers/ einer Übersetzerin wieder. In der Sozial- akademie lernen und vertiefen sie ihr Wissen über die verschiedensten The- mengebiete, die BelegschaftsvertreterIn- nen kennen müssen: Arbeitsrecht, Be- triebswirtschaftslehre, Kommunikation und der Umgang mit Medien, aber auch Krisen management. Die Herausforde- rung ist es jedoch, die komplexen Zu- sammenhänge zwischen den einzelnen The mengebieten zu verstehen, anzu- wenden und vor allem auch kommuni- zieren zu können. Um den TeilnehmerInnen einen „Vorgeschmack“ auf ihre künftigen He- rausforderungen zu geben und ihre Fer- tigkeiten zu trainieren, schufen Brigitte Daumen und Georg Sever von der SOZAK-Lehrgangsleitung ein eigenes Modul, den sogenannten SOZAK-Pra- xisfall. Dieser findet am Ende des Lehr- gangs statt, in einer Woche sind die Teil- nehmerInnen herausgefordert, ihr er- worbenes Wissen laufend und oft spon- tan abzurufen und im Rahmen der Übung korrekt anzuwenden. „Die Sozi- alakademie ist quasi ein Versuchslabor, in dem die Teilnehmerinnen Hand- lungsweisen austesten und trainieren können, damit sie diese dann im echten Versuchslabor SOZAK Für ein Worst-Case-Szenario können BetriebsrätInnen nie gut genug vorbereitet sein. Aber sie können es durchspielen, um auch selbst daran zu wachsen. Maja Nizamov Freie Journalistin Neues aus der SOZAK © Ö GB -V er la g/ M ic ha el M az oh l