Arbeit&Wirtschaft 3/201526 Schwerpunkt S ieben Tage die Woche auf dem Hof arbeiten, ungefähr bis 20 Uhr abends. Wenn es notwendig ist, auch nachts. Nur jeden zweiten Samstag- oder Sonntagnachmittag frei haben zum Ausruhen. Der Lohn: in einem guten Monat 700 bis 750 Euro, und zwar bar auf die Hand“: Ein Ernte- helfer aus Rumänien berichtete vergan- genes Jahr über die Zustände bei seinem Arbeitgeber in Tirol. Jahrelang beteuerte der Hofbesitzer, dass der Lohn ordnungs- gemäß bezahlt wurde und ihm nicht mehr zusteht. Erst als er sich überreden ließ, sich bei der Gewerkschaft zu infor- mieren, erfuhr er, was sein Chef ihm und seinem Bruder vorenthalten hatte: Über die Jahre hinweg kamen ganze 57.000 Euro zusammen. Fragwürdige Arbeitsbedingungen ZuwanderInnen haben viel schlechtere Berufschancen als Menschen ohne Mig- rationshintergrund: Das bestätigen zahl- reiche Studien. Das Beispiel des Ernt- ehelfers zeigt aber auch deutlich, dass ZuwanderInnen oft mit sehr fragwürdi- gen Arbeitsbedingungen zu kämpfen ha- ben, weil sie nicht ausreichend über ihre Rechte und Pflichten hierzulande infor- miert sind. Um diesem Trend entgegen- zuwirken, bietet der ÖGB seit vielen Jahren Beratungen in verschiedenen Sprachen an. In den Grenzregionen zu Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Slowenien gab es zudem Kooperationen bei Beratungen, Schulungen und Ge- werkschaftsarbeit. Diese Projekte sind und waren auch jeweils zweisprachig. Es passiert auch immer wieder, dass Perso- nen aus terminlichen Gründen nicht an einer Informationsveranstaltung teilneh- men oder zur Beratung gehen können, sich aber nichtsdestotrotz informieren wollen. Der ÖGB versucht auch hier zu helfen und legt immer wieder Informa- tionsmaterial mehrsprachig auf. Eine Broschüre zur EU-Arbeitsmarkt öffnung 2011 erschien zum Beispiel in sechs Spra- chen. Weiters wurden innerhalb des ÖGB mit der Plattform work@migrati- on und dem Kompetenzzentrum Migra- tion im ÖGB Oberösterreich spezielle Interessengruppen gegründet. Bosanski, Hrvatski, Türk … „Es ist nicht immer leicht, mit der öster- reichischen Gesetzeslage zurechtzukom- men. Vor allem dann nicht, wenn die notwendigen Deutschkenntnisse fehlen. Wir wollen helfen, diese Barrieren bei der Bewältigung des Arbeitsalltags durch muttersprachliche Beratung zu überbrü- cken“, sagt Zdravko Spajic, seit über 40 Jahren ÖGB-Berater in den Sprachen Bosnisch, Kroatisch und Serbisch. Dass es die Möglichkeit gibt, sich im ÖGB in der eigenen Muttersprache beraten zu lassen, hat sich in der Community schnell herumgesprochen. Immer wieder kon- taktieren ArbeitnehmerInnen Spajic, weil sie Briefe und in Amtsdeutsch for- mulierte Schreiben nicht verstehen. Der Dolmetscher übersetzt diese, gibt Erstauskünfte im Arbeits- und Sozialbe- reich, bei größeren Ungereimtheiten ver- mittelt er weiter zu ExpertInnen im Haus. Neben den drei Sprachen wird in Wien die Beratung auch auf Türkisch und Kurdisch, Tschechisch und Slowa- kisch angeboten. Vor einigen Jahren ha- ben auch die Landesorganisationen Ti- rol, Oberösterreich und Vorarlberg die muttersprachliche Beratung in ihre An- gebotspalette aufgenommen. Die Tiroler ArbeitnehmerInnen etwa können sich auf Türkisch, Spanisch, Englisch, Ser- bisch, Kroatisch und Bosnisch beraten lassen. „Die Beratungen zu den Themen Arbeits- und Sozialrecht, Bildung, Fami- lie, Aufenthaltsrecht, Jugend und Woh- nen sollen die ArbeitnehmerInnen, die zugewandert sind, über ihre Rechte und Pflichten informieren, und Missver- ständnisse, die oft durch sprachliche De- fizite entstehen, sollen beseitigt werden“, sagt Daniela Meichtry, MigrantInnen- sprecherin des ÖGB Tirol. Der ÖGB Oberösterreich ging sogar einen Schritt weiter: Zusätzlich zur muttersprachlichen Beratung wurde ein eigenes Gremium für Menschen mit Migrationshintergrund eingerichtet: das Kompetenzforum Migration. Be- triebsrätInnen mit ausländischen Wur- zeln kümmern sich um die speziellen Probleme von MigrantInnen im Ar- beitsleben. Das Kompetenzforum Mig- ration veranstaltet immer wieder diver se Veranstaltungen wie Fußballturniere, um das Miteinander der Menschen aus verschiedenen Kulturen zu fördern. Ein Projekt zieht Bilanz Mit 2011 liefen die Übergangsbestim- mungen für die neuen EU-Länder (Tschechien, Slowakei, Slowenien, Un- Amela Muratovic ÖGB Kommunikation (Sprach-)Barrieren abbauen Ob Bezahlung, Arbeitszeit oder Aufstiegschancen: MigrantInnen haben es am Arbeitsmarkt schwer. Der ÖGB unterstützt mit verschiedensten Angeboten.