28 Arbeit&Wirtschaft 3/2015 Schon Ende der 1940er-Jahre war es ein An- liegen der Gewerkschaftsjugend, die Mitbe- stimmung junger ArbeitnehmerInnen an ih- rem Arbeitsplatz gesetzlich zu verankern. Doch damit stie� sie jahrzehntelang auf Wi- derstand. �Jugendvertrauensm�nner� konn- ten nur gew�hlt werden, wenn der Betrieb die Einwilligung gab. Das war dementspre- chend selten der Fall, denn besonders in den Nachkriegsjahren war die �sterreichische Gesellschaft autorit�r strukturiert � das elterliche Z�chtigungsrecht etwa wurde erst Mitte der 1970er-Jahre abgeschafft. Autorit�re Verh�ltnisse gab es auch an Ar- beitsst�tten. Die �g�sunde Watschn� wurde schon einmal vom �Lehrherrn� ausgeteilt, die MitarbeiterInnen h�ufig einem milit�- rischen Drill ausgesetzt. Lehrlinge im Wiener Hotel Imperial mussten jeden Tag zur Sau- berkeitskontrolle antreten und ihre hoffent- lich reinen Fingern�gel und H�nde pr�sen- tieren. Allgemein herrschte die Einstellung: �Der Lehrling ist zur Arbeitsamkeit, Ordnung, Ehrlichkeit und zum anst�ndigen Betragen anzuhalten und hat sich der betrieblichen Ordnung zu f�gen.� Mitbestimmung endlich im Gesetz Die Zeiten �nderten sich nur langsam, erst mit der absoluten Mehrheit der SP� (1971) war f�r die Lehrlinge endlich mehr m�glich. 1971/72 wurde die �Aktion M wie Mitbestim- mung� von der �GJ ins Leben gerufen. Mehr als 50.000 Unterschriften wurden in Betrie- ben, aber auch auf der Stra�e f�r dieses Recht auf Mitbestimmung gesammelt � mit Erfolg: Das Jugendvertrauensr�tegesetz wurde schlie�lich im Parlament verabschiedet und trat mit 1. J�nner 1973 in Kraft. Ab nun sollte ein guter Jugendvertrauensrat oder eine gute Jugendvertrauensr�tin Lehr- linge und alle anderen jugendlichen Arbeit- nehmerInnen vertreten. Er/Sie k�mmert sich um die Arbeitsbedingungen im Betrieb, un- terst�tzt bei Freizeitangeboten. Oder wie es das Gesetz ausdr�ckt: �Der Jugendvertrau- ensrat ist berufen, die wirtschaftlichen, sozi- alen, gesundheitlichen und kulturellen Inte- ressen der jugendlichen Arbeitnehme rInnen des Betriebes wahrzunehmen.� Die �Aktion M wie Mitbestimmung� diente auch bei sp�teren Kampagnen als Vorbild. Mit der Online-Kam- pagne �The Big Jay� wurde etwa 30 Jahre sp�- ter versucht, Jugendliche f�r die Position des Jugendvertrauensrats zu begeistern. Ausweitung der Rechte Auch das Gesetz wurde regelm��ig adaptiert, vor Kurzem durch die Erweiterung des Begriffs �jugendliche ArbeitnehmerInnen�: Vor 2011 galt dies f�r ArbeitnehmerInnen bis zum 18. Lebensjahr, nun geh�ren auch alle Lehr- linge bis zum 21. Lebensjahr dazu. Sie k�nnen jetzt auch den JVR w�hlen. Das passive Wahl- alter erh�hte sich sogar auf die Vollendung des 23. Lebensjahres. Inzwischen ist es �b- lich, dass relativ viele Menschen nach der Matura oder nach dem Abbruch einer weiter- f�hrenden Schule in die Lehre einsteigen. Seit Kurzem k�nnen auch in �berbetriebli- chen Ausbildungseinrichtungen Jugendver- trauensr�tInnen gew�hlt werden. �berbetriebliche Einrichtungen wie �Jugend am Werk� oder das bfi bilden immer mehr Lehrlinge aus, denn die Zahl der Unterneh- men, die Lehrstellen anbieten, ist gering. Ei- nerseits ist dieses Faktum durch den Wandel der Wirtschaftsstruktur begr�ndet. Anderer- seits sind viele Firmen nicht mehr bereit, die Kosten f�r die Ausbildung eines jungen Men- schen zu tragen, was sie aber �offiziell� sel- ten zugeben. Vielmehr wird gemosert, dass es keine geeigneten und qualifizierten Ju- gendlichen f�r die Lehrlingsausbildung gibt � sie k�nnten nicht schreiben, nicht lesen und w�rden nur mit ihrem Handy spielen. Weniger Ausbildungspl�tze als fr�her Fakt ist: Fr�her wurden weit mehr Lehrlinge in Betrieben ausgebildet. Im Jahr 1980 war die Zahl der betrieblichen Lehrstellen in �s- terreich um 70.000 h�her als heute. Die �GJ macht seit Jahren auf diese L�cke aufmerk- Das Gscher um die Lehr� In 70 Jahren erk�mpfte sich die Gewerkschaftsjugend viele Rechte, doch manche Gemeinheit kommt in abgewandelter Form immer wieder. Christian Resei Freier Journalist Schwerpunkt B U C H T I P P Wilhelm Toth: Die sind ja organisiert! Die �sterreichische Gewerkschaftsjugend 1945�2000. Ein �berblick. �GB-Verlag, 66 Seiten, 2001, � 18,80 ISBN: 3-7035-0883-3 Bestellung: www.arbeit-recht-soziales.at Wilhelm Toth: Zuh�ren. Probleme sammeln. Mund aufmachen. Geschichte(n) des Jugendvertrauensrates 1947�1973�2003, 2003 Nachzulesen unter: tinyurl.com/klkkbn3