Arbeit&Wirtschaft 3/2015 31Schwerpunkt falsch eingestuft. Während rund 50 Pro- zent der Männer ihr Gehalt beim Ein- tritt mit dem Dienstgeber verhandelt hatten, waren es bei den Frauen nur circa 25 Prozent. 2014 befragten AK und ÖGB Be- triebsrätInnen zu ihren Erfahrungen mit Einkommensberichten. In jeweils einem Drittel der Fälle wurden Frauen entwe- der schlechter eingestuft oder in der glei- chen Entlohnungsstufe schlechter ent- lohnt. Viele BetriebsrätInnen wünschten sich zusätzliche Informationen, etwa über die Aufgliederung der Gehalts- bestandteile. Erfreulich ist, dass sich in 23 Prozent der Fälle die Arbeitgeber jetzt stärker mit der Einkommensschere aus- einandersetzen, in fast 21 Prozent be- steht außerdem die Bereitschaft zu Maß- nahmen wie Schulungen, besserer Vereinbarkeit und Frauenförderplänen. Für Ingrid Moritz, Leiterin der Frauen- abteilung der AK Wien, reicht es nicht aus, Einkommensunterschiede bloß festzustellen: „Wir brauchen einen ver- pflichtenden Maßnahmenplan zum Ab- bau von Einkommensunterschieden.“ Wunschzettel für 2050 Zum ÖGB-Jubiläum fragte Arbeit& Wirtschaft die ÖGB-Bundesfrauensekre- tärin Isabella Guzi, welche Veränderun- gen sie sich bis zum Jahr 2050 wünscht. Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit ist auch für sie ein wichtiges Anliegen. „Dass HTL-AbsolventInnen deutlich mehr verdienen als Kindergartenpädago- gInnen, ist nicht gerecht. Sind techni- sches Know-how und die Arbeit mit Ma- schinen tatsächlich mehr wert als die Ar- beit mit Menschen?“ Außerdem auf der Wunschliste: flächendeckendes und leist- bares Angebot an Kinderbildungseinrich- tungen (entsprechend den VIF-Verein- barkeitskriterien der Statistik Austria) ab dem 1. Lebensjahr, Arbeitszeitverkür- zung bei vollem Lohnausgleich und 50 Prozent Frauenanteil in Aufsichtsrä- ten. „Leider bin ich eher skeptisch, dass all das in den nächsten 35 Jahren tatsäch- lich Wirklichkeit wird.“ Auf jeden Fall gibt es bis dahin noch einiges zu tun. Laut aktuellem Frauen. Management.Report der AK Wien be- trägt der Anteil von Aufsichtsrätinnen etwa in den ATX-Unternehmen knapp 17 Prozent (EU-Durchschnitt 20 Pro- zent). Europäische Spitzenreiter sind Is- land (45 Prozent) und Norwegen mit 38 Prozent, in beiden Ländern gibt es Quo- tenregelungen. Gläserne Decke „Noch viele offene Baustellen“ konsta- tierte auch ÖGB-Frauenchefin Renate Anderl erst kürzlich anlässlich des Inter- nationalen Frauentages. Die aktuellen Forderungen des ÖGB: kollektivvertrag- licher Mindestlohn von 1.500 Euro, be- zahlter Papamonat, das Recht auf Eltern- teilzeit für alle sowie nachhaltige Maß- nahmen, um die „gläserne Decke“ zu durchbrechen. Die hohe Teilzeitquote bei Frauen erhöhe nicht nur das Risiko für Altersarmut, sondern wäre auch ein Bremsklotz für die Karriere. Derzeit liegt der Frauenanteil in den Führungsetagen der Top-200-Unterneh- men bei 5,9 Prozent (2005: 3,7 Prozent). Nur jeweils ein Unternehmen wird von einer Vorstandsvorsitzenden (Infineon) beziehungsweise einer alleinigen Ge- schäftsführerin (IBM) geleitet. Selbst in Branchen mit hoher Frauenbeschäfti- gung wie im Handel oder bei Banken und Versicherungen ist die Spitze män- nerdominiert. Mit einem Frauenanteil von elf Prozent schneidet der Dienstleis- tungssektor noch am besten ab. Eindeutig positive Auswirkungen auf die Vereinbarkeit von Beruf und Pri- vatleben sowie auf die Gleichstellung weiblicher Beschäftigter hat übrigens die Tätigkeit von BetriebsrätInnen (Strukturwandelbarometer 2014). Hier schnitten Unternehmen mit steigender Betriebsrats-Bedeutung deutlich besser ab: Verbesserung der Gleichstellung von Frauen (19 Prozent zu fünf Prozent ge- samt), Verbesserung der Vereinbarkeit (15 Prozent zu vier Prozent gesamt). Internet: Weitere Infos finden Sie unter: www.oegb.at/frauen Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin afadler@aon.at oder die Redaktion aw@oegb.at „Gewerkschaftsarbeit ist eine Knochenarbeit. Die gewerkschaftlichen Ziele sind immer mühsam und langsam zu erreichen, aber auch in unserer Frage müssen wir diese Knochen- arbeit auf uns nehmen.“ (Lore Hostasch am 10. ÖGB-Frauenkongress 1987) © Ö GB -V er la g/ Pa ul S tu rm