Arbeit&Wirtschaft 4/201542 Neues aus der SOZAK Postkarten_schreibfeld.indd 1 07.05.15 14:35 H ätten Sie das gewusst? Würde das durchschnittliche Einkommen der ÖsterreicherInnen einer Körper- größe über 1,80 Metern entspre- chen, wären die reichsten Österreicher ins- gesamt über 1,60 Meter groß. Hingegen wären 90 Prozent der ÖsterreicherInnen gerade einmal so groß wie die Höhe der Schuhsohle der Reichsten. Über Reichtum sprechen Dass in Österreich wenige sehr viel und sehr viele nur wenig besitzen, ist allseits bekannt und wird in immer mehr Studien, unter anderem in der Reichtumsstudie der Österreichischen Nationalbank, mit Zah- len untermauert. Drei TeilnehmerInnen des 60. Jahrgangs der SOZAK haben sich im Rahmen der Abschlussprojektarbeit mit der ungerechten Vermögensverteilung in Österreich beschäftigt. „Nicht nur im Sozialbereich, sondern überall reden wir seit Jahren nur von Einsparungen und von Sparpaketen“, sagt Reinhard Gratzer. „Oder davon, dass wir eines Tages wahr- scheinlich keine Pensionen mehr beziehen werden. Daher hat unsere Gruppe be- schlossen, dass wir über den Reichtum schreiben.“ Gemeinsam mit Beatrix Eiletz, Be- triebsrätin in der Volkshilfe Steiermark, und Daniel Hubmann, heute Regional- sekretär der GPA-djp, beschäftigte sich Gratzer einige Monate lang mit dem Reichtum und der Vermögensverteilung in Österreich. Dabei stellte das Team fol- gende These auf: „Wenn das Gesamtver- mögen gerecht verteilt werden würde und die reichsten Österreicher sich entspre- chend beteiligen würden, gäbe es keine Armut.“ Trotz des sehr brisanten Themas wollten Gratzer, Eiletz und Hubmann je- doch definitiv keine Neiddebatte führen. „Es gibt durchaus Millionäre, die bereit wären, mehr Steuern zu zahlen. Dabei müssten sie nur so wenig beitragen, dass sie es gar nicht merken würden“, meint Gratzer, der heute Generalsekretär der GPA-djp in Oberösterreich ist. „Das Ziel unserer Arbeit war weniger ein Klassen- kampf, sondern die Beteiligung.“ Ein weiteres Ziel von Gratzer, Eiletz und Hubmann war es, ihre Erkenntnisse ausschließlich in Bildern auszudrücken. „Zwei Milliarden Euro zum Beispiel ist eine Zahl jenseits unserer Vorstellungs- kraft“, sagt Gratzer. „Wir wollten die Un- terschiede und die Kluft in der Vermö- gensaufteilung ausschließlich bildlich dar- stellen, um die emotionale Gehirnhälfte anzusprechen.“ Leider ging es nicht ganz ohne Zahlen und Text, die Hauptbot- schaft blieb jedoch nach wie vor das Bild. Von Zahlen zu Allegorien Die Herausforderung für die drei Projekt- mitarbeiter war zweifellos die Recherche. „Um seriöse Zahlen zu bekommen, muss man sich in sehr komplexe Studien wie den Schmöker von der ÖNB einlesen“, sagt Gratzer. „Bei der Umsetzung der Pro- jektarbeit war der Verlag des ÖGB eine große Hilfe, und es war von Anfang an klar, dass wir aus den Bildern Postkarten machen werden.“ Die Allegorien wurden vom ÖGB-Verlag in Postkarten umgewan- delt und herausgegeben. Jene mit dem Schuh wurde sogar als Plakat aufgelegt. Die finale Arbeit wurde als Folder heraus- gegeben, der inzwischen schon vergriffen, jedoch nach wie vor online zum Download verfügbar ist. Her mit dem (Staats-)Schotter! Die Kluft zwischen Reich und Arm in Österreich wächst. Eine Projektgruppe der SOZAK hat versucht, die Zahlen begreifbar zu machen. Maja Nizamov Freie Journalistin Neues aus der SOZAK © Ö GB -V er la g/ Pa ul S tu rm