Arbeit&Wirtschaft 4/201546 Man kann nicht alles wissen AMA (Agrarmarkt Austria): 1993 eingerichtete Körperschaft öffentlichen Rechts. Aufgaben: Markt- und Preisberichterstattung über in- und ausländische Märkte; Maßnahmen zur Qualitäts- steigerung, Entwicklung und Anwendung von Qualitätsrichtlinien für agrarische Produkte und daraus hergestellte Erzeugnisse sowie Marketing für Agrarprodukte aus Österreich (heute: Agrar- markt Austria Marketing GesmbH). Außerdem hat die AMA die Agenden des vormaligen Milchwirt- schaftsfonds, des Getreidewirtschaftsfonds, des Mühlenfonds und der Vieh- und Fleischkommissi- on übernommen sowie u. a. die Lizenzverwaltung, die Abwicklung der Leistungsentgelte und Förder- programme für Agrarbetriebe. Als von Österreich gegenüber der EU beauftragte Zahlstelle ist die AMA auch für die Ausgleichszahlungen an Bauern in benachteiligten Regionen und für Zahlungen aus dem Umweltprogramm ÖPUL zuständig. Der AMA-Verwaltungsrat besteht aus je drei Vertrete- rInnen der Landwirtschaftskammer, der AK, von ÖGB und Wirtschaftskammer. (Seite 31) Breitner, Hugo: österreichischer SP-Politiker (1873–1946). Als Finanzstadtrat in Wien (1919– 1932) gelang es ihm, die Kreditfähigkeit der Stadt wiederherzustellen. Bekannt wurde er vor allem durch die Einführung sogenannter „Breitner- Steuern“, mit denen die Vermögenden zur Kasse gebeten wurden: Wohnbausteuer zur Etablierung des sozialen Wohnbaus, Hausgehilfinnensteuer für alle, die Hausangestellte beschäftigten, etc. Breitner war jüdischer Abstammung und flüchte- te 1938 aus Österreich. Er starb 1946 in den USA, kurz vor seiner geplanten Rückkehr. (Seite 11) Dayton: Stadt in Ohio/USA, 1995 endeten dort die Verhandlungen zur Beendigung des jugosla- wischen Bürgerkrieges mit dem sogenannten Daytoner Abkommen. (Seite 27) EU-Strukturfonds: Instrumente der europäischen Regionalpolitik, mit dem Ziel, den wirtschaftli- chen und sozialen Zusammenhalt innerhalb der EU zu stärken, vor allem indem Strukturgefälle zwischen einzelnen Regionen verringert werden und eine ausgewogene räumliche Entwicklung gefördert wird. Für Österreich sind neben den Ag- rarfonds vor allem der Europäische Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) und der Europäische Sozialfonds (ESF) von Bedeutung. (Seite 31) Europäische Zins(besteuerungs)richtlinie: Sie verpflichtet die Mitgliedstaaten zur gegenseitigen Unterstützung bei der Erhebung der (nationalen) Einkommensteuer auf Zinseinkünfte. Regelt die Besteuerung aller in der EU ansässigen Personen für jene Fälle, in denen Zinserträge in einem an- deren Staat als im Wohnsitzstaat erwirtschaftet werden. Ziel der Richtlinie ist eine ausnahmslose und gleichmäßige Besteuerung der Zinseinnah- men aller EU-BürgerInnen, unabhängig davon, wo die Einnahmen erwirtschaftet werden. Hierfür soll der Kapitalanlagestaat den Wohnsitzstaat über die Höhe der Zinseinnahmen informieren. Ausnah- men bestehen für Luxemburg und Österreich, die unter Berufung auf das Bankgeheimnis keine Informationen weitergeben, sondern eine anony- me Quellensteuer einbehalten und diese zu 75 Prozent an den Wohnsitzstaat abführen. Ab 2017 wird der automatische Informationsaustausch für alle EU-Länder verpflichtend. (Seite 34) Finanzrahmen: Mehrjähriger Ausgabenplan, mit dem politische Prioritäten finanztechnisch umge- setzt werden sollen. Er gibt einen Rahmen für die Finanzplanung (inklusive jährliche Höchstbeträ- ge) und die Haushaltsdisziplin vor, indem er si- cherstellt, dass Ausgaben vorhersehbar und in- nerhalb der vereinbarten Grenzen bleiben. Ende April hat der Ministerrat den Finanzrahmen 2016 bis 2019 beschlossen. Er sieht für diesen Zeitraum ein strukturelles (= um Konjunkturschwankungen bereinigtes) Nulldefizit vor. Auf Basis dieses all- jährlich im Frühling beschlossenen Finanzrah- mens wird im Herbst das Budget des Folgejahres erstellt. (Seite 38) G20-Länder: 1999 etablierter informeller Zusam- menschluss der 19 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer sowie der EU. Das nächste, zehnte jährliche G20-Gipfeltreffen der jeweiligen Staats- und RegierungschefInnen wird im Novem- ber in der Türkei (Antalya) stattfinden. (Seite 35) Gemeinsame Agrarpolitik (GAP): Die Unterzeich- nung des Vertrages von Rom zur Gründung der EWG 1957 führte auch zur Gründung einer Ge- meinsamen Agrarpolitik. Anfangs galt vor allem das Ziel, die europäische Bevölkerung ausrei- chend mit Nahrungsmitteln zu versorgen, heute geht es besonders darum, dass sich die Erzeuger von Nahrungsmitteln auf den Märkten in Europa und weltweit behaupten können. Verordnungen und Richtlinien werden hauptsächlich von der EU- Kommission ausgearbeitet, seit der Agenda 2000 hat auch das Europäische Parlament ein Mitspra- cherecht. Die GAP ruht auf zwei Säulen, der ge- meinsamen Marktordnung und der Entwicklung des ländlichen Raums. Dementsprechend gibt es zwei EU-Agrarfonds, den Europäischen Garantie- fonds für Landwirtschaft (EGFL), für die einheit- liche gemeinsame Marktordnung und Direktzah- lungen an landwirtschaftliche Betriebe, und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Ent- wicklung des ländlichen Raums (ELER), dessen Entwicklungsmaßnahmen national kofinanziert werden müssen. (Seite 31) Haustrunk: Erzeugnis eines Getränkebetriebes, das nur für die Konsumation im Betrieb bestimmt ist bzw. zu günstigeren Konditionen an einen aus- gewählten Personenkreis (z. B. Beschäftigte und deren Verwandte) abgegeben wird. Im österreichi- schen Weinbau war der Haustrunk ein Nach- oder Tresterwein aus der zweiten oder gar dritten Trau- benpressung. Im geltenden österreichischen Weingesetz gibt es die Bezeichnung nicht mehr, der als Lohnanteil eingesetzte Wein wird als De- putat bezeichnet. Bei Brauereien versteht man unter Haustrunk Bier, das Dienstgeber an die Beschäftigten zum Genuss außerhalb des Betrie- bes unentgeltlich abgeben. Von diesem Sachbe- zug ist weder Einkommen(Lohn)steuer zu entrich- ten, noch unterliegt er der Beitragspflicht in der Sozialversicherung. Voraussetzung ist, dass der Haustrunk vom Versicherten nicht weiterverkauft wird und daher nur in entsprechenden Mengen abgegeben werden darf. (Seite 8) keltern: Auspressen von bereits zerkleinerten Früchten, um Saft zu gewinnen. Umgangssprach- lich wird auch der gesamte Prozess der Weinpro- duktion als keltern bezeichnet. (Seite 26) Keusche: kleines Bauernhaus. (Seite 15) Negativsteuer: Gutschrift des Finanzamts (dzt. bis zu 110 Euro) für ArbeitnehmerInnen, deren Einkommen unter der Einkommensteuergrenze liegt – sofern diese eine ArbeitnehmerInnenver- anlagung (Steuerausgleich) machen und Sozial- versicherung zahlen. PensionistInnen und freie DienstnehmerInnen haben darauf keinen An- spruch. Eine spezielle Form der Negativsteuer gibt es für AlleinverdienerInnen mit Kind und Alleiner- zieherInnen: Wenn deren Jahressteuer niedriger ausfällt als der Alleinverdiener-/Alleinerzieher- Absetzbetrag, erhalten sie Geld vom Finanzamt. Diese Form der Negativsteuer wird auch an Selb- ständige, freie DienstnehmerInnen und Pensio- nistInnen ausbezahlt. (Seite 9) patrimonial: das väterliche Erbgut betreffend; auf väterlichem Erbe beruhend. (Seite 23) Šemeta, Algirdas Gediminas: konservativer litau- ischer Politiker und Ökonom, geb. 1962, 1997– 1999 litauischer Finanzminister, von 2010 bis 2014 EU-Kommissar für Steuern und Zollunion, Audit und Betrugsbekämpfung. (Seite 34) Terabyte: Speichereinheit aus dem Computerbe- reich; 1 Billion Bytes = ca. 1.000 GB/Gigabytes. (Seite 28) TrainingskellnerIn: hier: Methode von Restaurant- betreiberInnen, um Umsätze nicht zu verbuchen. Dabei werden Eingaben in die Kassa als Übung eines „Trainingskellners“ bewertet und landen daher nicht in der Abrechnung. (Seite 27)