Arbeit&Wirtschaft 9/201528 Schwerpunkt Die Schule von morgen Welche Lerninhalte braucht es, um Kinder und Jugendliche auf das Leben in einer ungewissen Zukunft vorzubereiten? Und wie kommen diese Inhalte am besten an? V er�nderungen im (�sterreichi- schen) Schulwesen gehen in der Regel eher langsam vonstatten. Re- formvorschl�ge und Ideen geistern meist l�ngere Zeit durch Fachb�cher und Medien, bevor mit der Umsetzung be- gonnen wird. Das f�hrt unter anderem dazu, dass Eltern bei Schulbesuchen im- mer wieder D�j?-vu-Erlebnisse haben oder noch r�ckwirkend erstaunt und dankbar sind, wie fortschrittlich und tolerant die eigenen LehrerInnen etwa in den 70er- Jahren waren. Selbstverst�ndlich sind Sch�lerIn- nen keine Versuchskaninchen und im Bildungsbereich sind viele Player an Entscheidungen beteiligt. Doch manch- mal schaffen es Ver�nderungen wirklich derart langsam in die Klassenzimmer, dass das ganze System regelrecht welt- fremd anmutet. Immerhin sind sich (fast) alle einig: Bildung bedeutet mehr als Berufsausbildung. Einem modernen Schulwesen sollte es gelingen, sowohl �konomischen Erfordernissen gerecht zu werden als auch Kreativit�t und indi- viduelle F�rderung zu erm�glichen. Nah an der Praxis Einer der ersten Schritte auf dem Weg zur Erneuerung sind Schulversuche oder Projekte. Seit einigen Jahren etwa gibt es den Schulversuch �Zwei-Phasen-Schul- arbeit�. Dabei werden Mathematik- oder Deutsch-Schularbeiten am Ende der Stunde wie �blich abgegeben, aber von den Sch�lerInnen selbst in der n�chsten Mathematik- oder Deutschstunde noch einmal gecheckt und korrigiert. Erst dann wird benotet. Dieses Vorgehen entspricht nicht nur der �blichen Arbeitsweise im beruflichen Alltag, die Sch�lerInnen be- sch�ftigen sich dadurch auch intensiver mit dem Lernstoff und k�nnen ihre Kor- rekturf�higkeit schulen. Zwei-Phasen- Schularbeiten werden sowohl in Pflicht- schulen als auch in AHS-Unterstufen an einzelnen Schulstandorten praktiziert. Den �bergang ins Berufsleben er- leichtern soll das Projekt Fachmittel- schule (FMS), das derzeit an Polytechni- schen Schulen in f�nf Wiener Bezirken in Kooperation mit Neuen Mittelschu- len (NMS) l�uft. Nach einer ausf�hrli- chen Orientierungsphase k�nnen Sch�- lerInnen f�r je drei Wochen in vier von neun m�glichen Fachbereichen �schnup- pern�. Erst danach entscheiden sie sich fix f�r einen Fachbereich. Umfassendes Wissen Abseits der �blichen Schulf�cher oder (un)verbindlichen �bungen gibt es auch noch die sogenannten Unterrichtsprinzi- pien: Entwicklungspolitische Bildungs- arbeit, Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und M�nnern, Europapolitische Bildung, Gesundheitserziehung, Inter- kulturelles Lernen, Leseerziehung, Medi- enbildung, Sexualp�dagogik, Umweltbil- dung, Verkehrserziehung sowie Wirt- schaftserziehung und Verbrauche- rInnenbildung. Diese sollen sich f�cher- �bergreifend wie ein roter Faden durch den Unterricht ziehen � in welcher Form und wie umfangreich, h�ngt weitgehend von den Lehrkr�ften ab. Politische Bildung ist sowohl Unter- richtsprinzip als auch Schulfach: 1970 als unverbindliche �bung eingef�hrt, ist sie heute in den einzelnen Schultypen noch unterschiedlich verankert. In der Berufsschule ist sie ein eigenes Unter- richtsfach, in allen anderen Schulfor- men wird Politische Bildung ab der 8. Schulstufe in Kombination mit (Zeit-)Geschichte, Recht oder Wirt- schaftskunde angeboten. Au�erdem m�ssen entsprechende Themen anlass- bezogen schon ab der Volksschule in al- len Schulstufen f�cher�bergreifend in den Unterricht eingebaut werden. Laut aktuellem Regierungsprogramm wird Politische Bildung schon ab der 6. Schulstufe im Gegenstand �Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung� fix verankert. Ein entsprechender Lehrpla- nentwurf ist bereits ausgearbeitet. Blended Learning Wie unser Alltag und die Arbeitswelt in 25 Jahren aussehen werden, ist weitge- hend ungewiss. Ziemlich sicher ist, dass Computer, Internet und Co eine wichti- ge Rolle spielen werden. Als Blended Learning bezeichnen ExpertInnen den Mix aus konventionellem Unterricht und digitalen Lehr- und Lernmethoden; �efit21 � Digitale Bildung� hei�t die ent- sprechende Strategie des BMBF. Bil- dungsministerin Gabriele Heinisch- Hosek: �Kein Kind soll die Schule ohne digitale Kompetenzen verlassen. Es ist wichtig, Sch�lerinnen und Sch�ler so fr�h wie m�glich zu einem reflektierten und sinnvollen Umgang mit digitalen Medien hinzuf�hren und allen Kindern Astrid Fadler Freie Journalistin