Arbeit&Wirtschaft 9/2015 29Schwerpunkt die nötigen Grundkompetenzen zu ver- mitteln. Nur so können sie als Gestalte- rinnen und Gestalter in einer zunehmend digitalisierten Welt eine aktive Rolle übernehmen.“ Die Palette reicht von E- Books im Rahmen der Schulbuchaktion (digi4school) über Smart-Boards als Hightech-Version der üblichen Schulta- fel bis zu Lernplattformen. Virtueller Lernraum „In Österreich steht vier von fünf Schü- lerInnen der Sekundarstufe eine Lern- plattform als virtueller und geschützter Lernraum zur Verfügung, das ist in kei- nem anderen europäischen Land besser“, so Heinisch-Hosek. Auf diesen Plattfor- men (z. B. Edumoodle) können sich Pä- dagogInnen vernetzen, Erfahrungen tei- len und mit SchülerInnen direkt kom- munizieren. Es werden nicht nur Unterrichtsmaterialien angeboten und das selbstständige Lernen und Üben ge- fördert, auch gemeinsames und klassen- übergreifendes Arbeiten an Themen und Projekten ist möglich. Die ersten Notebook-Klassen wur- den bereits in den späten 1990ern ein- geführt. Mittlerweile gibt es in ganz Ös- terreich rund 600 Laptop-Klassen und es sollen noch mehr werden. Während anfangs die Kosten noch stolz von den Eltern übernommen wurden, trat mit fortschreitender Verbreitung von Blen- ded Learning immer deutlicher zutage, dass weniger begüterte SchülerInnen fi- nanzielle Unterstützung brauchen. Mit dem Projekt „Mobile Learning“ wollen BMBF und BMVIT Schulen und Eltern bei der Einführung neuer Technologien unterstützen. 94 Schulen aus 31 regionalen Clustern nehmen dar- an teil und wurden mit insgesamt rund 2.000 (Leih-)Tablets für den Unterricht ausgestattet – zum Teil finanziert aus den Mitteln der Breitbandmilliarde. Coole Projektnamen können aller- dings nicht ganz darüber hinwegtäu- schen, dass Österreich im internationa- len Vergleich auch in puncto IT-Skills ziemlich weit hinten liegt. Das Bil- dungsministerium ist zwar stolz darauf, dass Österreich mit nur 2,9 SchülerIn- nen pro Computer deutlich unter dem OECD-Schnitt von 4,7 liegt, aber ers- tens finden sich in der OECD auch we- niger begüterte Länder, der Durch- schnitt sollte also für ein reiches Land wie Österreich nicht unbedingt ein Maßstab sein. Zweitens gab es in der PISA-Studie „Computers and Learning: Making the Connections“ leider auch einige unerfreuliche Ergebnisse. Bei der aufgabenorientierten Internetsuche etwa lag Österreich deutlich unter dem OECD-Schnitt. Durchlässigkeit erhöhen Verbesserungswürdig ist bekanntlich auch die Durchlässigkeit unseres Bil- dungssystems. Dabei geht es nicht zwangsläufig um die Erhöhung der Aka- demikerInnenquote, sondern um echte Chancengleichheit. Inwieweit Schule Be- gabungen erkennen und die persönliche Entwicklung fördern kann, sogar Spaß machen kann, hängt zu einem großen Teil auch von den Fähigkeiten und dem Engagement der Lehrkräfte ab. Schulen müssen keineswegs jeden Trend mitma- chen, aber sie sollten doch am Puls der Zeit sein. Teamteaching etwa sollte ange- sichts von Integrationsklassen, Projekt- unterricht und Bilingual Schools auch für LehrerInnen, die sich traditionell eher als EinzelkämpferInnen sehen, zur Selbst- verständlichkeit werden. Damit wären sie außerdem auch bezüglich Teamfähigkeit ein Vorbild. Über die Jugend von heute zu klagen, die keinem Vortrag folgen kann, ohne sich nebenbei mit dem Smart- phone zu beschäftigen, hilft niemandem. In Zeiten des Infotainments sind auch Erwachsene schneller gelangweilt und greifen zum Handy – das sich ja auch für Notizen und Hintergrund-Re- cherche eignet. Die Halbwertszeit von Wissen wird immer kürzer und im Lau- fe einer jahrzehntelangen Lehrtätigkeit sind Flexibilität und Toleranz unver- zichtbar. Im Sinne der Kinder und Ju- gendlichen bleibt nur zu hoffen, dass diese Eigenschaften durch bürokratische Hürden nicht überstrapaziert werden. Internet: Virtuelle Schule: www.virtuelleschule.at OECD-Studie im Internet: tinyurl.com/qfveyu4 Lehrkräfte-Toolkits zu den Themen Sicherheit und Gesundheitsschutz (für 7- bis 11-Jährige): tinyurl.com/qzct8vt Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin afadler@aon.at oder die Redaktion aw@oegb.at © Ö GB -V er la g/ M ic ha el M az oh l In einer schneller und zugleich größer werden- den Welt stellt sich die Frage: Welches Wissen soll oder kann die Schule eigentlich vermitteln?