Arbeit&Wirtschaft 3/2016 31Schwerpunkt Anschluss an den hiesigen Arbeitsmarkt ermöglichen, fehlen weitgehend. Denn in sehr vielen Berufen muss man nicht nur die hierzulande üblichen Geräte, sondern auch Standards und (Sicher- heits-)Vorschriften kennen, um tatsäch- lich arbeiten zu können. Im Jahr 2015 waren rund 17.300 Asylberechtigte arbeitssuchend gemel- det (aktuell: 22.140), davon konnten 6.200 vermittelt werden. Um die beruf- lichen, aber auch die nicht formal er- worbenen Fähigkeiten von Asylberech- tigten ohne bzw. mit unklaren formalen Abschlüssen einschätzen zu können, führt das AMS seit Kurzem österreich- weit Kompetenzchecks durch. Man rechnet mit rund 13.500 Checks bis Jahresende. Das Verfahren wurde in ei- nem Pilotprojekt in Wien mit rund 900 Asylberechtigten getestet. Betreuung weiter ausbauen Dabei hat sich unter anderem herausge- stellt, dass der Check für weibliche Flüchtlinge von fünf Wochen (? 10 Stun- den) auf sieben verlängert werden muss. „Viele dieser Frauen hatten in ihrem Hei- matland überhaupt nicht vor, einen Beruf zu ergreifen“, erklärt AMS-Sprecher Paulick. „Sie machen sich hier in Öster- reich erstmals darüber Gedanken, wo ih- re Talente und Interessen liegen oder wel- che Ausbildung sie anstreben könnten.“ Bald soll in Wien eine neue Bera- tungs- und Betreuungseinrichtung die Menschen unterstützen, mit den Er- kenntnissen aus dem Kompetenzcheck ihren Weg weiterzugehen. Die Einrich- tung werde in allen Belangen des Arbeits- markts oder der Ausbildung bis zur Kin- derbetreuung helfen, aber auch als An- laufstruktur für Freiwillige und Mento- rInnenen dienen, kündigte Petra Draxl, Chefin des AMS Wien, im Jänner an. Kompetenzchecks, 30.000 Deutsch- kursplätze im Jahr 2016, Förderungen für Ausbildungen, Weiterqualifizierun- gen sowie für Nostrifikationen und Nostrifizierungen, Eingliederungsbei- hilfen für Unternehmen usw. – das AMS bietet vieles an, doch die Ressourcen sind zu knapp. KritikerInnen wie Josef Wallner, Leiter der Abteilung Arbeits- markt und Integration in der AK Wien, bemängeln grundsätzlich, dass Integra- tionsmaßnahmen zu spät ansetzen: „Schon für AsylwerberInnen sollte ein Integrationspfad definiert werden: Was ist zu tun, was fehlt noch, damit die be- treffende Person arbeiten kann? Dem- entsprechend sind Sprachkurse auch schon im Asylstatus nötig. In Deutsch- land kommen Delegationen der Bun- desagentur für Arbeit schon in die Asyl- werberInnen-Unterkünfte, um mit der Integration möglichst früh zu beginnen. Dafür wurde das Personal um 3.600 Be- schäftigte aufgestockt. In Österreich würde das AMS also rund 400 zusätzli- che MitarbeiterInnen brauchen.“ Langwierige Verfahren Anerkennungsverfahren in Österreich sind selbst mit ausreichenden Sprach- kenntnissen kompliziert und zeitaufwen- dig. Je nach Ausbildungsart und -ort sind unterschiedliche Universitäten, Ministe- rien oder die Länder zuständig. Trotz der 2013 entstandenen interaktiven Platt- form www.berufsanerkennung.at und spe- ziellen Anlaufstellen für Personen mit im Ausland erworbenen Qualifikationen gibt es noch reichlich Verbesserungsbedarf. Unübersichtlichkeit Tatsächlich ist eine Novelle des 2012 ent- standenen Anerkennungsgesetzes ge- plant. Die entsprechenden Änderungen gehen allerdings nicht weit genug, kriti- siert AK-Experte Wallner: „Wir begrüßen zwar die geplanten Verbesserungen wie spezialisierte Beratungsstellen und eine Plattform, über die Anträge zur Anerken- nung und Bewertung mitgebrachter Qualifikationen elektronisch eingebracht werden können. Aber die Unübersicht- lichkeit bezüglich Zuständigkeiten und Verfahren bleibt in diesem Entwurf weiter bestehen. Sinnvoll wäre außerdem die Angleichung der Verfahren für EWR- und Drittstaatsausbildungen, wie es auch im deutschen Anerkennungs- gesetz vorgesehen ist.“ Internet: Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen: www.migrant.at Anlaufstelle für Personen mit im Ausland erworbenen Qualifikationen: www.anlaufstelle-anerkennung.at Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin afadler@aon.at oder die Redaktion aw@oegb.at © Ö GB -V er la g/ M ic ha el M az oh l Bis heute vergeht zu viel Zeit, bis Flüchtlingen Deutschkurse angeboten werden, bis man ihre Fähigkeiten und den Bildungsstatus kennt und bis sie in ihren Berufen arbeiten oder eine Ausbildung beginnen können.