E ndlich fertig mit der Lehre. End- lich Geld verdienen, denn jetzt fängt das Leben erst richtig an. Während ich mich noch über mei- nen ersten Gehaltszettel freute, gelangten auch schon die ersten Unkenrufe an mein Ohr: „Früher haben wir vier Prämien im Jahr bekommen. Warum jetzt nicht mehr?“ Daraufhin begann eine lange Dis- kussion darüber, was früher war und jetzt ist. Auch bei der Pension, die ich laut meinen KollegInnen nicht mehr bekom- men werde. Nicht nur sie, sondern auch viele Medienberichte können einen an der eigenen, sicheren Zukunft zweifeln lassen. Es sind einige wenige, die verun- sichern und dabei vor allem eines im Sinn haben: junge Menschen zu motivieren, ihr Geld in Produkte zu investieren, die morgen schon unsicherer sind als eine Pension in weiter Ferne. Schlägt man heute eine Zeitung auf, in der von unsi- cheren Pensionen geschrieben wird, sind oftmals auf der nächsten Seite die Anzei- gen für eine private Vorsorge. Die gesamte Gewerkschaftsbewegung muss hier ge- genhalten und den Irreführungen die Fakten gegenüberstellen. Meine Genera- tion darf das Vertrauen in das Pensions- system nicht verlieren! Reformen wirken Die größte Irreführung in der Pensions- debatte ist die Behauptung, die Pensio- nen seien nicht ausreichend finanziert. Das Problem ist aber nicht, dass wir uns die Pensionen nicht mehr leisten können, sondern dass bestimmte politische Kräf- te genau das nicht wollen. Nämlich jene, die mit dem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen und im Alter nicht von einer Pension abhängig sind. Sicher, wir werden immer älter. Die Zahl der Menschen über 65 Jahre wird bis zum Jahr 2060 deutlich ansteigen. Aber das ist etwas Schönes und kein Grund, in Panik zu geraten. Denn der Anteil der Pensionskosten an der Wirt- schaftsleistung Österreichs (BIP) wird im selben Zeitraum nur moderat anstei- gen. Das zeigt, dass die bisherigen Re- formen wirken. Das faktische Pensions- antrittsalter ist beispielweise schon jetzt stärker gestiegen als erwartet. Deshalb muss die Politik die Zügel auch weiter- hin in der Hand behalten. Österreich braucht kein automatisches Anheben des Pensionsantrittsalters. Mehr Lehrstellen und Arbeitsplätze Wir kehren die Probleme nicht unter den Tisch, man muss aber sagen, wo man wirklich ansetzen kann. Statt weiterhin das Pensionssystem kaputt zu jammern, müssen wir für mehr Lehrstellen und Ar- beitsplätze sorgen. Denn nur eine gute Ausbildung, ein fairer Berufseinstieg und kollektivvertraglich geregelte Löhne sind die Grundlage für eine sichere Pension – und nicht etwa ein höheres Pensionsan- trittsalter. Denn die Jobs, um bis ins ho- he Alter zu arbeiten, gibt es nicht. In unserer täglichen Arbeit erzählen uns viele ArbeitnehmerInnen, dass es gang und gäbe ist, ältere MitarbeiterIn- nen abzuservieren. Einer 56-jährigen Frau wurde ins Gesicht gesagt: „Du kannst so lange arbeiten, bis die Förde- rung aus dem 50-plus-Programm aus- läuft, dann musst du gehen.“ Nicht alle Betriebe sind so, aber genügend Firmen nutzen es aus: Sie holen sich dank Steu- ergeldern gratis LeiharbeiterInnen. Normal statt prekär Auch bei den Arbeitsverhältnissen müs- sen die Unternehmer ihre gesellschaft- liche Verantwortung wieder stärker wahr- nehmen. Für viele aus meiner Generation ist es leider normal, prekär beschäftigt zu sein und nicht zu wissen, ob man in der nächsten Woche noch den Job hat. Oder nur einen Teilzeitjob angeboten bekommt. Die Unternehmer diktieren vor al- lem jungen Menschen Arbeitsverträge und Arbeitszeitverkürzungen, von de- nen nur sie profitieren. Es zählt nur ihr Gewinn. Rücken wir das Wohl aller wieder in den Vordergrund, schaffen wir sichere Arbeitsverhältnisse für Junge und alternsgerechte Arbeitsplätze für Ältere, dann müssen wir auch keine Angst um den Sozialstaat und das Pen- sionssystem haben. Panik? Nein danke! Nicht zuletzt© Ö GB -V er la g/ M ic ha el M az oh l von Sascha Ernszt Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend 43