44 Arbeit&Wirtschaft 6/2016 Der A&W-Blog ergänzt die Printausgabe als digitales De- battenforum. Frisch gebloggt gibt einen Einblick, was in letzter Zeit online los war. In voller Länge finden Sie diese sowie jede Menge anderer ak- tueller Debattenbeiträge zum Nachlesen auf blog.arbeit-wirtschaft.at. Wir legen euch diese drei Bei- träge besonders ans Herz: » Pathologischer Homo oeconomicus (Stephan Schulmeister) » Neun Wahrheiten zu Flucht und Asyl (Lucia Bauer) » EU-Spitzenwert beim BIP pro Kopf (Markus Marterbauer) Wenn Ihnen ein Blogbeitrag gefällt, belohnen Sie uns und die Autorinnen und Autoren doch damit, dass Sie den Beitrag per Facebook, Twitter, E-Mail oder – ganz klassisch – per Mundpropaganda an interessierte Menschen weitergeben! Wir freuen uns, wenn Sie uns abonnieren: blog.arbeit-wirtschaft.at Sie finden uns auch auf Facebook: facebook.com/arbeit.wirtschaft PATHOLOGISCHER HOMO OECONOMICUS Stephan Schulmeister beleuchtet in seinem Beitrag den sogenannten Homo oeconomicus. Das ist der idealtypische Wirtschaftstreibende in den Modellen der meisten ÖkonomInnen, der sich stets rational verhält, umfassend informiert ist und damit seinen individuellen Nutzen maximieren kann – egal ob eine profitmaximierende Unternehmerin oder ein Konsument. Obwohl dieses Gedankenkonstrukt mit der Realität wenig gemein hat, bildet es doch eine der wesentlichsten Grundlagen der neoklassischen Ökonomie und ihres Glaubens, dass Märkte und damit die Wirtschaft insgesamt stets gut funktionieren – wenn sie der Staat nur in Ruhe lässt. Das geht sogar so weit, dass Mainstream-ÖkonomInnen alternativen wirtschaftspoliti- schen Vorschlägen grundsätzlich ihre Glaubwürdigkeit absprechen, eben weil sie nicht vom Homo oeconomicus ausgehen und damit nicht logisch wären. Stephan Schulmeister folgert daraus, dass das von der „neoliberalen Gegen-Aufklärung“ geschaffene neue „höhere Wesen“ entthront werden muss, indem die negativen Folgen in der Praxis aufgezeigt werden. Lesen Sie mehr: tinyurl.com/ztq39q4 NEUN WAHRHEITEN ZU FLUCHT UND ASYL Lucia Bauer von der GPA-djp zeigt, dass sich in der öffentlichen Debatte über Flüchtlinge eine Vielzahl von Behauptungen hartnäckig hält, obwohl sich diese anhand von – großteils sogar online verfügbaren – Fakten leicht widerlegen lassen: » Während hierzulande darüber diskutiert wird, dass „wir ja nicht alle nehmen können“, be- heimatet allein der Libanon (ärmer und kleiner als Österreich) mehr syrische Flüchtlinge als die gesamte EU. » Während in Österreich von 2014 bis 2016 allein rund 7,8 Milliarden Euro für weitere Kapitaltransfers an Banken da sind, wird ernsthaft darüber diskutiert, ob wir uns die 1,8 Milli- arden Euro Aufnahmekosten für schutzsuchende Menschen leisten können. » Obwohl 2015 der Großteil der Flüchtenden aus den von Krieg und Verfolgung zerrütteten Staaten Syrien, Afghanistan und Irak kommt, glauben immer noch viel zu viele, dass nur „Wirt- schaftsflüchtlinge“ zu uns kommen. Die gelernte Politologin erklärt zudem, warum AsylwerberInnen niemandem einen Arbeits- platz wegnehmen können, die Grundversorgung alles andere als üppig ist, sie nicht für die – sowieso insgesamt sinkende – Kriminalität verantwortlich gemacht werden können und ihr Smartphone kein Zeichen von ohnehin ausreichenden eigenen Mitteln ist. Lesen Sie mehr: tinyurl.com/hcm7h9v EU-SPITZENWERT BEIM BIP PRO KOPF Markus Marterbauer zeigt anhand der Anfang Juni erschienenen Daten über das Wirtschafts- wachstum 2015, dass die heimische Ökonomie nicht abgesandelt ist, sondern vielmehr weiterhin international zur Spitzengruppe zählt. Mit (preisbereinigten) 36.400 Euro, die pro EinwohnerIn erwirtschaftet wurden, liegt Österreich – noch vor dem vielgepriesenen Deutschland – auf Platz vier in der EU, nur hinter Luxemburg, Irland und den Niederlanden. Während die ersten beiden durch unsolidarische Steuerkonstruktionen weder vergleichbar noch nachahmenswert sind, ist bei den Niederlanden der Trend zu beachten: Seit 2008 ging die Pro-Kopf-Produktion stetig zurück. Will man den Vorsprung zu Deutschland halten, ist nicht ein Abbau des Wohlstandes der ArbeitnehmerInnen anzuraten (wie es von der Wirtschaftsseite gefordert wird), sondern vielmehr eine ähnlich kräftig wachsende inländische Nachfrage. Mit der Steuerreform und der Wohnbauinitiative dürfte das 2016 gelingen. Lesen Sie mehr: tinyurl.com/jpu843q