28 Arbeit&Wirtschaft 7/2016 B is zu einer halben Million Men- schen sind heuer gleichzeitig von Arbeitslosigkeit betroffen. Ein Rekordwert, obwohl �sterreich im europ�ischen Vergleich mit einer Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent Ende Juli immer noch deutlich unter dem EU-Schnitt liegt. Gleichzeitig mit der Arbeitslosigkeit steigt auch der Druck auf die Besch�ftigten: Die AK Ober�ster reich ortet in ihren Untersuchungen die nied- rigste Arbeitszufriedenheit seit zw�lf Jahren. Im Windschatten wachsender Unsicherheit und Unzufriedenheit bieten rechte PopulistInnen � einmal mehr � einfache Erkl�rungen und Rezepte an. Ein �Zuwanderungsstopp�, so die Be- hauptung, w�rde �Arbeit f�r uns �ster- reicher� bedeuten. Zuwanderung und Arbeitsmarkt �sterreich lag mit seiner Nettomigrati- onsrate, also dem Saldo aus Zu- und Ab- wanderung, im Jahr 2015 zwar nur im europ�ischen Mittelfeld. 120.000 Perso- nen, die im Vorjahr zugewandert sind, stellen nichtsdestotrotz eine Herausfor- derung dar. Neben den Menschen, die aus B�rgerkriegsgebieten nach �sterreich kamen, hielt der Zustrom aus anderen EU-Staaten wie Rum�nien und Ungarn, gefolgt von Deutschland und Kroatien ungebrochen weiter an. Nicht SyrerInnen oder IrakerInnen, sondern deutsche Staatsangeh�rige (176.463) gefolgt von � oft lange ans�ssigen � Personen aus Ser- bien, der T�rkei und Bosnien stellen mo- mentan die gr��ten MigrantInnengrup- pen dar. F�r den Arbeitsmarkt bedeutend sind dar�ber hinaus PendlerInnen aus Ungarn und � v. a. f�r den Hauspflege- bereich � auch aus der Slowakei. Verdr�ngung Unmittelbar w�rden laut IHS wegen der Zuwanderung allerdings kaum �sterrei- cherInnen ihren Arbeitsplatz verlieren. W�hrend �sterreichische Staatsangeh�ri- ge zwar die Statistik bei den Langzeitar- beitslosen deutlich anf�hren, sind in den letzten Jahren Personen aus der T�rkei (aktuell 20 Prozent Arbeitslose im Seg- ment t�rkischer Staatsb�rgerInnen in �sterreich), dem ehemaligen Jugoslawi- en (15 Prozent) und nicht zuletzt sonsti- gen (nicht europ�ischen) Staaten (25 Pro- zent) auf dem Arbeitsmarkt immer weiter zur�ckgefallen. Der Hintergrund: Vor allem Arbeit- nehmerInnen aus Serbien und der T�r- kei wurden in Niedriglohnbereichen durch Personen aus Osteuropa mit bes- seren Qualifikationen und/oder Sprach- kenntnissen ersetzt. Besonders negativ betroffen sind dar- �ber hinaus jene Personen, die vor Krieg und Verfolgung nach �sterreich geflo- hen sind. F�r sie bleibt � auch wenn der entsprechende formale (Zugangs-)Status bereits vorhanden ist � der Zugang zum Arbeitsmarkt faktisch verschlossen. Von 9.520 Personen, die im Vorjahr einen Asylstatus erhalten haben, waren Ende Juli lediglich zehn Prozent (957 Perso- nen) besch�ftigt. Im Juli waren insgesamt 25.168 Menschen mit Asylstatus bzw. subsidi�r Schutzberechtigte dem AMS gemeldet. Bemerkenswert: Auch die � in �sterreich oft hysterisch � gef�hrte Dis- kussion um die generelle �ffnung des Arbeitsmarktes f�r alle AsylwerberInnen �ndert offenbar wenig an dieser �gl�ser- nen Decke�. Auch in Schweden, wo die entsprechende �ffnung l�ngst existiert, haben 2013 und 2014 gerade einmal 450 AsylwerberInnen Arbeit gefunden. Die eigentliche Frage lautet somit: Wie k�n- nen Personengruppen in den Arbeits- markt (wieder) integriert werden, die hier v�llig legal leben, nach Besch�fti- gung suchen und zum Teil auch jahre- lang in die Sozialt�pfe eingezahlt haben? �ber Bildung zur Integration Selbstverst�ndlich existieren spezifische Schwierigkeiten, mit denen bestimmte Gruppen von MigrantInnen konfrontiert sind. Dies k�nnen etwa fehlende Netz- werke, aber auch Sprachprobleme sein. Einig sind sich alle ExpertInnen dar�ber, dass Bildung � beginnend bei einem aus- reichenden Angebot an Sprachkursen � die individuellen Chancen am Arbeits- markt erh�ht. Einher geht damit in der Regel auch die berechtigte Kritik am �sterreichi- schen Bildungssystem, das noch immer z�gerlich auf die Herausforderungen ei- ner Migrationsgesellschaft reagiert. Pro- bleme stellen dabei � aktuell besonders � die Anerkennung und Verwertung von mitgebrachten Abschl�ssen und Kompetenzen sowie ma�geschneiderte Angebote f�r oft hoch motivierte, junge Erwachsene bzw. �ltere Jugendliche dar. Programme wie �More�, das inzwi- schen 700 Fl�chtlinge an die Unis ge- John Evers Erwachsenenbildner und Historiker Kampfzone Arbeitsmarkt? Die steigende Arbeitslosigkeit f�hrt zu Verdr�ngungsprozessen am Arbeitsmarkt. Debattiert wird � auch hier � aber vor allem �ber Flucht und Migration.