45Arbeit&Wirtschaft 7/2016 AK/ÖGB: Wirtschaftspolitik muss endlich Arbeitsplätze schaffen Finanzministerium darf 400 AMS-Planstellen nicht länger blockieren. „Bei so vielen Menschen ohne Arbeit darf die Politik keinesfalls die Hände in den Schoß legen“, kommentierte AK-Präsi- dent Rudi Kaske die aktuellen Arbeitslo- senzahlen. Ganz wichtig sei eine Personal- aufstockung im Arbeitsmarktservice um mindestens 400 Stellen. „Die Arbeitssu- chenden brauchen qualifizierte Betreuung und Vermittlung. Das geht bei so vielen Arbeitslosen nicht ohne zusätzliches Per- sonal.“ Kritik übt Kaske deshalb an Fi- nanzminister Hans Jörg Schelling, der die längst beschlossene personelle Aufsto- ckung des AMS weiterhin blockiert. Auch ÖGB-Präsident Erich Foglar kritisierte den Finanzminister, der der aktiven Arbeitsmarktpolitik die Schuld an der hohen Arbeitslosigkeit gegeben hatte: „Dem Sozialministerium die Schuld an der Arbeitslosigkeit umzuhän- gen ist wie die Krankenkassa für den Ausbruch der Grippewelle anzupran- gern.“ Das Finanzministerium sollte selbst das Notwendige zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beitragen. „Fast 400.000 Menschen auf Arbeitssuche – das ist eine schreckliche Zahl, aber ihnen stehen in etwa gleich viele vermittelte Arbeitsplätze seit Jahresbeginn gegen- über. Das Arbeitskräfteangebot steigt weiter, und entsprechend muss auch das AMS besser ausgestattet werden“, for- dert Foglar. Dabei würde laut den diese Woche von „profil“ veröffentlichten Zahlen die Aufstockung des AMS insge- samt sogar zu Einsparungen durch bes- sere Vermittlungserfolge führen. AK-Präsident Rudi Kaske kommen- tierte: „Der Finanzminister sollte es ei- gentlich besser wissen. Über die Höhe der Arbeitslosigkeit entscheidet die Wirtschaftsentwicklung. Wir brauchen daher dringend mehr öffentliche Investi- tionen. Diese Verantwortung müssen sowohl der Finanzminister als auch der Wirtschaftsminister endlich wahrneh- men. Das wäre hilfreicher, als wieder einmal auf jene loszugehen, die dringend Arbeit brauchen.“ Vom Innen- und vom Integrations- minister erwartet sich der AK-Präsident, dass die Vorbereitung von Asylberech- tigten auf den Arbeitsmarkt endlich an- gegangen wird. Anerkannte Flüchtlinge haben freien Zugang zum Arbeitsmarkt. Es ist daher wichtig, dass sie dann auch ausreichend Deutsch können. „Dafür müssen die beiden Minister auch sor- gen. Für diesen Zweck hat allein der In- tegrationsfonds mehr als 40 Millionen erhalten“, forderte der AK-Präsident professionelle Deutschkurse des Integra- tionsfonds in ganz Österreich: „Aner- kannte Flüchtlinge müssen ausreichend Deutsch können, wenn sie zum AMS kommen, denn sonst können sie weder vermittelt noch geschult werden.“ Infos unter: tinyurl.com/z3g4g8a Aus AK und Gewerkschaften „Geschlossene Gesellschaft“: Die Eliten und die Menschen Elitenforscher Michael Hartmann präsentiert bei den Wiener Stadtgesprächen am 6.Oktober 2016 sein neues Buch. Eine „internationale Superelite“, die die Fäden zieht und von Großkonzernen aus die Welt regiert? Mit diesem Mythos setzt sich der deutsche Soziologe und Elitenforscher Michael Hartmann in seinem neuen Buch „Die globale Wirtschaftselite – eine Legende“ auseinander. Hartmann (*1952) war bis Herbst 2015 Professor für Soziologie an der TU Darmstadt und steht für die These, dass Herkunft maßgeblich über den Erfolg entscheidet. Hartmann ist Autor zahlreicher Bücher zum Thema Eliten, darunter „Soziale Ungleichheit – kein Thema für die Eliten?“ (2013), „Eliten und Macht in Europa“ (2008), „Elitesoziologie“ (2004) und „Der Mythos von den Leistungseliten“ (2003). Moderation: Peter Huemer Donnerstag, 6. Oktober 2016, 19 Uhr, AK Wien, Bildungszentrum – Großer Saal, Theresianumgasse 16–18, 1040 Wien Das Wiener Stadtgespräch ist eine Veranstaltungsreihe der Arbeiterkammer Wien in Kooperation mit der Stadtzeitung „Falter“. Eintritt frei Um Anmeldung wird gebeten: stadtgespraech@akwien.at www.wienerstadtgespraech.at/aktuell Buchbestellung: tinyurl.com/zjl4x49