42 Arbeit&Wirtschaft 8/2016 Er ic H er ch af t © R ep or te rs /R ep or te rs /p ic tu re de sk .c om U nser Sozialsystem kostet Geld, je- der Mensch muss im Laufe seines Lebens soziale Einrichtungen in Anspruch nehmen. Diese dürfen nicht kaputtgespart werden, sondern müssen ausgebaut werden. Deshalb ha- ben BetriebsrätInnen des privaten Ge- sundheits- und Sozialbereichs mit 6.427 Metern den längsten Schal Österreichs für soziale Wärme gestrickt. Lob allein reicht nicht Ende September marschierten rund 600 TeilnehmerInnen aus allen Bundeslän- dern mit dem Schal vor das Finanzminis- terium in der Wiener Innenstadt. Unzäh- lige UnterstützerInnen aus dem privaten Sozial- und Gesundheitsbereich in ganz Österreich haben sich an der Aktion be- teiligt. In vielen Einrichtungen haben auch die PatientInnen und KlientInnen mitgestrickt. „Es hilft nichts, wenn eure wertvolle Arbeit von allen Seiten in den höchsten Tönen gelobt wird“, so der Vor- sitzende der Gewerkschaft vida, Gottfried Winkler. „Einkommen unter dem Durch- schnitt, zu wenig Personal, unregelmä- ßige Arbeitszeiten, körperlich und psy- chisch hohe Belastung und ständig stei- gender Arbeitsdruck lösen sich dadurch nicht in Luft auf. Die rigide Sparpolitik in Ländern und Bund muss ein Ende haben, nur so können wir die Arbeitsbe- dingungen verbessern.“ Der Zugang zu flächendeckender qualitativer Gesund- heitsversorgung, Pflege und Betreuung ist für ein gutes Leben von zentraler Be- deutung. In den kommenden Jahren ste- hen wir in diesem Bereich vor großen Herausforderungen. Es geht darum, durch entsprechende Anpassungen und zusätzliche Investitionen die Qualität der Leistungen zu verbessern und das Ange- bot vor allem im Bereich der Pflege und Betreuung auszubauen. Es gibt unter den einzelnen Bundesländern in der Leis- tungshöhe und -dichte große regionale Unterschiede. Vida und die GPA-djp treten für die Übernahme von Pflege und Betreuung in die Bundeskompetenz ein. Die Bun- despolitik muss einheitliche Standards auf hohem Niveau festlegen. Es dürfen keine Mindeststandards sein, sondern ein akzeptables Niveau an Leistungen soll zwingend vorgeschrieben werden. Aktivierende Maßnahmen GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian forderte zudem die Stärkung aktivie- render Maßnahmen im Rahmen der be- darfsorientierten Mindestsicherung, mit dem Ziel, für Betroffene die existenz- sichernde Eingliederung in den Arbeits- markt zu erreichen, anstatt den Anstieg prekärer Arbeitsverhältnisse zu fördern: „Auch das fällt in die Kategorie ,mehr soziale Wärme‘ – es braucht klare Worte und einen engagierten Kampf gegen die Neiddebatte auf dem Rücken der Armen!“ Gegen Kaputtsparen Längster Schal Österreichs symbolisiert Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen und höheren Einkommen.