Arbeit&Wirtschaft 4/2016 Noch immer kämpferisch Geschlechterstereotype behindern Männer wie Frauen weiterhin. Eine Umverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit sowie eine Neubewertung von „Frauenarbeitsplätzen“ sind nötig. Text: Sonja Fercher | Fotos: Michael Mazohl 6 N och immer“ ist die Phrase, die bei Artikeln über Gleichstellung gerne vorkommt. Noch immer verdienen Frauen weniger. Noch immer küm- mern sie sich hauptsächlich um die Kinder. Und noch immer sind sie in Führungspo- sitionen eine exotische Spezies. Doch wer verzweifelt, hat keine Kraft zu kämpfen. Und es wäre auch den Kämpferinnen der vergangenen Jahrzehnte gegenüber unge- recht, ihre Verdienste in Abrede zu stellen. Deswegen lohnt sich ein Blick darauf, was im Kampf für gleiche Chancen von Frauen bereits gelungen ist. Frauen von heute sind topgebildet. Da- bei gerät leicht in Vergessenheit, dass ge- bildete Frauen noch vor nicht allzu langer Zeit etwas recht Ungewöhnliches waren. Noch Anfang der 1970er-Jahre hatten 70 Prozent der 25- bis 64-jährigen Frauen ge- rade einmal die Pflichtschule absolviert. Bei Männern lag der Anteil mit 43 Prozent deutlich niedriger. Mittlerweile hat nur mehr eine Minderheit von 23 Prozent bei den Frauen nur Pflichtschule, bei den Männern sind es 15 Prozent. Am anderen Ende der Bildungsskala zeigt sich die gegenläufige Entwicklung: Hatten in den Siebzigern gerade einmal sechs Prozent der Frauen die Matura oder gar einen höheren Abschluss, explodierte dieser Anteil geradezu auf 32 Prozent im Jahr 2013. Damit haben sie auch die Män- ner mit 29 Prozent – knapp, aber doch – hinter sich gelassen. Fortsetzung Seite 8