27Arbeit&Wirtschaft 9/2016 REPORTAGE S ie heißen weder Brigitte Ederer noch Angela Merkel oder Hillary Clinton. Sie heißen Re- nate Blauensteiner, Ana Ilic oder Doris Chris- tina Steiner. Sie stehen nicht im Rampenlicht, sondern hinter den Frauen und Männern in der ers- ten Reihe. Sie sind Filialleiterinnen, Objektmanage- rinnen, Senior Consultants, Betriebsratsvorsitzende oder Bereichsleiterinnen – Frauen in der zweiten und dritten Führungsebene. Und sie sind viele. Wie viele, das wurde im Gegensatz zu den Zahlen der Frauen in den Vorstandsetagen und Aufsichtsräten, die ein- mal jährlich veröffentlicht werden, noch nicht erho- ben. Während ganz an der Spitze Frauen noch im- mer sehr rar gesät sind, dürften weibliche Führungs- kräfte ein bis zwei Etagen darunter alles andere als selten sein. Bisher hat nur kaum jemand auf sie ge- schaut. Eine von ihnen ist Renate Blauensteiner, die im Opel-Werk von General Motors in Wien dem Be- triebsrat vorsteht und damit die Interessen von rund 1.400 MitarbeiterInnen vertritt – 97 Prozent davon männlich. Auch ihr Stellvertreter und der dritte Betriebsrat sind Männer. Als Blauensteiner uns an einem Freitagnachmittag Anfang November im Opel-Werk in Wien-Aspern empfängt, hat sie seit 32 Stunden nicht geschlafen – sie hat die Nacht über für die Produktionsgewerkschaft PRO-GE Kollektivverhandlungen geführt. Schon als Vierjährige übernahm Doris Christina Steiner gern freiwillig das Ruder und vertrat bei Bedarf die Kindergartentante. Später setzte sie sich zum Ziel, noch vor dem 30. Geburtstag eine leitende Position zu erreichen – und das gelang ihr: Sie ist Senior Consultant bei der Kommunikationsagentur Ketchum in Wien. Langfristig möchte sie in einen Vorstand.