© Ö GB -V er la g/ M ic ha el M az oh l und gewann Selbstbewusstsein, welches ihr heute bei Verhandlungen nützt. Ihre weiteren Ziele? „Ich will erreichen, dass der Standort Aspern für viele weitere Jahrzehnte abgesi- chert ist.“ Und die Vision für die Frau- en? „Es soll sich so weit ändern, dass sich die Frage gar nicht mehr stellt: Ist das ein Mann oder eine Frau? Dann bräuchten wir gar kei- ne eigenen Frauenbereiche mehr.“ Reserve-Kindergartentante Auch Doris Christina Steiner, die mit ih- ren 29 Jahren schon seit drei Jahren eine Führungsposition innehat und nebenbei an der Fachhochschule Kufstein unter- richtet, ist mit jeder ihrer Aufgaben ge- wachsen. Die Lust zu führen war ihr of- fenbar schon in die Wiege gelegt worden. „In der Familie haben sie mich ‚Der Ge- neral‘ genannt“, lacht sie. Sie habe „im- mer schon gern Entscheidungen getrof- fen und Verantwor- tung übernommen“. Als „Natural Born Leader“ mimte sie schon im zarten Alter von vier Jahren die Reserve-Kindergartentante, indem sie sich auf deren Platz setzte, wenn die ech- te Tante den Raum verließ. Steiner ist eine von vier Senior Con- sultants der Kommunikationsagentur Ketchum Publico und damit direkt der Geschäftsführerin unterstellt. Ihr Aufga- benbereich sind die Digitalagenden, zu ihrer KundInnenliste gehören unter an- derem BMW, A1, PwC und Microsoft. 2014 war sie Onlinerin des Jahres, und sie gewann bereits einige Preise, unter Ana Ilic schaffte es trotz ungünstiger Startbedingungen, eine Führungsposition zu erreichen. Im Alter von 24 Jahren flüchtete sie vor dem Jugoslawien-Krieg nach Wien. Zurücklassen musste sie nicht nur Mutter und Schwester, sondern auch ihr unfertiges Studium. In Wien fing sie als Reinigungskraft an und arbeitete sich bis zur Objektleiterin mit 80 MitarbeiterInnen hoch. Den Job als Betriebsratsvorsitzende, auf den unter anderem die Mitglied- schaft im Europa-Betriebsrat von Opel und die Vizepräsidentschaft der Arbei- terkammer Wien folgten, hat sich Blau- ensteiner nicht ausgesucht. Sie war von 1983 an Arbeiterin in der Produktion und wurde von der Kollegenschaft im- mer wieder zur Teamsprecherin und da- mit zum „Bindeglied zwischen Beleg- schaft und Betriebsrat“ gewählt. Das Angebot, den Betriebsratsvorsitz zu übernehmen, kam einigermaßen über- raschend. Sie musste es erst überdenken – und mit ihrem Mann besprechen, mit dem sie zwei Kinder und zwei Stiefkin- der hat. „Wir haben das gemeinschaft- lich entschieden. Ich sage immer: Der Mann denkt, die Frau lenkt“, sagt sie verschmitzt. Stolz auf die Partnerin Eine gute und faire Partnerschaft, bei der beide Teile Verantwortung für Haushalt und Kinderbetreuung übernehmen, ist aus Sicht der 57-Jährigen essenziell, da- mit auch Frauen verantwortungsvolle Po- sitionen übernehmen können. Als sie et- wa die Sozialakademie besuchte und da- für von 1994 bis 1995 ein Jahr lang jede Woche von Sonntag bis Freitag in Möd- ling war, schupfte ihr Mann den Haus- halt, wusch die Wäsche und half den Kin- dern beim Lernen. Das war damals, Ende der 1980er-Jahre, noch keineswegs üblich. Ihre Funktionen brachten auch einen oft vollen Terminkalender mit sich. Für ihren Mann war das kein Problem: „Er hat sich gefreut und war stolz.“ Wie Renate Blauensteiner entwi- ckeln viele Frauen, die sich nicht „von Natur aus“ in einer leitenden Position gesehen hätten, mit der Zeit und den Erfahrungen Führungsqualitäten. „Man wächst mit den Aufgaben“, sagt Blauen- steiner. Am Anfang habe sie „Bammel vor allem“ gehabt und wollte vor allem als Frau nicht belächelt werden. Ihr Selbstvertrauen hatte einen Wachstums- schub nötig. Nach einer abgebrochenen Friseurlehre, einer Karenzzeit mit Kin- dern sowie der Arbeit als Verkäuferin in einer Lampenfabrik und Fließbandjobs mit Schichtarbeit war selbst das Schrei- ben eine Herausforderung für sie. Sie nahm sie an, verfasste fortan Protokolle „Ist das ein Mann oder eine Frau? Diese Frage sollte sich gar nicht mehr stellen.“ Renate Blauensteiner 28